Mönchengladbach: Klinik für Problemkinder

Mönchengladbach : Klinik für Problemkinder

Ängste, Magersucht, Schizophrenie, Depressionen und Aufmerksamkeitsstörungen: Viele Kinder und Jugendliche leiden unter diesen psychischen Störungen. In der neuen Tagesklinik kümmern sich Fachleute um sie.

Die erste Feier war buchstäblich ins Wasser gefallen. Denn eigentlich sollten die neuen Räume der Tagesklinik für Kinder und Jugendliche unter der Trägerschaft der Rheinischen Kliniken Viersen bereits vor einem Jahr eröffnet werden. Ein Wasserschaden aber hatte das verhindert. So fanden der ärztliche Leiter der Tagesklinik Dr. Ingo Spitczok von Brisinski und seine 14 Mitarbeiter für ihre Arbeit vorübergehend in den benachbarten Rheinischen Kliniken Mönchengladbach Asyl. Gestern zogen sie nun in ihre frisch renovierten, neuen Räume an der Mathildenstraße in Mönchengladbach ein.

Auf zwei Etagen verteilt stehen den Ärzten, Psychologen, Krankenpflegekräften, Erziehern und Heilpädagogen nun knapp 1000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. In hellen Farben sind die Therapieräume, Kreativ- und Schulzimmer sowie Aufenthaltsräume gehalten. In der oberen Etage erhellt Tageslicht durch kreisrunde Oberlichter die langen Flure. Hinter dem Gebäude erstreckt sich ein weitläufiger Garten mit Tischtennisplatte, Sandspielplatz und Schaukeln.

Mit der Investitionssumme von rund 1,6 Millionen Euro sind die Macher klar unter den kalkulierten Kosten von zwei Millionen Euro geblieben. 14 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 17 Jahren können in der Tagesklinik behandelt werden. Die Krankheitsbilder der psychischen Probleme der Patienten sind breit gefächert. Ängste, Magersucht, Schizophrenie, Depressionen und Aufmerksamkeitsstörungen gehörten dazu, berichtet Spitczok von Brisinski.

Wie wichtig die Gründung der Tagesklinik ist, stellte Ulrike Lubek, Gesundheitsdezernentin des Landschaftsverbandes Rheinland, in ihrer Begrüßungsrede dar. „Nach derzeitigen Schätzungen werden bundesweit nur 20 Prozent der behandlungsbedürftigen Kinder und Jugendlichen versorgt“, betonte Lubek. „Wartezeiten von vier bis sechs Monaten auf einen Platz sind keine Seltenheit.“ Diese Unterversorgung an Therapieangeboten für Kinder mit psychischen Problemen hat auch volkswirtschaftliche Nachteile. „Die mangelnde Behandlung fördert psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter“, mahnte Lubek.

Rückblickend auf das erste Jahr der Tagesklinik zieht Spitczok von Brisinski ein positives Fazit. „Im Vorfeld gab es in der Nachbarschaft viele Bedenken“, sagt er. „Aber inzwischen fühlen wir uns wirklich akzeptiert.“ Die Behandlung der Kinder in einer Tagesklinik setze ein sehr hohes Maß an elterlichem Engagement voraus, weil sie mit dem Kind Probleme aufarbeiten müssten. Auf diese Weise werden die Kinder nicht isoliert behandelt, sondern die ganze Familie mit eingebunden.

(RP)