Kolumne Corgie James aus Mönchengladbach schreibt über sein Leben

Kolumne Corgi James: Lotta, die Hochbegabte

Corgie James macht einen Besuch in unserer Redaktion. Und dann trifft er seine Freundin Lotta, eine Dackelhündin.

Die Tage bin ich mal in die Redaktion rein. Da setzen sich die Chefin und meine Besitzerin an einen runden Tisch, um was von einem Konzept zu besprechen. Ich bleib vorsorglich erst mal dabei, denn bei denen geht wenig ohne Aufsicht. Sowas riecht man. Ich schlendere zum Schreibtisch rüber und lege mich unmittelbar an den Chefsessel. Fell ist Statement. Gesprächsfetzen flirren vom runden Tisch herüber, darunter „Der Hund schreibt dann seine Kolumne in der Ich-Form“.

Ich kann aber gar nicht schreiben. Tür ist offen, raus hier. Auf dem Gang kommt mir ein Aussie entgegen. Auch ein Bürohund. Das ist gut, denn so sind wir immer dabei, wenn unsere Besitzer unser Futter damit verdienen, auf bekritzelte Blätter und komische flimmernde Rechtecke zu starren. Ich schaue den Aussie stumm an. Der horcht kurz auf, gähnt, und sagt: „Frage nicht, die sind einfach so. Tue so, als ob du schreiben kannst, dann hast du Deine Ruhe.“ Ich wittere mich weiter entlang der Arbeitsplätze. Hier wartet ein Butterbrot im Beutel unter dem Schreibtisch auf den Mittag, dort telefoniert jemand, da ist ein lieb schauendes Gesicht, das mir Avancen macht. „Oh schau, ein echter Corgi!“ Ich habe jetzt keine Zeit für ansonsten immer willkommene Ablenkungen. Denn ich muss lernen, so zu tun, als ob ich schreiben kann. Weiterwittern.

Und plötzlich sind sie da, die Bilder, von Lotta und mir, meine beste Dackelfreundin und ich im Wald, und da sind Baumstämme und Hundesprünge und erschrockene Menschen um uns rum. Und ich muss das alles festhalten, irgendwie, und mein Bellen und Hecheln und Scharren reichen nicht mehr aus dafür, ich suche einen anderen Weg, Worte, Worte, Weg – der Weg, alles in Worte zu fassen, aber natürlich! Jetzt weiß ich, was der Aussie meint.

Großheide, Landwehr, ein kleines Waldmittelstück zwischen Wolfskull und kahlen Kuhweiden. Hinter uns wummst die A 52. Stadtrandnatur pur. Meine beste Dackelfreundin Lotta und ich sind gleich jung (fast zwei Jahre) und viel zusammen unterwegs, seit wir von unseren Zuchtstätten nach Hause gekommen sind. Gleich unser erster gemeinsamer Tag ist ein Kandidat für die Annalen. Das war an meinem vierten Zuhause-angekommen-Tag; da haben wir uns bei Lotta im Garten kennengelernt. Da gab es etwas, was in meinem Garten nicht ist. Ein Teich. Pladdereadatsch! Da bin ich auch gleich reingefallen. Ich rang etwa drei Sekunden um Fassung, bis mich Lottas Besitzerin, eine Gynäkologin, beherzt herauszog.

Lotta ringt nie um Fassung. Sie springt auch nicht in den Teich in ihrem Garten. Denn Lotta ist in den Augen der Tochter ihrer Besitzerin hochbegabt. Auch deswegen, weil sie höher springen kann als ich. Und zudem weiter. Wenn also der hochbegabte Dackel Lotta auf Baumstämme springt und wieder herunter, sitze ich unten und schaue mir das an. Nicht dass ich eine andere Definition von Leichtfüßigkeit hätte als Lotta, nein. Ich versuche nur fast immer, mich zusammenzureißen und nicht zu springen, bin ja schließlich kein Border Collie. Ihr wisst schon, meine kurzen Beine und mein langer Rücken und so.

Eigentlich gilt das auch für den Dackel Lotta. Die sieht aber Baumstämme und springt trotzdem einfach drauf. Bis neulich. Da hatte sie es echt übertrieben. Als sie von einem zu hoch liegenden Baumstamm runtersprang, hat sie sich bestimmt weh getan. Was aber so ein echter Hund ist, der zeigt das nicht und eiert unbeirrt weiter, wenn auch kleinlaut. Die Tochter von Lottas Besitzerin hat sich richtig erschrocken. Jetzt bringt sie Lotta bei, nur noch auf kleine Stämmchen, die so herumliegen, zu springen. Damit hat der Hund weiter Spaß, aber halt dackelgerecht. Ob Lotta das lernen kann? Na klar, die ist doch hochbegabt!

Es grüßt euch der charmanteste Corgi vom linken Niederrhein, euer James.

Unsere Autorin Susanne Jordans schreibt in dieser Kolumne aus Sicht ihres Hundes

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