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Kolumne "Mensch Gladbach" in Mönchengladbach

Mönchengladbach : Und sie bewegt sich doch

Die Ratssitzung in dieser Woche hat gezeigt: Die Politik ist klug beraten, auf deutliche Zeichen der Bürger zu hören. Und womöglich bringt eine Rolle rückwärts einen am Ende weiter voran.

Der Verkauf des Denkmals Haus Erholung ist vom Tisch. Ob das in der Sache gut ist oder nicht, darüber kann trefflich diskutiert werden. Richtig war aber, dass die Groko aus CDU und SPD die klare Botschaft des Bürgerbegehrens verstanden hat und ihm gefolgt ist. Die Zahl der Unterschriften war zu hoch, um sie ignorieren zu können. Die Alternative wären Wochen der Debatten gewesen bis zum Bürgerentscheid am Tag der Europawahl Ende Mai. Und der hätte auch in einer Niederlage für die Groko enden können. Fast ein Jahr vor den Kommunalwahlen wären die beiden großen Ratsfraktionen beschädigt aus dem Rennen gegangen. Dann doch lieber die einigermaßen gesichtswahrende Rolle rückwärts von den Verkaufsplänen. Der Respekt vor dem Willen der Bürger und dem Fleiß der Unterschriftensammler wurde in der Sitzung oft betont. Es sollte nicht nur eine Worthülse bleiben.

Denn eine Lehre lässt sich daraus ziehen: Wer auf seiner Position beharrt, sich nicht die Zeit nimmt, immer wieder zu erklären, weshalb ein Vorhaben so und nicht anders sinnvoll ist, wird immer wieder scheitern. Der Bürger hat über die sozialen Medien die Möglichkeit des kritischen Zwischenrufs außerhalb von Wahlzeiten, es lassen sich leichter Stimmungen verbreiten und Proteste organisieren. Die Schülerdemos Fridays for Future sind ein Beispiel. Das mag man mögen oder nicht, die Politik wird damit umgehen müssen. Die Beteiligung der Bürger ist notwendiger denn je – auch wenn es Zeit kostet, Geduld erfordert und manchmal ungerecht ist.

Natürlich werden niemals alle zufrieden sein. Doch wer sich einbringen kann, fühlt sich mitgenommen, auch wenn am Ende nicht seine Sicht der Dinge zählt. Zuhören, erklären, diskutieren, ernst nehmen – so muss moderne Politik agieren und sich selbst manchmal eben korrigieren. Ein bisschen Start-up-Geist, der auch das Scheitern mit einplant. Und es gibt ja Beispiele vorbildlicher Beteiligung, seien es die Werkstattverfahren zur Umgestaltung des Odenkirchener Markts oder zum Maria-Hilf-Areal. Bei den anstehenden Großprojekten wie Neues Rathaus oder Reme-Gelände sollte das nicht anders sein. Beteiligung bedeutet nicht, willenlos dem Schwarm zu folgen, am Ende muss eine Entscheidung stehen, eine Idee für die Stadt, die auch umgesetzt werden sollte. Aber in dem Prozess, der bei Maßnahmen dieser Dimension meist Jahre dauert, sollte man immer wieder hinterfragen, ob der Weg tatsächlich noch der richtige ist oder der zunächst schräg erscheinende Gedanke nicht doch besser wäre.

Hier liegt auch die Chance bei den gekippten Verkaufsplänen zu Haus Erholung. Ist ein Hotelneubau auf dem Nachbargrundstück denkbar, rentabel und für die Entwicklung des Abteibergs überhaupt richtig? Müsste es ein Hotel mit Bezug zur benachbarten Kultur sein? Oder etwas ganz anderes? Wie sieht die Nutzung von Haus Erholung aus – unter dem Aspekt der hohen Kosten für Sanierung und Betrieb? All das kann am Ende sogar die weit bessere Lösung hervorbringen.

In diesem Sinne: Ein freigeistiges Wochenende!