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Ausstellung in Mönchengladbach: Postwendende Kunst in der alten Post

Ausstellung in Mönchengladbach : Postwendende Kunst in der alten Post

Der Verein Mischpoke hat Werke mehrerer Künstler in einer sehenswerten Ausstellung am Bismarckplatz vereint. Dabei gab es für die Gäste neue Einblicke, denn zur Galerie ist nicht etwa die vertraute Schalterhalle geworden.

Kaum hat sie das Gebäude betreten, gerät die Besucherin ins Stolpern, fängt sich und bemerkt, dass dieser Stolperstein nur ein Flokati und zugleich Kunst ist: Die Kölner Künstlerin Stefanie Klingemann hat an der Stelle, wo sich normalerweise eine Schmutzmatte befindet, einen weißen Teppich eingelegt. Er liegt offenbar etwas tiefer als die alte Matte, so dass das Stolpern mitgeplant scheint.

Der Kunst- und Künstlerverein Mischpoke ist ebenso bekannt wie beliebt für die Auswahl seiner außergewöhnlichen Ausstellungsorte. Ohne eigene Räume sind die Mitglieder stets auf der Suche: Sie fanden eine temporäre Heimat im Franziskanerkloster oder dem ehemaligen Maria Hilf Krankenhaus.

Gehäkelte Bilder, verrückte Fotografien, verwirrende Rauminstallationen – zu der 14. Ausstellung des Vereins haben sich nun 26 Künstler in der alten Hauptpost am Bismarckplatz ausgebreitet. Regionale und überregionale Künstlerinnen und Künstler luden die Macher des Vereins, Wolfgang Hahn, Alexander Hermanns, Taka Kagitomi, Philipp Maria Königs, Ulrike Lua, Heiko Räpple und Stefan Sturm, zum Mitmachen ein. Auch das ist ein geschätztes Merkmal des Vereins: Künstler nach Mönchengladbach zu locken, die hier weniger bekannt sind.

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Nicht die vertraute Schalterhalle, sondern die wie Perlen an einer Schnur aneinandergereihten unbekannten Büro- und Betriebsräume im Obergeschoss sind zur Galerie geworden. Mit ihren Gemälden von Alltagsräumen ist die Johanna Roderburg ganz nah dran an diesem Ausstellungsort. In der Ecke liegen Postsäcke, ein altes Telefon hängte sie an die Wand. Daneben ihre Bilder: Mit dem hochrealistisch gemalten Blick in ein Büro oder in eine unaufgeräumte Ecke stellt Roderburg den direkten Bezug zum Postamt her.

Nachdem die Post das Gebäude verlassen hatte, war in einigen Räumen kurz eine Tanzschule ansässig: Wände wurde mit Tapeten mit Blattmustern beklebt und mit Sonnenstrahlen bemalt. Nun ist hier die Malerin Beatrice Richter mit ihren zarten Stillleben zu Gast.

Ursula Böhmer zeigt Fotoserien, in denen Zeit festgehalten wird, wenn das Motiv, ein Ast, langsam in der Dunkelheit verschwindet. Völlig verrückte Bezüge findet der Fotograf Ralf Janowski im Alltag: der Anstreicher, dessen Pose der im Fenster des Gebäudes ausgestellten Skulptur gleicht, der Junge im schwarz-weiß gestreiften Hemd, der einen Zebrastreifen überquert. Diese Fotos anzuschauen ist ein großes Vergnügen.

Einen verlockend-befremdlichen Raum macht der Installationskünstler Emil Walde aus einem aufgeschnittenen Kunststofftank. Der ehemalige norwegische Stipendiat der Stadt, Jon Erlend Larsen, zeigt in einem kleinen Raum seine Videoarbeit „Meter“. In ihr widmen sich zwei kleine Jungen halb spielerisch, halb höchst ernsthaft der Vermessung von Ästen, die sie dann in einem bestimmten Muster auf dem Boden auslegen. Genau dieses Muster zieht sich über den Boden und die Wand des Ausstellungsraums in der Post. Klara Virnich malt eine Frau in Ölfarbe auf eine Leinwand. In Serien. Immer gleich und doch immer leicht anderes. Das Bild überzieht sie mit hochglänzendem Polyester. Oftmals bricht sie die glänzende Oberfläche, indem sie die Schutzschicht zerstört oder so aufträgt, dass das Bild verschleiert wird.