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Ausstellung von Andrea Bowers im Museum Abteiberg in Mönchengladbach

Ausstellung in Mönchengladbach : Die Ästhetik des politischen Protests

Jutta Koether geht, Andrea Bowers kommt. Ab 15. März zeigt das Museum Abteiberg die multimedialen Arbeiten der US-Amerikanerin, die dem gewaltfreien Widerstand von Umweltschützern und Feministen eine künstlerische Sprache zufügt. Eine Vorschau.

Kunst im luftleeren Raum gibt es nicht. Aber nicht oft ist das künstlerische Arbeiten so eng mit politischem Engagement verwoben wie bei Andrea Bowers. Die Arbeiten der in Los Angeles lebenden Künstlerin sind ab 15. März im Museum Abteiberg zu sehen.

Seit 20 Jahren begleitet Bowers Aktivisten, beobachtet die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und spiegelt die Diskurse. Sie ist Zeitzeugin, Archivarin und Übersetzerin. Die 55-Jährige transformiert den zivilen Widerstand der Umweltaktivisten, der Natur- und Klimaschützer, der Feministen, der Me-Too-Bewegung in eine künstlerische Sprache. Ästhetik trifft bei ihr auf Protest, auf Feminismus, auf Ökologie, auf Klimaschutz. Gewaltlos, aber entschieden. Dabei sind Bowers alle künstlerischen Mittel Recht: Video-Installationen, Stoffstreifen, Leuchtreklamen, Skulpturen, Zeichnungen.

Da gibt es bunte Satinbänder mit politischen Slogans wie „Equal means Equal“ (Gleich bedeutet gleich), „Empower women“ (Gebt Frauen mehr Macht) und „Wer schweigt, stimmt zu“. Farbenfröhlich auf den ersten Blick, aber ernst in der kleingedruckten Botschaft.

Ein gezeichnetes Selbstporträt von Andrea Bowers. Foto: Andrea Browers

Bowers arbeitet die Sprache, die Plakate, die Protestinstrumente ein in Kunstwerke, die mal leise, mal fröhlich, mal düster, mal plakativ das Anliegen der Aktivisten zitieren.

Ein sieben Meter langes Piratenschiff wird im Museum Abteiberg hängen. Es vereint die „Tree sitting platform“ der Baumbesetzer mit allerlei Fundstücken. .„Radical Feminist Pirate Ship Tree Sitting Platform“ hat Bowers diese Arbeit genannt. Sie selbst hat eine Baumbesetzung erlebt und sich nach der polizeilichen Räumung des Geländes porträtiert.

„I am nature“ (Ich bin Natur) ist eine andere Arbeit. Eine großformatige Filzzeichnung, tragisch und düster. Sie zeigt einen abgeholzten Wald, Motiv eines Flyers von Umweltaktivisten, dem die Farbe entzogen wurde.

Zu den jüngsten Werken gehört ein Video über die Widerstandkämpferin Tokata Iron Eyes in Dakota, die US-amerikanische Greta Thunberg. In New York wurde der Film bereits gezeigt. Jetzt bald hat er Premiere in Europa. In Mönchengladbach.

Es ist die zweite große Überblickschau von Andrea Bowers’ Arbeiten überhaupt. Die erste im Weserburg-Museum in Bremen endet jetzt; dort lag der Schwerpunkt auf feministische und sozialpolitische Themen. In Mönchengladbach liegt der Fokus auf der Ökologie. Wie in Bremen wird Bowers auch hier Arbeiten vor Ort kreieren. „Sie plant eine historische Annäherung an Petra Kelly, Joseph Beuys und die deutsche Umweltbewegung“, sagt Susanne Titz, Direktorin des Museums Abteiberg. Zeichnungen seien dabei Bowers’ Mittel der Wahl.

„Grief and Hope“ – „Trauer und Hoffnung“ – ist die Ausstellung überschrieben. Trauer, weil Ökosysteme, Arten und Landschaften sterben. Hoffnung, weil das Handeln der Aktivisten die Vision von einer heileren Welt in sich trägt.

Die Museumsdirektorin kennt Andrea Bowers schon lange. „Wir haben uns 1998 in Los Angeles kennen gelernt“, erzählt Titz. „New York war der Ort des Kunstmarkts, aber L.A. war die spannende Stadt. Hollywood war dort das Leitmedium; in dessen Schatten entstand eine Kunstszene, die die gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeit wahrnahm, sich mit ihnen auseinandersetzte. Aus dieser Generation Künstler stammt auch Andrea Bowers“, erklärt Titz.

Was damals als Subkultur entstand, ist heute hip. Die einstige Ruhe ist vorbei. „Wenn heute eine Galerie eröffnet, kommen die Hollywoodstars und Rockmusiker“, sagt Titz.

Mit der Ausstellung wollen Bowers und Titz das Museum auch für junge Aktivisten öffnen. „Genaues kann ich noch nicht sagen. Wir werden junge Aktivisten einladen. Andrea möchte den Menschen einen Raum und eine Stimme geben. Ob das im Einzelfall öffentlich ist, kann ich noch nicht sagen. Manchmal braucht es auch einen geschützten Raum, um gewaltfrei zu reden“, sagt Titz.

Bis zum 30. August bleiben Bowers’ Arbeiten am Abteiberg. Die Ausstellung fällt in die Zeit des Kommunalwahlkampfes. Eine brisante Mischung: Hochaktuelle umweltpolitische Themen und eine aufgeheizte Wahlkampfstimmung könnten den Kunstraum mitten in die gesellschaftliche Debatte katapultieren. „Da kann es spannende Diskussionen geben“, sagt Titz und lächelt.