Kirche in Mönchengladbach: Küsterin aus Leidenschaft

Kirche in Mönchengladbach : Küsterin aus Leidenschaft

Amelie Handschumacher verantwortet die Vorbereitung in der evangelischen Hauptkirche Rheydt für den Gottesdienst. Sie ist Floristin, Seelsorgerin und noch vieles mehr. Der Rheinische Küstertag findet bald in "ihrer" Gemeinde statt.

Umsichtig ordnet Amelie Handschumacher den Blumenschmuck auf dem Altar der evangelischen Hauptkirche. Ein Brautpaar tritt ein, um mit der Küsterin die Dekoration für die Trauung im September zu besprechen. Sie grüßt beide beim Namen, bittet um einen Moment Geduld, um eine angefangene Aufgabe abzurunden, und steht beinahe augenblicklich für das Gespräch bereit. Seit etwa 17 Jahren ist Handschumacher Küsterin in der evangelischen Hauptkirche, und sie versichert euphorisch, dass mit dieser Stelle für sie ein Traum in Erfüllung ging. "Ich habe einen Beruf, der für mich Berufung ist. Es ist ein Glück, in dieser großen und wunderbaren Kirche arbeiten zu dürfen", erzählt die 54-Jährige.

Gelernt hat sie ursprünglich Hotelfachfrau, doch die Mutter von zwei erwachsenen Kindern fand im Ausbildungsberuf keine Erfüllung. Als Hausmeisterin einer großen Kölner Gemeinde aber hatte sie ein Arbeitsfeld, das ihrer Neigung eher entsprach. Irgendwann formte sich die "fixe Idee", Küsterin werden zu wollen. Als Schumacher aus familiären Gründen nach Rheydt zog, bewarb sie sich auf eine Stellenanzeige der evangelischen Kirche und wurde genommen. Sie absolvierte die verpflichtenden Fortbildungen und holte sich im mehrtägigen Seminar bei der Berufsgenossenschaft der Küster das nötige Rüstzeug. "Küsterin ist kein Ausbildungsberuf, sondern ein klassischer Erwachsenenberuf. Man bringt seine Lebenserfahrung und den christlichen Glauben mit", sagt Handschumacher. Sie hat im Bekanntenkreis erfahren, dass vielfach die Vorstellung herrscht, die Küsterin zündet in der Kirche die Kerzen an und hat damit ihre wesentliche Aufgabe erfüllt.

Doch mitnichten. Vor dem Sonntagsgottesdienst um 9 Uhr beginnt die 54-Jährige spätestens um 7.30 Uhr, den Kirchenraum vorzubereiten, damit alles an seinem Platz liegt, das Drumherum geregelt und damit ein reibungsloser Ablauf gesichert ist. Da in der evangelischen Kirche Pfarrer und Pfarrerin Talar tragen, ist sie anders als katholische Kollegen nicht mit liturgischen Gewändern befasst. Leitfaden für eventuelle Fragen in der Dekoration bietet das evangelische Gotteshandbuch mit Hinweisen auf Besonderheiten, wie zum Beispiel die Sonntage in der Osterzeit bis Pfingsten. Sie achtet darauf, dass in der Karwoche keine Blumen und keine Kerzen auf dem Altar stehen, sondern nur das Kreuz und die Bibel. Bis heute pflegt Handschumacher vor dem Gottesdienst ein immer gleiches Ritual: "Ehe ich die Tür aufschließe, bete ich für ein gutes Gelingen und atme einmal tief durch. Das ist ein Moment nur für mich persönlich, dann habe ich zwei Augen und Ohren überall", sagt sie. Sie hat gelernt, auf die Gesichter der Menschen zu achten. Wenn sie das Gefühl hat, da könnte Gesprächsbedarf mit einem Geistlichen bestehen, macht sie den Pfarrer darauf aufmerksam.

Handschumacher weiß, dass die Zahl der hauptberuflichen Küster zurückgeht, und sieht es mit Sorge. "Ohne Küster geht es nicht. Wir arbeiten im Verborgenen. Wenn die Blumen auf dem Altar stehen, scheinen sie einfach da zu sein", stellt sie fest. Zurzeit bereitet die Küsterin mit zwei Kollegen den Rheinischen Küstertag in "ihrer" Gemeinde vor.

(RP)