Mönchengladbach Kleine Raupe fräst Rheydts Markt

Mönchengladbach · Eine unscheinbare Maschine von der Größe eines Mini-Baggers entfernt per Wasserstrahl Beton vom Rheydter Marktplatz. Das Werkzeug ist eine Besonderheit – nicht nur, weil es ohrenbetäubenden Lärm macht. Bei der Sanierung läuft bautechnisch alles glatt. Nur: Sie wird viel teurer als geplant.

Chronik der Bauarbeiten am Rheydter Markt
37 Bilder

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Eine unscheinbare Maschine von der Größe eines Mini-Baggers entfernt per Wasserstrahl Beton vom Rheydter Marktplatz. Das Werkzeug ist eine Besonderheit — nicht nur, weil es ohrenbetäubenden Lärm macht. Bei der Sanierung läuft bautechnisch alles glatt. Nur: Sie wird viel teurer als geplant.

Das "Wundergerät" könnte auf jedem Kinderkarussell stehen. Niemand käme auf die Idee, dass es sich bei der Raupe im Mini-Baggerformat, die etwas versteckt auf dem Rheydter Marktplatz abgestellt ist, um ein Werkzeug handelt, das es nur einige Male im Bundesgebiet gibt. Und für ein so seltenes Exemplar sieht es auch noch sehr gewöhnlich aus — vor allem dreckig. Doch wenn die kleine Raupe in den nächsten Monaten auf und unter dem Rheydter Marktplatz unterwegs ist, leistet sie unter ohrenbetäubendem Lärm Schwerstarbeit: Insgesamt 10 000 Quadratmeter Beton fräst die Maschine ab. Und das nur mit Wasser, das per Hochdruckverfahren alles das entfernt, was Tausalz ruiniert hat.

Salze sind schuld

Tausalz? Richtig gelesen. Denn was die Tiefgarage so undicht gemacht hat, war das Mittel, das mehr als 20 Jahre lang den Schnee aufgelöst hat, der im Winter auf dem Rheydter Marktplatz lag. Das durch die Salze ausgelöste chloridhaltige Material hat Böden und Stahlbetonwände geradezu zerfressen. Und damit die Armierung, Stahlbetonstreben und -gitter, nicht weiter leidet und irgendwann die Standfestigkeit der Tiefgarage gefährdet ist, kommt die Mini-Raupe ins Spiel. Wobei die Anlieger sie zwar hören, aber kaum sehen. "Weil sie so laut ist, müssen wir sie einhausen", sagt der zuständige technische Bauleiter Holger Jahnke. Einhausen meint: Die Maschine verschwindet in einem 15 mal 5 Meter großen "Häuschen", dessen Wände aus einer Art übergroßer Turnhallen-Matten bestehen. Sie schlucken einen Großteil des Lärms, wenn die Hochdruck-Fräse über den Platz kutschiert.

Die Aufgabe: Ihr Wasserstrahl trägt von der etwa 50 Zentimeter dicken Betondecke acht Zentimeter ab. Betroffen ist allerdings nicht der gesamte Platz, sondern nur sieben bis zu acht Meter breite Streifen. Und wenn diese Deckenoberschicht verschwunden ist, wird gleich mit einer Bitumen-Schweißbahn abgedichtet, ehe die ausgeritzten Flächen wieder verfüllt werden — mit Schutzasphalt, Beton und Sand. Am Ende wird gepflastert. "Alleine Abfräsen und Verfüllen kosten 2,1 Millionen Euro", sagt Technischer Beigeordneter Andreas Wurff. Nicht nur die Tiefgaragendecke, auch Böden und Teile der Wände im Inneren müssen so behandelt werden.

Fakt ist: Im März kommen Pflasterer, und bis dahin müssen die Grobarbeiten beendet sein. Denn der Zeitplan für die Sanierung der Tiefgarage und anschließende Neugestaltung des Rheydter Marktplatzes ist eng. Bis Ende 2013 muss alles fertig sein. Bislang wurden alle Termine fristgerecht eingehalten. Dafür gab es eine andere Hiobsbotschaft, die in der klammen Stadt für Aufregung sorgte: Die Sanierung der Tiefgarage verteuert sich für die Stadt um rund 700 000 Euro.

(RP/url)
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