1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Kitchentalk#30: Wo die Kunstexperten zu Banausen werden

Mönchengladbach : Kitchentalk#30: Wo die Kunstexperten zu Banausen werden

64:49 Minuten lang Fragen, Antworten und Diskussionen zum Thema Kunst, Kultur und vielem, vielem mehr - das war das Thema des 30. Kitchentalks in der Kulturküche an der Waldhausener Straße am Mittwochabend.

64:49 Minuten, damit kommt natürlich kein Mensch aus - schon gar nicht die eingeladenen Gäste Susanne Titz, Direktorin des Museums Abteiberg, und der Street-Artist Phil Norm sowie die mehr als 60 kunst- und kulturinteressierten Gästen. So ging es auch nach dem Ende der von Torsten Knippertz moderierten Talkshow weiter. Und noch länger in privaten Gesprächen.

Das ist ja auch schon große Kunst: über eine Stunde lang (und noch viel länger, siehe oben) über Kunst und Kultur zu sprechen, ohne dass die Gäste das Gefühl von Müdigkeit, Langeweile oder Besserwisserei überkommt.

Das bekommt Knippertz locker hin - mit seinen schnellen und witzigen, aber nie albernen Reaktionen auf Äußerungen holt er die Lacher auf seine Seite und macht aus einer Kulturveranstaltung einen kurzweiligen Abend. Aber nach dem Motto "Jeder Moderator ist nur so gut wie seine Gäste" war dies selbstverständlich auch seinen Gästen geschuldet.

Susanne Titz und Phil Norm ließen sich auf alles ein, was der Kitchentalk zu bieten hat - auf das Vorlesen des "halbwahren Lebenslaufes", der für sie geschrieben worden war, auf das Ja/Nein-Spiel, auf den Turbotalk, bei dem die beiden Satzanfänge vollenden mussten (was nicht ganz so turbomäßig verlief), die ganz unterschiedliche Themen anrissen - wie die nach dem am wenigsten gemochten Getränk oder dem, was man im nächsten Leben machen möchte. Während des Quiz', in dem Titz, Norm und einer der Gäste einen auf ein Wort sich reimenden Künstlernamen nennen sollten, war das Publikum - zum größten Vergnügen aller - oft schneller als die Befragten (was sich durch "Vorsagen" äußerte und den Spielern den Kommentar "Kulturbanausen" einbrachte).

Die Stimmung also war locker und gut - auf dem Podium ebenso wie im Auditorium. Dabei wurden auch ernstere Fragen angesprochen: Kann jeder Mensch ein Künstler sein? Die Antwort von Phil Norm: "Besser nicht." Die von Susanne Titz: "Eigentlich ja." Was passiert, wenn Kunst immer mehr als Investition angesehen wird? Das sei schwierig, sagte die Museumsdirektorin, denn wesentlich Aspekte von Kunst blieben so unbeachtet. Über die Mönchengladbacher Kunstszene wurde gesprochen: Norm betonte, wie viele junge Leute an Kunst interessiert seien, Titz, dass die Energie, die sich aus der Kunst- und Kulturszene heraus entwickelt, in die Stadt hineinfließe.

Auch das Publikum durfte Fragen stellen. Dabei ging es auch um die Esel, um die unterschiedlichen Reaktionen und Resonanzen, die sie hervorrufen. Ein Gast, vollblind, verwies auf die Schwierigkeiten für sehbehinderte Menschen, die Kunst auch tastend und spürend wahrzunehmen - ein Problem, für das Titz an diesem Abend auch keine spontane Lösung fand. Ein Gast wollte wissen, wie der Tag einer Museumsdirektorin aussehe: ab 9 Uhr Management und alles andere vorher oder nachher ... oder im Auto. Norm bat man um Antwort auf die Frage, wie teuer eine Auftragsarbeit von ihm sei. Und an beide richtete sich die Frage, wer wohl Kunst auf der Toilette hängen habe.

Kein Wunder, dass 64:49 Minuten kaum ausreichen für eine solche Fülle an Gesprächsthemen.

(b-r-)