Mönchengladbach : „Gitter“ von Jupp Linssen im Kunstraum No. 10

Die Werke des Künstlers sind auf den ersten Blick rau und roh, kommen ruppig daher, um ihre Qualitäten dem Betrachter nach und nach zu entfalten.

Seine Bilder sind eher gebaut als gemalt. Wobei der Begriff „Bilder“ im Grunde nicht zutreffend ist. Vielmehr handelt es sich um Bildobjekte, die Titel wie „Konsolen“, „Strings“ und „Gitter“ tragen. Und doch spielt die Farbe immer eine enorme Rolle. So heißt Jupp Linssens aktuelle Ausstellung im Kunstraum No.10 auch „Innenfarbe“.

Der 1957 in Kempen geborene Künstler war 2011 schon einmal zu Gast in der Galerie. Er lebt und arbeitet in Vaals bei Aachen. Studiert hat er bei Joachim Bandau in Aachen. Seinen Bildobjekten, seien es die „Gitter“, die auf einer bemalten Leinwand basieren, auf der Holzlatten montiert sind, seien es die „Strings“ aus Ölfarbe auf Leinwand oder die „Konsolen“ aus geschichteten Leinwänden, haftet eine große Körperlichkeit und haptische Struktur an. Sie sind auf den ersten Blick rau und roh, kommen ruppig daher, um ihre Qualitäten dem Betrachter nach und nach zu entfalten.

Jupp Linssen schichtet mit dem Spachtel zahlreiche Farbschichten übereinander. Beim Spachteln wird das Bild durch horizontale Linien strukturiert. Anschließend zeichnet er mit einem schmalen Metallstift in die oberen beiden Schichten Linien, wodurch die untere Farbschicht zum Vorschein kommt. Betrachtet man das Bild mit Muße, spürt man, wie die Linien zu leben, zu schwingen und zu flirren beginnen. Wechselt man die Position vor dem Bild und geht auf die Seite, dann verändert sich die Wahrnehmung auf das Bild: verschiedenfarbige Felder werden sichtbar. Dieser besondere Effekt entsteht, weil Linssen während des Arbeitsprozesses die Leinwand dreht.

Nicht immer sind die Linien, die Strings, durchgehend. „Ich habe kein Verhältnis zu geschlossenen Flächen, sondern muss sie brechen, damit sie auf das darunter Liegende verweisen“, erklärt Linssen. Das wirkt dann wie abblätternder Putz einer Wand, die ihre eigene Vergangenheit preisgibt. Übrigens: Linssen malt auf gestreiften Markisen – man sieht es zwar nicht, aber für ihn ist es wichtig: Markisen bestehen aus einer besonders festen Leinwand.

„Ich will nichts erzählen“, sagt Linssen. Und: „Ein Bild ist, was es ist.“ Vor allem, so möchte man hinzufügen: vielfältig. Denn die Strukturen im Bild erinnern an Organisches, an Baumrinde mit ihren Astlöchern. Immer bewegen sich seine Bilder von der Wand weg in den Raum. Im hinteren Raum der Galerie nimmt eine Arbeit einen Wandvorsprung ein. „Ich male Bilder. Ich arbeite mit Bildern und bringe bauliche Aspekte ein.“ So hat er drei bearbeitete Leinwände mit einem Zinkblechband verbunden und „Eastpack“ genannt: ein Rucksack voller Kunst.

Die Ausstellung „Innenfarbe“ mit Werken von Jupp Linssen wird am Sonntag, 30.September, ab 11.30 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 14. Oktober zu sehen.