55 Dinge, die man in Mönchengladbach erlebt haben sollte: Klettern und kraxeln im Kirchenschiff

55 Dinge, die man in Mönchengladbach erlebt haben sollte: Klettern und kraxeln im Kirchenschiff

In der ehemaligen Kirche St. Peter Waldhausen geht es für die Besucher hoch hinaus. Heute kann man zwischen Kirchenschiff und Sakristei an 13 Meter hohen Kletterwänden hochkraxeln. Alles unter dem wachen Blick von Petrus.

Das "Black Beast" windet sich in 13 Metern Höhe. Der bange Blick wandert entlang der schwarzen Griffe und Tritte die Wand hoch. Vorbei an halbrunden, bunten Obergadenfenstern. Petrus bewacht das Ganze — von einem Mosaik hinter der Kletterwand aus. Da kann nicht mehr viel passieren so knapp unter der Himmelspforte, pardon Kirchendecke. Unter dem Blick des Heiligen kraxelt der waghalsige Sportler die Kirchenwand hoch. Da wo früher das ewige Licht in der Waldhausener Kirche brannte, führt die Route an Seil Nummer vier hoch. Hier ist der Kletterbegeisterte dem Himmel ein kleines Stückchen näher — und hat garantiert den Segen von ganz oben sicher.

Vor vier Jahren wurde die katholische Kirche in Waldhausen St. Peter in eine Kletterkirche umgewidmet. Deutschlandweit ein völlig neues Konzept — im sakralen und denkmalgeschützten Raum klettern? Simone Laube und Klaus Fasbender zeigen seitdem, dass das Konzept aufgeht. Die Kletterbegeisterten bauten in die Kirche 13 Meter hohe Kletterwände ein und schufen damit 600 Quadratmeter Kletterfläche mit insgesamt 200 Routen. Die einzelnen Routen bieten für Anfänger, aber auch für erfahrene Kletterer ansprechende Abwechslung. Schrägen, Kanten, Überhänge, große und kleine Griffe sorgen für ein breites Spektrum an Schwierigkeitsstufen.

Und das Klettergefühl ist von Route zu Route völlig verschieden. Basalt, Sandstein, Granit, Kalk — die Tritte und Griffe der Routen sind echten Gebirgen nachempfunden. So kann man in Waldhausen zum Beispiel so klettern wie in den Pyrenäen, aber einige Routen weiter fühlt sich das Material unter den Fingerkuppen so an wie im Himalaya — oder wieder eine Wand weiter wirkt das Klettererlebnis wie in den Alpen. Die ganze Gebirgswelt rund um den Erdball ist für den Kletterer in der Kletterkirche vereint.

Da wo früher die Orgel stand, findet heute auf der Empore der Boulder-Bereich Platz. Bouldern nennt man das Klettern ohne Seil auf Absprunghöhe. 4,50 Meter hoch ist hier die Wand. Ohne Seil, Netz und doppelten Boden. Schwierige Züge, die mehr auf Kraft und Technik des Kletterers angelegt sind.

Doch neben den bunten Seilen, Griffen und Tritten im Kirchenschiff wird der Besucher immer noch an jeder Ecke an die frühere sakrale Bestimmung des Bauwerkes erinnert. Die Kletterschuhe schüren die Sportler, während sie auf einer Kirchenbank sitzen. Die Rezeption wurde aus dem Holz der alten Kirchenbänke gefertigt und auch ein kleiner Bereich fürs Gebet ist geblieben.

(RP/ac)
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