Ausstellung in Mönchengladbach-Eicken: Einzelbilder vor digitaler Flut retten

Kunst in Mönchengladbach : Einzelbilder vor digitaler Flut retten

In seiner Ausstellung „Maengelexemplar“ zeigt Karl-Josef Weiß-Striebe neue Arbeiten im EA 71. Besonderes Thema des Künstlers ist dabei das Verschwinden des einzelnen Bildes durch die nahezu grenzenlose Medialisierung.

Karl-Josef Weiß-Striebe geht er der Frage nach, wie Künstler Bilder vor dem Vergessen bewahren können. Er greift aus dem Strom der Bilderflut Motive mit brisanten politischen Inhalten, löst sie aus dem ursprünglichen Kontext und schafft überraschende Zusammenhänge. Er montiert Bild-Collagen auf gebrauchten Verpackungskarton und Pappe. Die Gebrauchsspuren bleiben sichtbar, die Ränder sind teilweise beschädigt. Es sind offene Ränder, die den Bildern keine Grenzen setzen.

Es ist nicht Karl-Josef Weiß-Striebes erste Ausstellung. Der Beginn seiner künstlerischen Karriere liegt Jahrzehnte zurück. Durch seine Arbeiten zieht sich wie ein roter Faden die Montage, die auch in der aktuellen Ausstellung eine große Rolle spielt. „Es hat sich so entwickelt, dass ich in diesem Jahr vorgefundenen Bildträger aus Karton benutzt habe“. Dieses Mängelmaterial inspirierte ihn. „Auslöser für diese Bildreihe war eine kaputte Dollarnote, die ich in Rheydt auf der Straße fand.“ Gefundene oder selbst hergestellte Teile kombiniert der Künstler zusammen. Druckstöcke oder Zeichnungen sind Bestandteil wie auch alte Bilder.

„Die Bilder sind voll mit Geschichten und tagespolitischer Geschichte. Sie bleiben rätselhaft und geheimnisvoll, da es sich letztlich um ein Bild von Bildern handelt“, umreißt die Kunsthistorikerin Jutta Saum aus Düsseldorf seine Arbeiten.

Die Problematik, dass in der digitalen Flut alle Bilder verschwinden, bewegt den Künstler. „Das Bilderverbot der Religionen wird überflüssig, denn die Masse an Bildern sorgt dafür, dass es keine Bilder mehr gibt - in der Masse geht das einzelne Bild verloren“, erklärt Weiß-Striebe und erläutert die Vorgehensweise der sozialen Bildmedien, die hochgeladene Fotos über Computerlogarithmen vergleicht, kategorisiert und sie zu einem von Millionen Fotos werden lässt - es verschwindet in der Masse.

Seine Gedanken findet der Künstler auch bei dem bekannten Filmemacher Wim Wenders: „Das Bild muss Geschichten erzählen, weil wir es retten müssen - vor den Bildern retten müssen“. Wim Wenders stelle auch die Frage: „Welchen Auftrag kann in diesem Prozess noch ein Künstler haben? Ich denke immer mehr, die Bilder vor sich selbst zu schützen“.

Diesen Kampf der Bilder um Aufmerksamkeit interessiert den Künstler, doch auch politische Themen finden sich in seinen Montagen. Er verwendet dafür Pressefotos, die provokant auf Sachverhalte aufmerksam machen. Ein Foto des Leibzahnarztes von Hermann Göring, Fragmente des Barockgemäldes der Opferung von Isaak, Silhouette eines Soldaten mit Gewehröffnung sind zu finden. „Ich durchstöbere Archive nach starkten Bildern. Daraus entwickle ich dann die Botschaft“, erklärt der Künstler.

Die Pappen benutzt er, weil ihn die Verpackungskartons interessieren. „Sie haben immer, wenn man sie aufklappt tolle Formen“, erzählt er. Früher benutzte er sie als Bildhintergrund, der farbig gestaltet wurde, jetzt lässt er sie so, wie er sie auffindet, mit sichtbaren Einrissstellen oder Verformungen sowie Deformationen. Das macht den Charakter seiner Bilder aus. Bei einigen Kartonagen ist die Oberfläche aufgebrochen, bestimmte Bereiche sind abgezogen, um die darunter liegende Materialität freizulegen. Die sichtbaren Faltungen und unterschiedlichen Oberflächen bestimmen den Charakter der Arbeiten - unverstellt und geradlinig.