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Ausstellung des Reha-Vereins "Gefühlte "in Mönchengladbach

Mönchengladbach : Fotografierte Seelen

„Gefühlte Momente“: So heißt eine Ausstellung des Reha-Vereins, die 30 Porträts zeigt. Sie lassen nicht erkennen, ob der fotografierte Mensch psychisch krank oder gesund ist. Die Idee zum Projekt hatte Denise Brenneis.

Dieter Froese hat seinen Rollator in den Hintergrund geschoben und Trommelstöcke in die Hand genommen. So hat ihn die Meisterfotografin Ira Ingenpaß aufgenommen. Lachend schaut der bärtige Mann in die Kamera. Seinem Bild gibt er den Titel „Stärke lohnt sich“. Und er sagt: „Es ist ein Kampf, aber ich bestimme. Ich bin froh, da zu sein, wo ich jetzt bin. Ich schaue in eine positive Zukunft.“ Dieses Foto (oben Mitte) ist eines von insgesamt 30, die ab Freitag, 8. Februar, unter dem Titel „Gefühlte Momente“ im ehemaligen Rinckens-Haus an der Bismarckstraße 13-15 zu sehen sind.

„Die Bilder zeigen emotionale Momente von Menschen – manche haben eine psychische Erkrankung, andere nicht“, sagt Ursula Weber. Die Bereichsleiterin Wohnverbund beim Reha-Verein ist begeistert von den Fotos: Es ist nicht zu erkennen, ob der oder die Abgebildete krank oder gesund ist. „Das ist die Botschaft der Ausstellung“, sagt sie. Die Öffentlichkeit solle für das Thema „psychische Behinderung“ sensibilisiert werden.

 Nicole Bösch gibt ihrem Foto den Titel „Die Freude am traurig sein“.
Nicole Bösch gibt ihrem Foto den Titel „Die Freude am traurig sein“. Foto: Ira Ingenpaß
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Die Idee zu diesem Projekt hatte Denise Brenneis. Sie arbeitet seit einem Jahr als Genesungsbegleiterin beim Reha-Verein. „Genesungsbegleiter sind Experten mit eigener Psychiatrieerfahrung und können Menschen mit einer seelischen Behinderung aus einer anderen Perspektive unterstützen“, sagt Ursula Weber. Denise Brenneis hat sich zwei Semester lang in Köln ausbilden lassen. „Für meinen Abschluss suchte ich ein besonderes Projekt“, sagt sie. „Da ich selbst als Fotografin arbeite, kam ich auf die Idee, eine Fotoserie zu machen.“

 „Zuversicht“ nennt Uwe Czichy sein Foto, das in der in der Ausstellung „Gefühlte Momente“ zu sehen ist.
„Zuversicht“ nennt Uwe Czichy sein Foto, das in der in der Ausstellung „Gefühlte Momente“ zu sehen ist. Foto: Ira Ingenpaß

Es sollte auf jeden Fall ein inklusives Projekt sein. Sie sprach mit Klienten und Mitarbeitern des Reha-Vereins – und traf auf große Bereitschaft. „In vielen Gesprächen entwickelten wir Ideen, und dann ging es an die Umsetzung“, sagt Denise Brenneis. Da sie die Fotos nicht selbst machen wollte, suchte sie nach einem Fotografen oder einer Fotografin. Ira Ingenpaß war sofort bereit. „In diesem Projekt geht es mir nicht um die Technik, auch nicht nur um die Kunst, sondern es geht um die Sichtbarkeit der Menschen, ob gesund oder krank“, sagt sie. „Ich bilde nicht nur die Menschen ab, sondern fotografiere ihre Seele.“ Psychische Erkrankungen seien immer noch ein Tabuthema. „Und genau das wollen wir aufbrechen“, sagt Denise Brenneis.

 Dieter Froese hat seinen Rollator in den Hintergrund geschoben. Er nennt sein Foto „Stärke lohnt sich“.
Dieter Froese hat seinen Rollator in den Hintergrund geschoben. Er nennt sein Foto „Stärke lohnt sich“. Foto: Ira Ingenpaß

Die Fotos wurden im Atelier von Ira Ingenpaß im Nordpark aufgenommen. „Das Studio, die professionelle Ausstattung, das alles war für die Beteiligten eine wirklich aufregende Sache“, sagt Denise Brenneis. Neben dem Fotografieren war das Reden wichtig. „Jeder hatte mehrere Termine, jeder sollte sich äußern und den Inhalt seines Fotos mitbestimmen dürfen.“

Die Titel, die die Bilder tragen, haben die Fotografierten selbst gewählt. So nennt etwa Uwe Czichy sein Bild „Zuversicht“ (Foto oben rechts). Dazu schreibt er: „Blick aus dem verborgenen Dunkel. Gefangen in einer depressiven Phase.“ Zuversicht erzeugt allenfalls die rote Blume, die vor ihm in der Vase steht. „Die Freuden am traurig sein“ nennt Nicole Bösch (oben links) ihr Foto. Das Schwarz-Weiß-Bild zeigt sie aufgestützt auf einer Gitarre. Ihr melancholischer Blick geht ins Leere. „Es sind mutige Fotos“, sagt Ursula Weber. „Unsere Klienten stellen sich ihrer Krankheit. Indem sie sich fotografieren lassen, nehmen sie sie an.“