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Mönchengladbach: Kinderbande: Polizei machtlos

Mönchengladbach : Kinderbande: Polizei machtlos

Kinder aus Südosteuropa lauern seit Wochen Bankkunden an Geldautomaten auf und berauben sie. Manchmal werden die kleinen Täter geschnappt. Doch die Polizei muss sie laufenlassen. Und so geht ihr Beutezug weiter.

Gestern ist es wieder passiert: Ein Junge, elf bis zwölf Jahre alt und nicht größer als 1,30 Meter, versuchte eine Frau an der Lürriper Straße zu berauben. An der Postbank lenkte er sein Opfer ab, das gerade Geld an einem Automaten abheben wollte. Ein zweiter Junge kam hinzu. Zum Glück konnte sich die Frau erfolgreich wehren. In vielen anderen Fällen ergaunerten die Kinder mit dieser Masche innerhalb von wenigen Sekunden jeweils zwischen 400 und 1000 Euro.

Gewaltbereit

Seit Wochen lauern Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren Bankkunden an Geldautomaten auf. Sie warten, bis ihr Opfer die Pin-Nummer eingegeben hat, lenken es ab, erhöhen den Abhebebetrag und flüchten mit dem Geld. Wenn nötig, wenden die Kinder auch Gewalt an. In Lünen bissen sie einen Polizisten krankenhausreif. In Mönchengladbach sind bereits über zehn Fälle mit dieser Masche bekanntgeworden.

Aber auch in Köln, Lippstadt, Hagen, Leverkusen und im Kreis Neuss schwärmten die "Kinder-Räuber" schon aus. In Duisburg raubten sie so oft, dass Banken zusätzliches Sicherheitspersonal an den Geldautomaten postierten und Warnhinweise aufhängten.

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Die Polizei nimmt das Problem ernst, ist jedoch weitgehend machtlos. Schon häufiger wurden die kleinen Räuber geschnappt. In Duisburg wurden zwei 13-jährige Jungen erwischt, in Lippstadt ein elfjähriger Junge und ein 13-jähriges Mädchen, in Hagen zwei Jungen (12 und 13 Jahre), in Kleinenbroich ein Mädchen und ein Junge (13 und 12). Doch alle mussten wieder laufengelassen werden, obwohl einige von ihnen schon mehrfach aufgefallen waren.

Da die "Kinder-Räuber" strafunmündig sind, können sie nicht eingesperrt werden. In der Regel werden die jungen Täter zu einer zentralen Jugendeinrichtung nach Büttgen gebracht. "Aber es ist jedes Mal dasselbe", sagt ein Polizist, "kaum sind sie dort angekommen, sind sie auch schon wieder weg. Die gehen vorne rein und hinten wieder raus."

So genannte strafprozessuale Maßnahmen gegen Kinder seien so ohne Weiteres nicht erlaubt, sagt Polizeisprecher Willy Theveßen. Fotos und Fingerabdrücke von Kindern unter 14 Jahren dürften nur zur Gefahrenabwehr gemacht werden. Bei der Polizei kennt man zwar die Bilder von den Kinder-Räubern aus den Überwachungskameras der Banken. Veröffentlicht werden dürfen sie aber nicht. Da die Kinder strafunmündig sind, kann auch nicht nach ihnen gefahndet werden.

"Wir haben eigentlich nur eine Chance, wenn wir an die erwachsenen Hintermänner herankommen", sagt Willy Theveßen. Die Polizei geht davon aus, dass die Kinder zu ihren Beutezügen geschickt werden. Doch das muss man erst einmal nachweisen. Das sei äußerst schwierig, "aber auch schon einige Male gelungen", sagt Theveßen. Er erinnert sich da an die Festnahme eines Bandenchefs aus Südosteuropa, der einen Rolls-Royce mit vergoldeten Felgen fuhr.

(RP/rl/ila)