Mönchengladbach: Allgäuer Hornrufe in Rheindahlen

Mönchengladbach: Allgäuer Hornrufe in Rheindahlen

Das Neujahrskonzert in St. Helena stand im Zeichen des Blechblasinstruments. Le Cor Complet beherrscht unterschiedliche Bauformen der Hornfamilie.

Eine Rarität bescherte das Neujahrskonzert des Fördervereins Geistliche Musik in St. Helena. Weil es sich weithin herumgesprochen hat, dass die Konzertprogramme von Helena-Kantor Reinhold Richter hohe Qualität bieten, war die Pfarrkirche am ersten Sonntag des neuen Jahres voll besetzt. Erstmals war das Ensemble Le Cor Complet zu Gast, das der Jüchener Kantor Wilhelm Junker arrangiert hat.

Das komplette Klangfarbenprogramm dieses Blechblasinstruments zu präsentieren ist Anliegen des Quartetts, dem neben Junker Annette Sondermann-Bieger, die Japanerin Ai Kohatsu und Konrad Balint angehören. Dass dabei Werke französischer Komponisten dominierten, ist in der Spieltradition des Horns am französischen Königshof des 17./18. Jahrhunderts begründet. Junker erläuterte die Formen der Tonerzeugung des aus dem Jagdhorn entwickelten Parforcehorns. Die vier Instrumente, die in Jules Cantins Hubertusmesse zum Einsatz kamen, zeigen schlichte Bauweise: ein kreisförmiges zylindrisches Doppelrohr, das in einen konischen Schallbecher mündet. Dass dabei trotz "stopfender" manueller Eingriffe manche Töne nicht ganz rein klingen, hatte Junker zuvor erläutert. So vorbereitet, störte sich niemand daran.

Heutigen Hörgewohnheiten kommen moderne Waldhörner dank Ventilen mehr entgegen. Und so erlebten die Zuhörer einen kontrapunktischen Hornsatz, der mit raffinierten Verbindungen und jazzigen Rhythmen bis hin zum Groove aufwartete. An höfische Tänze erinnerte, was Junker und Balint von der Orgelempore in einer Suite von Jean Mouret spielten, wobei der Krefelder Organist Heinz-Peter Kortmann an der Seifert-Orgel für stützende Grundierung sorgte. Dabei kamen zwei historische Naturhörner zum ansprechenden Einsatz, die wie Parforce-Hörner keine Ventile besitzen.

Heinz-Peter Kortmann konnte als Solist mit dem Kopfsatz der Weihnachtssinfonie von Michel Corrette ebenso glänzen wie bei "Adeste fideles" von Sigfrid Karg-Elert. Der Cantus firmus, das bekannte Adventslied "Herbei, o ihr Gläubigen", ist in dem impressionistisch angehauchten Orgelwerk, das französischen Vorbildern nacheifert, indes ziemlich versteckt.

Höhepunkt war der Auftritt von vier 3,60 Meter langen Hörnern. Das Quartett spielte auf hölzernen Alphörnern vier Stücke aus dem Allgäu. Technisch meisterhaft und mit wunderbar sonorem Klang, der perfekt zur Akustik der Kirche passte. Danach gab's besonders kräftigen Applaus. Als Zugabe hörten die gut 400 Gäste den Abendsegen aus Humperdincks "Hänsel und Gretel". Auch wenn's um 18.30 Uhr fürs Schlafengehen noch ein wenig früh war.

(ri-)