Mönchengladbach: "Klagewand" für die Johanneskirche

Mönchengladbach: "Klagewand" für die Johanneskirche

Die Klagemauer in Jerusalem hat es dem Mönchengladbacher Wolfgang Franken angetan. Auch wenn er noch nie vor Ort gewesen ist, "fasziniert mich seit jeher, wie die Gläubigen dort vor dem Felsmassiv stehen und sich mit bewegtem Oberkörper an Gott wenden", erklärt der Rheindahlener Künstler. Er weiß, dass die betenden Juden in Nischen, Spalten und Löcher in der "Klagemauer" kleine Zettel mit ihren persönlichen Gebetsanliegen stecken.

Diesen religiösen Brauch hat Franken bei einem Kunstprojekt aufgegriffen, das er für den Evangelischen Kirchentag 2013 in Hamburg mit Unterstützung von vier beeinträchtigten Jugendlichen der Stiftung Hephata schuf. "Das Motto für die Ausschreibung des Kirchentages lautete: Soviel du brauchst", berichtet der Künstler. "Ich erweiterte jedoch das Motto auf die im Johannes-Evangelium zu lesende Aussage ,Soviel du bittest'."

Rechtzeitig zum Kirchentag Anfang Mai dieses Jahres brachte Wolfgang Franken ein vierteiliges Objekt aus Gips auf einem alten Bohlenbrett an und hängte es an einer Kirche in Hamburg auf. Aus einer Tonform wurden vier schrundige, der Grundform eines Ziegels nachempfundene Formen gewonnen. Die mitwirkenden Jugendlichen bearbeiteten den noch weichen Ton mit Werkzeugen, auch Bleistifte dienten dazu, Löcher in die Masse zu drücken. Nach dem Aushärten des Gipsbreis ergab sich eine zerklüftete Oberfläche, die kleine Nischen, Risse und Löcher enthält. "Während des Kirchentages wurden in Hamburg etwa 200 kleine Bittgesuche auf gefalteten Zetteln in diese Klagewand gesteckt", berichtet der Künstler.

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Dieser Brauch wird nun in der Johanneskirche Großheide (Severingstraße) fortgesetzt. Links neben dem Innenportal zum Kirchensaal hängt das Abbild eines Stücks der Klagemauer an der Wand. Gottesdienstbesucher dürfen ihre persönlichen Wünsche und Bitten hineinstecken. Und in jedem vierten Sonntagsgottesdienst verliest Pfarrer Karl-Heinz Bassy ihre Wünsche.

(RP)
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