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Porträt Boris Filipski: Klavierbauer lässt sich in Hehn nieder

Porträt Boris Filipski : Klavierbauer lässt sich in Hehn nieder

Der 34-jährige Klavier- und Cembalobauer Boris Filipski aus Berlin hat die Werkstatt von Ulrich Wunder übernommen.

Instrumentenbauer sind rar in Mönchengladbach. Geigenbauer Zander verließ die Stadt vor gut zehn Jahren, um seine Werkstatt in Nettetal fortzuführen. In Eicken gibt es in Ralf Radermacher einen Blasinstrumentenmacher. In der Sparte Klavierbau hat das Unternehmen Kalscheuer wieder einen Mitbewerber vor Ort. In Hehn hat nun der 34-jährige Klavier- und Cembalobauer Boris Filipski von seinem Vorgänger Ulrich Wunder die Klavierbau-Werkstatt übernommen.

Die Berufswahl des gebürtigen Berliners Filipski rührt teilweise von seinem Großvater her. "Horst Filipski hat mich als Kind oft mit in die Berliner Philharmonie genommen, dort betreute er als Konzerttechniker und Klavierstimmer berühmte Pianisten", erinnert sich der 34-Jährige. So kam es, dass der Enkel gleich nach dem Abitur ein Praktikum im Berliner Steinway-Haus absolvierte. "Meine Ausbildung habe ich dann bei Steinway & Sons in Hamburg, in deren Zentrale für Europa und Asien, gemacht", erzählt Filipski. Sieben Jahre sammelte er in der Firma Berufserfahrungen, bevor er 2008 nach Düsseldorf zu Heinersdorff und dann zur örtlichen Steinway-Niederlassung wechselte.

Den Schritt in die Selbstständigkeit vollzog Filipski vor zwei Jahren in Meerbusch. Und nun konnte er von Ulrich Wunder, der nach Flensburg verzogen ist, das Geschäft in Heiligenpesch 56 übernehmen.

Der junge Unternehmer muss sich auf Multitasking verstehen. Denn Filipski führt den Betrieb allein, (noch) ohne Mitarbeiter. "Da ist man Handwerker, Reparaturbetrieb, Servicefachkraft, Konzertbetreuer, Klavierstimmer und Verkäufer in einer Person", sagt er und schüttelt lachend den Kopf. Als werde er sich in diesem Moment der ganzen Breite der Berufsanforderungen bewusst. Auch pianistische Basisfertigkeiten muss ein Klavierbauer beherrschen. "Schließlich muss ich die klanglichen Nuancen eines Instruments demonstrieren können", erklärt der Jazzfreund.

In seiner Werkstatt tauscht der Experte Hammerköpfe aus, garniert Klaviaturen, ersetzt Tastenbeläge - "Elfenbein ist nicht mehr erlaubt" (Filipski) -, setzt neue Saiten ins Korpus ein oder poliert Oberflächen.

Komplette neue Klaviere indes baut Filipski nicht, dafür hätte er nicht die Zeit, betont er. "Denn das habe ich im Ausbildungsbereich Management und Marketing gelernt: dass man nicht alles allein machen kann."

80 Prozent seiner Arbeitszeit widmet der Klavierbauer dem Außendienst, besucht Kunden, um deren Klaviere und Flügel zu stimmen oder zu warten. Instrumente kaufen kann man bei ihm natürlich auch. Ein "gutes Klavier", verrät Filipski, koste zwischen 3000 und 20 000 Euro, ein Flügel ab 11 500 bis 95 000 Euro. Sein Favorit: Steinway. "Diese Instrumente steigen trotz Gebrauch im Wert, um rund fünf Prozent im Jahr", schätzt er. "Aber auch japanische Hersteller wie Yamaha oder Kawai bieten heute voll konzerttaugliche Instrumente. Sie sind robust gebaut und wartungsarm."

Boris Filipski, Heiligenpesch 56; filipski@piano-filipski.de; Tel.: 0151 22985874; www.piano-filipski.de

(RP)