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Mönchengladbach: Könner machen den Blues famos "kaputt"

Mönchengladbach : Könner machen den Blues famos "kaputt"

Jazzgitarrist Philipp van Endert sorgte mit seinem Trio im Kulturzentum BIS für eine Sternstunde der Jazz-Visions.

Wenn renommierte Jazz-Musiker ins Kulturzentrum BIS kommen, äußern sie nicht selten ihre Freude darüber, (wieder) in Mönchengladbach auftreten zu dürfen und bei dieser Gelegenheit ihren alten Freund Robert Hurasky von der städtischen Musikschule wiederzutreffen. Der Fachleiter für populäre Musik und Jazz kennt offenkundig die wichtigen Jazzer und schafft es immer wieder, sie nach Mönchengladbach zu holen. Eigens dafür gibt es im BIS die renommierte Konzertreihe "Jazz-Visions".

Nun war es der Gitarrist Philipp van Endert, der mit seinen Trio-Kameraden Andre Nendza (Bass) und Kurt Billker (Schlagzeug) erneut den Weg ins BIS gefunden hatte. Fast alle Stühle waren besetzt, und schnell hatte das Trio die Anerkennung seines Publikums gefunden.

Im Rahmen einer 2013 durchgeführten Tournee entstand die neue Endert-CD "Presence". Die hierauf festgehaltenen Stücke bildeten die Basis des Konzerts, spontan improvisierte Änderungen waren nicht ausgeschlossen. "Not Active" war ein Blues überschrieben. Damit wurde selbstverständlich nicht die Spielweise des Trios charakterisiert, im Gegenteil. Natürlich waren alle drei Musiker mit viel Engagement und Temperament bei der Sache. "Diesen Blues machen wir ein bisschen kaputt", merkte van Endert scherzhaft an. Natürlich war das nicht destruktiv, sondern im Gegenteil höchst kreativ gemeint. Nicht ums pedantische Nachspielen ging es eben, sondern um den freien, improvisatorischen Umgang mit Motiven und Themen.

Das verschaffte jedem der drei Spieler reichlich Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen. Van Endert beeindruckte mit virtuosen solistischen Leistungen an der Gitarre, wechselte aber auch ins dezent zurückhaltende Begleitfach, wenn seine Kollegen zu packenden Soli auf dem Bass oder dem Schlagzeug ansetzten. Drummer Kurt Billker begleitete mitunter fein zurückhaltend, indem er die kleine Trommel nur mit den Händen zum Klingen brachte. Auf der anderen Seite ließ er es sich aber auch nicht nehmen, bei seinen Soli mal so richtig Dampf abzulassen.

Träumerische Akzente setzte Bassist Nendza mit gestrichenen Flageolett-Tönen am Kontrabass. Aber natürlich verstand er sich auch darauf, virtuos über das lange Griffbrett zu wetzen. Eine Komposition von ihm bezog sich auf die Angst des Patienten vor dem weißen Kittel des Arztes im Allgemeinen und konkret vor der Diagnose Bluthochdruck. Die Wiedergabe fand ihren entsprechenden musikalischen Ausdruck in Stilmitteln, die ihren Ursprung im Bebop der 1940er-Jahre haben - das waren schnelle, mitunter fas nervöse Passagen.

Dank einiger technischer Hilfsmittel wurde das Spiel gelegentlich um einige effektvolle Tricks ergänzt, sei es, dass über eine Loop-Station bei Bedarf eine ostinate Begleitung eingefügt wurde, sei es, dass Nachhall in schnell wechselnder Lautstärke und Verdichtung erklang.

(-tr)