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Mönchengladbach: Künstliche Augenblicke im Kamerafokus

Mönchengladbach : Künstliche Augenblicke im Kamerafokus

Peter Boettchers sensationelle Fotoschau "Kraftwerk Roboter" ist ab Samstag in der Galerie Löhrl zu bewundern.

Ein kühles, technoides Blau strahlt im unerbittlichen Licht der Neonröhren von der Wand der neuen Fotogalerie Löhrl an der Kaiserstraße. Das riesige Querformat zeigt, wie die meisten der in der Ausstellung "Kraftwerk Roboter" versammelten Arbeiten des Kölner Fotografen Peter Boettcher, die Elektropop-Band "Kraftwerk" in einer typischen Bühnensituation: vier Männer an vier Stehpulten vor einer formatfüllenden Leinwand, auf der ein Video die Show untermalt. Hier ist es das weiße Autobahn-Logo, dessen Unterrand perfekt mit der Linie der Pulte eine Flucht bildet, mittig im streng symmetrisch komponierten Bild.

Peter Boettcher überhöht, ja ikonisiert in seinen Aufnahmen die Auftritte der Band, die mit ihrer Musik die Popwelt seit den 1970er-Jahren um eine nahezu künstliche Variante bereichert hat. Seit 1991 hat der bekannte Musik-Fotograf Zugang zum sonst durchaus abgeschotteten Kraftwerk-Kosmos, ist mit seinen Arbeiten einer ihrer maßgeblichen Image-Träger geworden. Nicht zuletzt durch seine Fotografien der Roboter, die als Klone der Musiker auf der Bühne agieren, wenn der Song "Roboter" erklingt.

Die irritierende Ambivalenz zwischen Mensch und seiner mechanisierten Kopie ist eine Dimension in Boettchers Roboter-Kraftwerk-Fotografien. Eine andere ist, den Gesamtkunstwerk-Anspruch der neuen Kraftwerk-Shows "auf den Punkt zu bringen", wie der Kölner es formuliert.

Seit 1991 tourt die Düsseldorfer Band quasi als Kunst-Performance durch die Welt, spielt in großen Museen und Kunst-Orten von Weltrang. Zuletzt waren die Auftritte im Düsseldorfer K21 binnen weniger Minuten ausverkauft. Und Peter Boettcher ist fast immer dabei. Seine Fotos sind inszeniert wie die Show, formalistisch, konstruiert und in der Farbgebung extrem ästhetisiert. Und doch bewahren sie die menschliche Dimension des Unwägbaren, Einzigartigen in sich.

Die Roboter-Fotos jedoch weisen ins weite Feld der Parodie: fein ausgeleuchtete Einzelporträts, das Quartett inmitten ambitionierter Museumsarchitektur, die Roboter im grellen Gegenlicht auf der Bühne und so fort. Kunst kommt hier klar von künstlich.

Das eingangs beschriebene Autobahn-Foto führt weg vom Roboter-Konzept. Denn es zeigt — wenn auch subversiv — die (in der Öffentlichkeit gleichsam unsichtbaren) Menschen von Kraftwerk. Es verewigt einen magischen Moment der Show, in dem einer der vier Musiker zufällig den Kopf leicht zur Seite wendet. Der Mensch unterläuft da die technoide Symmetrie. Die als Kunst inszenierte Perfektion lebt. Und Peter Boettcher schaut ins Innere des Kraftwerk-Mythos.

(ark)