Kolumne: In Mönchengladbach fast alles im schwarz-grünen Bereich

Mensch Gladbach : Alles im schwarz-grünen Bereich

Premiere in Mönchengladbach: Fast ein Viertel der Stimmen für die Grünen bei der Europawahl. Für die Hauptrolle wie in Köln, Münster oder Düsseldorf hat es aber nicht gereicht. Noch nicht?

Es war eine Sensation, was am vergangenen Sonntagabend über die Computerbildschirme flimmerte: Die Grünen wurden Volkspartei. 22,7 Prozent holten sie in Mönchengladbach, verwiesen die SPD mit 16,1 Prozent abgeschlagen auf Platz drei. Jubel in der Geschäftsstelle der Ökopartei, auch Staunen: Ist das wirklich möglich in Mönchengladbach, der Stadt, in der über Jahrzehnte hinweg vor allem eine Partei das Sagen hatte, nämlich die CDU.

Nun, ganz aus den Fugen geraten ist diese Welt nicht: Denn die Christdemokraten konnten ihre Position als stärkste Kraft halten – wenn auch heftig gerupft. 7,2 Punkte trennen sie von den Grünen. In anderen Großstädten wie Köln, Düsseldorf oder Münster hatten sie die CDU überholt und haben nun reelle Chancen, nach den Kommunalwahlen 2020 die Oberbürgermeister zu stellen. Die Chance gibt es in Mönchengladbach zwar auch, aber mit niedrigerer Wahrscheinlichkeit. Wie es im Herbst nächsten Jahres ausgeht, hängt natürlich von der politischen Großwetterlage ab – bis dahin fließt viel Wasser die Niers hinab. Politische Akteure, ob im Bund, im Land oder vor Ort, können die Stimmung beeinflussen. Die Konjunktur kann sich trüben, was Wähler weniger experimentierfreudig macht und Grünen-Kernthemen wie Klimaschutz überlagern kann.

Vor allem aber wird es darauf ankommen, wer mit welchem Kandidaten für die Spitze des Rathauses antreten wird. Bei der SPD steht die Nominierung zwar noch aus, Fraktionschef Felix Heinrichs gilt aber als gesetzt. Er ist jung (gerade mal 30), mit einem Mann liiert, versiert auf dem politischen Parkett und gut vernetzt in der Stadtgesellschaft. Herausforderung für die CDU: Er ist auch für eingefleischte Anhänger der Christdemokraten wählbar, was unter anderem daran liegt, dass Heinrichs in der seit 2014 währenden Groko im absoluten Gleichklang mit seinem CDU-Pendant Hans Peter Schlegelmilch agiert.

Einige träumen schon von Heinrichs als gemeinsamem Groko-Kandidaten. Was konsequent wäre, wenn man sich schon so gut versteht und Schlegelmilch nicht selbst antritt. Doch führende CDU-Politiker winken ab. Zu groß sei das Risiko, an Profil und Zuspruch zu verlieren. Dennoch sollte die CDU das Europawahl-Ergebnis genau analysieren: Ihr Kandidat, ihre Kandidatin muss einerseits Macherqualitäten haben und eine klare Linie im Rathaus vorgeben, sollte aber auch diplomatisch und für verschiedene Bündnispartner offen sein. Denn dass es 2020 noch mal für eine Groko reicht, ist nicht sicher.

Und mit wem gehen die Grünen ins Rennen? Bei der Öko-Partei gibt es verschiedene Optionen, älter, jünger, Mann, Frau. Boris Wolkowski (43) wäre eine interessante Wahl. Der Vize-Fraktionschef, promovierter Rechtsanwalt, Schachspieler und Läufer, gilt schon lange als Kronprinz, ist Realo, mit klarer Haltung, aber ohne Schaum vorm Mund. Mit der richtigen Strategie könnte er der Robert Habeck von Mönchengladbach werden.

In diesem Sinne: Ein sonniges, vielleicht sogar sonnenblumiges Wochenende!

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