1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Kinder werden zu Fledermausexperten

Mönchengladbach : Kinder werden zu Fledermausexperten

Einmal eine Fledermaus aus der Nähe sehen und sie anfassen – das konnten jetzt die Kinder der Kita Nimmersatt. Biologe Michael Straube hatte dazu zwei ausgestopfte Tiere mitgebracht und teilte sein Wissen mit den Kleinen.

Einmal eine Fledermaus aus der Nähe sehen und sie anfassen — das konnten jetzt die Kinder der Kita Nimmersatt. Biologe Michael Straube hatte dazu zwei ausgestopfte Tiere mitgebracht und teilte sein Wissen mit den Kleinen.

Diplom-Biologe Michael Straube erklärte den Kindern der Kita Nimmersatt alles, was sie zum Thema Fledermäuse wissen wollten. Dabei musste er feststellen: Die Kleinen waren sehr gut vorbereitet. Foto: Hans-Peter Reichartz

Viele Mythen und Sagen kreisen um die Fledermaus. Die nachtaktiven Jäger, die geräuschlos durch die Lüfte fliegen, galten lange Zeit als Unheilbringer und wurden mit dem Teufel in Verbindung gebracht. "Alles Quatsch!", sagen die Kinder der Tagesstätte Nimmersatt in Pesch. Denn sie wissen es besser.

Seit einigen Wochen beschäftigen sich die Kleinen ganz ausführlich mit der Fledermaus, von der es in Deutschland 23 verschiedene Arten gibt. "Das sind ganz gute Tiere", sagt Lennox (5) und drückt ein Fledermausstofftier an seine kleine Brust. "Und sie fressen die Mücken bei uns im Garten", ergänzt Lina (5) hastig. Sie hat die außergewöhnlichen Säugetiere, die es seit mehr als 50 Millionen Jahren gibt, besonders in ihr Herz geschlossen. Darum sitzt sie auch ganz dicht vor Diplom-Biologe Michael Straube aus Wegberg und hört ihm aufmerksam zu, wie er anhand einer ausgestopften Langohrfledermaus den Aufbau der Flügel und der Flughaut erklärt.

Doch die Kinder um ihn herum wissen schon ganz genau, dass Fledermäuse ihre Flügel nicht nur zum Fliegen brauchen. "Sie können damit auch klettern und sich festhalten", sagt der vier Jahre alte Matthes. Michael Straube zeigt daraufhin auf eine einzige kleine Kralle, die sich an beiden Seiten der Flügel befindet. "Mit denen können sie sich festhalten, wenn sie ihre Babys zur Welt bringen", sagt der Biologe. Denn Fledermäuse gebären ihren Nachwuchs nicht kopfüberhängend, wie sie es beim Schlafen tun, sondern halten sich mit den Krallen an den Flügeln fest und fangen die Babys mit der Schwanzflughaut auf, damit sie nicht herunterfallen.

Dann holt Michael Straube eine ausgestopfte Zwergfledermaus aus seiner Kiste. Die ist so klein, dass sie mit angelegten Flügeln in eine Streichholzschachtel passt. Die Kinder sind von dem winzigen Säugetier begeistert. "Sie gehören zu den kleinsten heimischen Arten", sagt der Biologe. Mit einer Körperlänge von nur maximal 5,1 Zentimetern und mit einem Gewicht von nur fünf Gramm sind sie mit einem Stück Würfelzucker vergleichbar.

Auf die Frage, was Fledermäuse denn essen, hat Lina sofort eine Antwort. "Mücken und Falter", kommt es wie auf Kommando aus der Fünfjährigen heraus. Und Lennox und Matthes erzählen Michael Straube, wo die streng geschützten Tiere überall Unterschlupf finden. "Die Kinder sind super vorbereitet. So etwas habe ich selten erlebt, und ich wünschte, dass Grundschüler schon so viel Wissen mitbringen würden", sagt Michael Straube.

Und so zeigen ihm die Kinder zum Schluss, wie sie sich in den vergangenen Wochen auf seinen Besuch vorbereitet haben. Überall zieren Fledermäuse die Räume der Tagesstätte. Es hängen Girlanden an den Fenstern und zu Sankt Martin gibt es Fackeln Fledermaus-Form.

"Ziel der Projektwochen ist es, den Kindern, das Säugetier ganzheitlich näherzubringen. Das heißt, es mit allen Sinnen zu erfassen", sagt Erzieherin Claudia Houtermanns. In Büchern haben sich die Kleinen ausgiebig mit der Fledermaus beschäftigt. Der Besuch von Michael Straube rundet das Projekt schließlich ab.

(sibr)