Konzert in Mönchengladbach: Hitzeschlacht bei Sting

Konzert in Mönchengladbach : Hitzeschlacht bei Sting

22 Hits bei 35 Grad: Beim vierten Konzert des Weltstars Sting im Sparkassenpark schwitzte und dampfte die Menge bei Bier und kostenlosem Trinkwasser. Nur der Künstler selbst ließ sich auf der Bühne heißen Tee servieren.

Als Sting zum ersten Mal an diesem Abend „Sending out an S.O.S“ singt, da wogt die Menge im Innenraum des Sparkassenparks hin und her. Hunderte Arme schwenken irgendwie mit im Takt zum „Police“-Klassiker „Message in a bottle“, und fast wirkt es so, als steige aus dem Stadionkessel Dampf auf. Es ist heiß, schwül, stickig, aber es ist Sting. Da muss man irgendwie mit. Und wenn selbst dieser asketische und von Yoga drahtig geformte inzwischen 67-jährige Mr. Gordon Sumner in den sehr kurzen Liedpausen mal kurz zum Handtuch greift und sich damit die Stirn abtupft, dann darf man auch mal schwitzen. „Hallo Munchengladbach, wie geht’s?“ plaudert er praktisch akzentfrei auf Deutsch in einer kurzen Liedpause und erntet Jubel.

Es war der bisher heißeste Abend des Jahres in Mönchengladbach und ganz sicher auch im Sparkassenpark. Rund 13.000 Fans kamen zusammen, um dem inzwischen vierten Besuch des Altstars in Gladbach beizuwohnen. Ach was, Altstar. Die Lieder mögen ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben, Sting selbst aber ist nicht halb so abgenutzt wie sein legendärer Fender-Bass. Er spielt sich knapp zwei Stunden durch seine eigene Diskografie, die voll ist mit Klassikern wie „Englishman in New York“ (da lässt er das Publikum den Refrain mitsingen), „Every little thing she does is magic“, „Walking on the moon“, „So lonely“, „Every Breath you take“, das erstaunlich treibende „Desert Rose“, und natürlich „Roxanne“.

Sting trifft noch immer jeden auch noch so hohen Ton und zupft seinen Bass mit dem Daumen im routinierten Timing. Die Band schiebt die Songs kräftig an, die Neuaufnahmen von seinem vor ein paar Wochen erschienenen Album „My Songs“ klingen ohnehin rauer als die Originale, sie treiben mehr. Sting verzichtet auf große Show, kein Licht-Spektakel, keine Feuerbälle. Wo andere viel technischen Schnickschnack brauchen, um ein Stadion mitzureißen, reichen bei Sting die Songs – jeder ein Hit –, seine fantastische Band und das Charisma dieses Ausnahmekünstlers.

Das goutiert man im Publikum. Diesmal wird jeder Song gefeiert, als könne man so der Hitze entkommen. An den Getränkeständen sind elend lange Schlangen, an den Imbissbuden leiden die Grillmeister, auf der Tribüne fächern sich viele Besucher Luft zu. An den Eingängen wird kostenloses Trinkwasser ausgegeben, auch die ersten Reihen vor der Bühne werden mit Frischwasser versorgt. Von hinten wird der Innenraum mit Wasser beregnet, irgendwie hilft das alles ein bisschen. Getränkeverkäufer schleppen frisches Bier durch die Menge. Überall angestrengte Gesichter. Wer an diesem Abend nicht tropft, ist unschwitzbar.

Langsam neigt sich die Sonne hinter der Westtribüne des Stadions, und dann wird es heimelig. „Fields of Gold“ mit einer wunderbaren Akustik-Gitarre von Rufus Miller (der übrigens der Sohn des langjährigen Sting-Gitarristen Dominic Miller ist). Vor „Demolition Man“ lässt sich Sting von einem Roadie, der wohl sonst schwere Boxen schleppt, eine Tasse Tee (es muss jedenfalls Tee gewesen sein, bei einem Englishman) und ein Glas Wasser auf einem Tablett servieren. Er schnappt sich das Heißgetränk, setzt sich hin, und trinkt erstmal in aller Seelenruhe, verzichtet dann doch aufs Wasser und beginnt mit seinen sechs Zugaben.

Sting spielte eine Auswahl seiner Hits aus der Solokarriere und der „The Police“-Zeit im Sparkassenpark. Foto: Bauch, Jana (jaba)
13.000 Besucher im Stadion und noch viele weitere hinter dem Zaun genossen das Konzert. Foto: Bauch, Jana (jaba)
Für die Besucher gab es kostenfreies Trinkwasser. Foto: Andreas Gruhn
Aus Wasserschläuchen ließen es die Veranstalter zur Abkühlung in den Innenraum regnen. Foto: Bauch, Jana (jaba)
Ein Konzertbesucher genießt die Abkühlung und die Musik. Foto: Andreas Gruhn

Spät am Abend kommt Sting noch einmal mit seiner Band auf die Bühne, die Fans haben noch eine Zugabe gefordert, und er liefert sie: „Fragile“, auf seiner wunderbaren Gitarre mit Nylon-Saiten gezupft. Das Lied spielt er nur, wenn ihm danach ist, und an diesem Abend war es offenbar so. Er bedankt sich noch: „Danke schön, Munchengladbach! Auf Wiedersehen.“ Man ist geneigt, das als Versprechen aufzufassen und sich für 2021 nicht zu viel vorzunehmen. Als Sting und die Band über den Gang neben der Bühne zu den wartenden Limousinen schlendern, winkt er noch einmal, ein letzter Jubel, dann ist das Konzert vorbei. Die Hitze aber bleibt.

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