Kollegien der zwölf bischöflichen Schulen im Bistum Aachen trafen sich in Mönchengladbach.

Mönchengladbach: Raus aus dem katholischen Schuhkarton

Die Kollegien der zwölf bischöflichen Schulen im Bistum Aachen trafen sich in Mönchengladbach.

„Die katholischen Schulen müssen sich öffnen“, fordert Christa Nickels. „Sie müssen raus aus dem katholischen Schuhkarton.“ Die Grünen-Politikerin und ehemalige parlamentarische Staatssekretärin ist selbst auf eine katholische Schule, das Gymnasium der Ursulinnen in Geilenkirchen, gegangen und sucht nun im Rahmen einer Podiumsdiskussion beim Tag der bischöflichen Schulen in der Marienschule eine Antwort auf die Frage, wozu kirchliche Schulen da sind. Bei der Forderung nach dem Auszug aus dem Schuhkarton hält es Bischof Helmut Dieser nicht auf seinem Platz. Er, der bisher zugehört hat, greift zum Mikro, um zu betonen, dass missionarischer und diakonischer Anspruch von Kirche und kirchlicher Schule gleichgewichtig nebeneinander stehen müssen. Aber Schule müsse auch ein Ort der Glaubensvergewisserung sein. „Ich muss wissen, was ich tue und warum ich es tue“, präzisiert er die Aufgabe der kirchlichen Schule. Aber Christa Nickels Zuspitzung: „Der Schuhkarton ist längst abgebrannt“ stimmt er zu. Ja, das hätten einige noch nicht begriffen.

In der Bischöflichen Marienschule haben sich am Freitag rund 750 Lehrer und Mitarbeiter der zwölf bischöflichen Schulen des Bistums Aachen versammelt, um den Leitbild-Prozess weiter voranzutreiben. 2015 begonnen, wurde das neue Leitbild für die bischöflichen Schulen 2018 in Kraft gesetzt. Nun müsse es konkretisiert werden, erklärt Thomas Ervens, im Generalvikariat für Erziehung und Schule zuständig. Deshalb sind die Pädagogen für einen Tag in Mönchengladbach zusammengekommen. In der Podiumsdiskussion wird nach dem Wesen der kirchlichen Schulen und ihrem Zweck gefragt. Auch Hans-Michael Mingenbach, Leiter des Elisabeth-Gymnasiums in Halle, spricht sich vehement für eine Öffnung der katholischen Schulen aus. „Die katholische Schule muss für die Menschen vor Ort da sein“, sagt er. In Halle sei eine bischöfliche Schule ohne Öffnung für alle gar nicht denkbar. „Es gibt nur drei Prozent Katholiken und acht Prozent Protestanten“, erklärt der Schulleiter. „Und es ist auch Auftrag von kirchlicher Schule, denen, die es nicht wissen oder nicht wissen können, zu zeigen, wie Kirche ist.“ Mit den kirchlichen Schulen reiche man weit in die Gesellschaft hinein. „Das ist eine Riesenchance.“

In den östlichen Bundesländern geht es also gar nicht ohne „Heidenquote“, wie Christa Nickels es unter dem Gelächter der Zuhörer nennt. Gregor Maria Hoff, Professor für Fundamentaltheologie in Salzburg, ist in den 1970er Jahren aufs Albertus-Magnus-Gymnasium in Viersen gegangen. Auch für ihn die Schule die entscheidenden Kontaktstelle für die Kirche. „Religion ist heute eine umkämpfte Ressource“, stellt er fest. „Die Schulen können Toleranz und begründete Glaubenspositionen lehren.“ Welchen Auftrag katholische Schulen haben, hatte zuvor Peter Nothaft, Direktor des Katholischen Schulwerks in Bayern, ausgeführt. „Es sollen starke und verantwortungsbewusste, freie und entscheidungsfähige Persönlichkeiten herangebildet werden“, erklärt er. „Sie sollen Wissen als Verpflichtung zum Dienst an der Gesellschaft auffassen und Solidarität üben.“

Podiumsdiskussion beim Tag der bischöflichen Schulen in der Sporthalle der Marienschule. Foto: Isabella Raupold
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