Mönchengladbach: Kippen im Sandkasten: Lebensgefahr für Kinder

Mönchengladbach : Kippen im Sandkasten: Lebensgefahr für Kinder

Immer mehr Kinder müssen wegen des Verdachts auf Nikotinvergiftung in die Klinik. Kinderärzte fordern Bestrafungen und Spielplatz-Paten.

Kinderspielplätze voller Müll, Scherben und Zigarettenkippen – ein gewohntes Bild. Die Gefahren für spielende Kleinkinder sind riesig. Die Kinder- und Jugendärztin Dr. Renate Harnacke schlägt deshalb Alarm. Immer mehr Kinder werden mit Verdacht auf Nikotinvergiftung zu ihr und ihren Kollegen in die Praxis gebracht. Wenn sie auch nur einen Tabakkrümel im Mund des Kindes entdeckt, muss sie sofort handeln. "Denn möglicherweise besteht Lebensgefahr, weil nicht auszuschließen ist, dass das Kind etwas von dem Tabak verschluckt hat." Das Kind muss sofort in eine Kinderklinik eingeliefert werden. Dort wird der kleine Patient zum Erbrechen gebracht und klinisch überwacht.

Renate Harnacke fordert Konsequenzen. "Das Ordnungsamt muss härter durchgreifen und tatsächlich bei jedem Verstoß 20 Euro kassieren." Ihrer Meinung nach geht die Stadt zu "schlampig" mit dem Thema um. "Da sind nicht nur die erheblichen Gefahren für die spielenden Kinder, es entstehen zudem enorme Kosten." Und eine andere Idee hält sie für umsetzbar. "Für jeden Spielplatz in der Stadt sollte ein Pate gefunden werden, der regelmäßig nach dem Rechten schaut."

Paten für die Spielplätze?

Die Initiative "Clean up" unterstützt den Vorstoß. "Ideal wäre, wenn es für jeden Spielplatz einen Paten gäbe und wenn die Spielplätze zusätzlich mit speziellen Kippenaschenbechern ausgerüstet würden", sagt der Initiator Eugen Viehof. "Allerdings sehe auch ich bei dieser Frage die Stadt in der Pflicht. Sie muss die Geldbußen, die für solche Fälle vorgesehen sind, auch wirklich verhängen. Nur so wird sich das Problem lösen lassen."

248 Spielplätze gibt es in der Stadt. Acht davon werden von Paten beaufsichtigt. "Wir sind über jeden zusätzlichen froh, wenngleich die Paten das Problem nicht lösen können", sagt Stadtsprecher Wolfgang Speen. Derzeit würden auf den Spielplätzen Schilder aufgestellt, die auf ein absolutes Rauchverbot hinweisen. "Deshalb müssen wir auch keine Kippenaschenbecher aufstellen." Zudem seien die Mitarbeiter vom Ordnungsdienst regelmäßig auf den Spielplätzen im Einsatz.

Die Stadt verweist auf ein neues Projekt: Eine spezielle Sandreinigungsmaschine soll in Kürze auf 45 Spielplätzen in der Stadt eingesetzt werden. Den Auftrag dazu habe die Verwaltung an ein Spezialunternehmen vergeben. "Diese Plätze sind uns als besonders frequentiert und verschmutzt bekannt", sagt Wolfgang Speen. Diese Maschine ist in der Lage, sich bis zu 40 Zentimeter Tief in den Sand zu graben. "Der Sand wird dann gewaschen und ausgesiebt."

Dennoch freut sich die Stadt über jeden Spielplatz-Paten. Interessenten können sich beim Fachbereich Grünerhaltung unter der Nummer 02161 2568-30 oder 31 melden.

(RP)
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