Mönchengladbach: Kommissar schreibt historischen Roman

Mönchengladbach: Kommissar schreibt historischen Roman

Er ist ein echter Fahnder. Im Job spürt Guido Schroeder Kriminelle auf, in der Freizeit historische Geschichten. Jetzt gibt's ein Buch von ihm.

Rebecca Gablé hat ihm Talent bescheinigt. Das macht Guido Schroeder schon ein bisschen stolz. Schließlich kommt das Kompliment von einer Bestsellerautorin. Der Kriminalhauptkommissar hat alle Bücher von Rebecca Gablé gelesen. Denn er ist ein großer Fan von Historien-Romanen. Jetzt hat er selber einen geschrieben und sein Erstlingswerk zur Begutachtung an die prominente Gladbacher Autorin geschickt. Dass es einmal soweit kommen würde, damit hatte der Polizist selber nicht gerechnet.

Vor zehn Jahren begann der heute 39-jährige Erkelenzer, der bei der Mönchengladbacher Polizei als Fahnder arbeitet, mit seinem historischen Roman. "Ich interessiere mich für Geschichte und habe viel gelesen", sagt Schroeder. Irgendwie habe es ihn aber immer ein bisschen gestört, dass zwar alle die Geschichte der englischen Könige kennen, aber kaum einer die der deutschen Herrscher. "Ich glaube, dass mehr Leute etwas über die Frauen von Heinrich VIII. wissen, als über Otto II., der viele Städte entlang des Rheins gründete", sagt der 39-Jährige. Das deutsche Mittelalter, Ritter, Burgen, Schlachten – für all das kann sich Guido Schroeder begeistern. Die Schlacht von Worringen ist für ihn so interessant "wie ein Hollywood-Film".

Also recherchierte der Fahnder –tagsüber im Job, abends in der Geschichte, an freien Tagen an den historischen Orten. Denn sein Historienroman "Der Fehdebrief" basiert auf wahren Begebenheiten, auch wenn einige Figuren frei erfunden sind.

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Fertig gestellt hat Guido Schroeder sein Buch vor vier Monaten. Denn zwischendurch ruhte seine Schreiblust. Vor zwei Jahren kam der Ruck. "Da habe ich mir gesagt, jetzt schreibe den Roman fertig", erzählt Schroeder. Obwohl der Job ihn stark in Anspruch nimmt, nahm der Polizist und Vater von drei Kindern sich vor, jeden Monat ein Kapitel zu schreiben. "Wenn meine Frau abends fernsah, saß ich mit dem Laptop daneben und habe geschrieben", berichtet er. Irgendwann hatte er so viel Spaß, dass der Roman eher fertig war, als geplant.

Zuerst hatte Guido Schroeder das Buch nur für sich und seine Familie geschrieben. "Ich wollte etwas hinterlassen, irgendwann mal meinen Nachfahren sagen: Guck mal, das hat der Uropa geschrieben." Im Selbstverlag ließ er 30 Exemplare von "Der Fehdebrief" drucken.

Doch nach den Reaktionen der ersten Leser hat er es sich anders überlegt. "Ich hatte nur positive Resonanzen", sagt er. Auch seine Frau, die sein Buchprojekt zuerst gar nicht ernst nahm, war begeistert. Und es gibt offensichtlich immer mehr, die Schroeders Mittelalter-Roman toll finden. Zwischenzeitlich landete "Der "Fehdebrief" sogar auf Platz 86 der Apple-Bestsellerliste im E-Book-Store, wo der Roman zum Download bereitgestellt ist. Schroeders Kollege Ingo Thiel, der die Sonderkommission Mirco leitete und ebenfalls ein Buch schrieb, hat den Historienroman übrigens ebenfalls schon gelesen. Über Nachfolgebücher denkt Schroeder bereits nach. In seinem Kopf gibt es schon eine Trilogie. Bis dahin hofft der Kriminalhauptkommissar, einen Verlag zu finden. Aber: "Polizist ist und bleibt mein Traumjob."

(RP)
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