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Krebsberatung in Mönchengladbach: Schließung wegen Geldmangels droht

Zu klein für Förderung : Krebsberatungsstelle in Mönchengladbach geht das Geld aus

Die Mönchengladbacher Anlaufstelle für Krebskranke fürchtet, wegen fehlender Finanzmittel bald nicht mehr helfen zu können. Ein Problem ist auch: Sie ist zu klein, um Geld von Krankenkassen zu erhalten.

Bis zu 1000 Mal ist Verena Jahreiß binnen eines Jahres gefragt. Und die Probleme, Sorgen und Nöte, mit denen sie in der Beratungsstelle im Paritätischen Zentrum an der Friedhofstraße konfrontiert wird, sind oft schwerwiegende. Denn es geht um Krebs. Ob und in welchem Umfang Ratsuchende auch demnächst noch Unterstützung bei Jahreiß bekommen, ist ungewiss. „Diese Stelle ist in ihrem Bestand gefährdet“, sagt sie.

Die seit 2008 arbeitende Anlaufstelle bangt um die Finanzierung ihrer Arbeit. In den letzten Jahren habe das Land Nordrhein-Westfalen Geld gegeben, der Verband „Der Paritätische“ habe auch beigesteuert. Doch nun ist alles anders.  „Das Land hat sich 2020 aus der Finanzierung zurückgezogen“, sagt Jahreiß. Denn eigentlich sollen nun die Gesetzlichen Krankenkassen einsteigen und 40 Prozent der in der ambulanten Krebsberatung anfallenden Kosten übernehmen. Der Haken für die Mönchengladbacher Krebsberatungsstelle in diesem Modell: Sie ist zu klein.

So erklärt zumindest Verena Jahreiß ihre Sorge um die Existenz der Stelle. Die Förderung der Krankenkassen könnten nur Beratungsstellen erhalten, die bestimmte Kriterien erfülllen. „Die Richtlinien sehen einen hohen Personalschlüsserle vor“, sagt Jahreiß. Nämlich mindestens 2,5 Stellen: Neben einem Psychologen oder eine Psychologin in Vollzeit sei eine sozialpädagogische Fachkraft in Vollzeit und eine halbe Sachbearbeiter-Stelle erforderlich. Diese Kriterien erfüllten nur zwei von zehn nordrhein-westfälischen Beratungsstellen, die in einem Fachverband zusammengeschlossen sind. Mönchengladbach erfüllt die Voraussetzungen nicht. Denn Verena Jahreiß berät alleine – auf einer halben Stelle.

Schützenhilfe kommt von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Die findet es zwar einerseits gut, dass die Krankenkassen ab 2020 zur Finanzierung der Stellen herangezogen sind.  Doch was aus dieser Quelle an Mitteln kommt, reicht ihrer Ansicht nach nicht, um das gesamte nötige Spektrum an Dienstleistungen abzudecken. Gezahlt werde nur für Beratungen bei psychischen Belastungen. „Kosten für eine umfänglich psychosoziale Beratung, die auch sozialrechtliche Unterstützung ermöglicht“, seien damit nicht gedeckt. „Krebspatientinnen und -patienten benötigen eine flächendeckend einheitliche psychosoziale Unterstützung. Während der Erkrankungsphase treten oft psychische Belastungen und Probleme bei der Existenzsicherung auf. Die Finanzierung der psychosozialen Beratungsleistungen muss deshalb in ganz Deutschland gesichert sein“, sagt Johannes Bruns, Generalsekretär der DKG.

Was eine umfassende Beratung nicht nur zu den psychischen Belastungen in Folge einer Krebserkrankung alles leisten muss, fast ein Flyer der Mönchengladbacher Beratungsstelle so zusammen: „Fragen zu Rehabilitation, Nachsorge, Hilfsfonds, Schwerbehinderung, Krankengeld, Schulden, Wiedereingliederung, Sozialleistungen oder Widersprüchen bei Leistungsablehnung.“ Keine Kleinigkeit – auch was das Einzugsgebiet der Rheydter Anlaufstelle angeht. Da es in der Region nur noch in Düsseldorf, Krefeld und Aachen weitere solcher Beratungsstellen gibt, suchen bei Jahreiß auch Kranke aus Viersen, Erkelenz oder Grevenbroich Hilfe.

Wie diese Arbeit angesichts der unsicheren Finanzierung weitergehen kann, vermag Jahreiß nicht zu sagen. Ihr schwant: „Wenn sich nicht jemand findet, der Geld gibt, damit wir personell auf 2,5 Stellen aufstocken und dann Geld von den Krankenkassen bekommen können, sind wir im Bestand gefährdet.“