Mönchengladbach: Breitschuh singt Brel

Mönchengladbach: Breitschuh singt Brel

Er kennt Brel schon eine gefühlte Ewigkeit. Als Eckart Breitschuh ein kleiner Junge war, hörte er den berühmten Chansonnier (1929 bis 1978) oft im Radio. "Und der Freund meiner großen Schwester hatte eine Schallplatte", erinnert er sich schmunzelnd.

Mit seinem Pianisten Greg Baker machte Breitschuh jetzt im Mönchengladbacher BIS-Zentrum Station. Um dem Publikum in der Vitusstadt die Lieder des charismatischen Belgiers näher zu bringen. Und um sich selbst dabei immer mehr Jacques Brel anzunähern.

Dessen Gesang und Ausdruck findet er "einfach großartig". Eckart Breitschuh hat Mimik und Gestik seines musikalischen Vorbilds übernommen, ist dabei jedoch immer noch er selbst. Der gelernte Comiczeichner und Autor aus Hamburg ist der französischen Sprache gar nicht mächtig, weil er damals in der Schule Latein hatte. "Es gilt, die Emotionalität zu transportieren", sagt der 51-Jährige überzeugt. Früher hatte Eckart Breitschuh eine Rock'n'Roll-Band, die er irgendwann als zu langweilig und eintönig empfand. Brels Chansons faszinieren ihn mehr. Insgesamt 35 Stücke habe er im Repertoire, erzählt Pianist Greg Baker. Und kein Auftritt gleiche dem anderen: "Wir variieren und switchen je nach Bedarf um. Das ist eine emotionale Sache auf der Bühne, sehr stimmungsabhängig".

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Er bemühe sich, "so dicht wie möglich an Brels Inhalten zu bleiben", betont Breitschuh. Trotzdem: Szenen werden von ihm ganz bewusst nach Deutschland transportiert, um sie auf seine Zuhörer vertraut wirken zu lassen - so wird aus dem Flughafen Orly kurzerhand Fuhlsbüttel, aus Jeff der deutsche Vorname Jens. Breitschuh hat dafür France Brel, die älteste Tochter des verstorbenen Sängers und Leiterin der Brel-Stiftung in Brüssel, um Erlaubnis gebeten.

"Uns gehört Liebe nur" ("Quand on n'a que l'amour"), Brels großen Hit und Verkaufserfolg, stimmt er im BIS ebenso an wie "Bleib' doch bitte da" ("Ne me quitte pas") oder "Der Säufer", spannt dabei den Bogen von sanften Liebesliedern bis zur harten Gesellschaftskritik. Vom Verliebtsein, von Niederlagen, Schmerz, Verzweiflung, Verrat und Alkohol handeln die Chansons, mit denen Jacques Brel einst im Pariser Olympia für Begeisterung sorgte und die Eckart Breitschuh nun mitgebracht hat an die Mönchengladbacher Bismarckstraße. Mit dem kraftvollen Brel-Klassiker "Amsterdam" verabschiedet er sich nach eineinhalb Stunden von seinem Publikum, dem er einen vergnüglichen Abend bereitet hat.

(dg)
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