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Ausstellung von Rudolf Weiher in Mönchengladbach

Mönchengladbach : Wenn Abstraktes ganz konkret wird

Aus amorphen Formen entwickelt sich ein menschliches Wesen, ein Embryo. Das wird in die Welt geboren, und die ist ziemlich wild. Rudolf Weiher stellt einige großformatige Werke im Projektraum EA 71 aus. Es gibt viel zu entdecken.

Irgendwann hat er sich ein Herz gefasst und Joseph Beuys ein paar seiner Zeichnungen vorgelegt. Der habe sie sich angesehen – und erstmal gar nichts gesagt. Als er ihm zufällig zwei Tage später wieder über den Weg lief, habe der große Künstler gefragt: „Weiher, wann kommst du?“ Das war Ende der 1960er Jahre. Fortan studierte Rudolf Weiher also bei Beuys. „Das war eine schöne wilde Zeit“, sagt er. Und Joseph Beuys, der sei ein väterlicher Lehrer gewesen, sehr freundlich, sehr zugewandt. „Und er war ein Visionär, seiner Zeit weit voraus.“

Beuys würde gefallen, könnte er sehen, was sein Schüler heute macht. Rudolf Weiher malt, er malt auf großem Format und mit viel Intuition. Einige seiner Werke sind im Projektraum EA 71 an der Eickener Straße 71 zu sehen. Hinschauen lohnt sich. Da sind streng grafische Kompositionen neben warmen amorphen Formen und wilden gestischen Knallern zu sehen.

Rudolf Weiher, der 1941 in Koblenz geboren wurde, hat ursprünglich das Malerhandwerk gelernt und acht Jahre auf Baustellen gearbeitet, bevor er sich entschloss, an der Werkkunstschule Düssledorf Baumalerei zu studieren. Das tat er von 1965 bis 1969. Und dann kam die Begegnung mit Joseph Beuys. In dessen „Freier Klasse“ fühlte er sich von 1969 bis 1972 richtig und wohl. Seit 1973 arbeitet Weiher als freischaffender Künstler, und seit 1986 lebt und arbeitet er in Mönchengladbach, wo er zu den c/o-Künstlern gehört, die vom städtischen Kulturbüro betreut werden.

  • Kempen : In memoriam Joseph Beuys
  • Krefeld : In memoriam Joseph Beuys
  • Debattenbeitrag : Joseph Beuys und der Nationalsozialismus

Die Bilder im Projektraum lassen erkennen, in welcher Jahreszeit sie gemalt wurden. Der Sommer beschert ,fröhliche Farben, die dünn und durchsichtig wirken. Der Winter hat eher erdige Nuancen. Rudolf Weiher legt seine großen Leinwände auf Böcke, grundiert sie ziemlich dünn, wartet, bis sie getrocknet sind. Um sie dann wieder nass zu machen. In den feuchten Grund lässt er seine Acrylfarben laufen. Die fließen ineinander, grenzen sich ab, bilden ganz fein ziselierte Ränder. „Das könnte man mit dem Pinsel nicht machen.“ Da ist ganz viel Bewegung, die der Künstler teils geschehen lässt, teils ganz bewusst steuert. Und was der Betrachter damit macht? Da lässt er ganz viel Freiheit, ist neugierig auf dessen Beobachtungen und Deutungen.

Zwei Kompositionen neuerer Zeit gehen besonders ans Herz. Auf dem einen ist ein amorpher Körper zu sehen, dessen schwarze „Löcher“ den Blick unweigerlich in den Bildgrund ziehen. Und dann entdeckt man das Geheimnis: Es ist ein menschliches Wesen in der schützenden Hülle verborgen, ein Embryo. Auf dem anderen Bild hat dieser sich auf den Weg in die Welt gemacht. Das Köpfchen ist deutlich zu sehen.Im Juni ist Rudolf Weiher Großvater geworden. Seine Tochter hat den kleinen Karl-Johann geboren. Inniger kann ein Opa seine Gefühle nicht ausdrücken als mit diesen Bildern.