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Mönchengladbach: Kinder begreifen Straßenverkehr anders

Mönchengladbach : Kinder begreifen Straßenverkehr anders

Beim Projekt "Jung und Alt im Schilderwald" der Polizeidirektion Verkehrsprävention lernen Kindergartenkinder und Senioren gemeinsam, wie sie sich im Straßenverkehr zu verhalten haben. Zum Abschluss kam Borussias Maskottchen.

Vorsichtig tritt Anna (5) an den Gehwegrand vor der Friedrich-Ebert-Straße. Ihre neongrüne Warnweste leuchtet im Sonnenlicht auf. Der herannahende Opel Kombi hat bereits gehalten, trotzdem schaut sich das Mädchen nochmals gewissenhaft um. Erst nach rechts, dann nach links und wieder zurück, ehe sie den ersten Tritt auf die Straße wagt. "Wir können jetzt rüber, aber nur bis zur Mittelinsel", erklärt die 91-jährige Eva Rehage, die Anna sich an ihrem Rollator "Fridolin" festhalten lässt.

Gestern endete das Verkehrsprojekt "Jung und Alt im Schilderwald", bei dem die Kinder des Städtischen Kindergartens an der Mühlenstraße seit November in Kooperation mit der Polizeidirektion Verkehrsprävention und dem Seniorenheim Curanum Lindenhof übten, wie man sich im Straßenverkehr richtig verhält. Die theoretischen Grundlagen wurden von den Erzieherinnen vermittelt. Um das Gelernte aber auch umsetzen zu können, ging es an sechs Nachmittagen mit dem Verkehrssicherheitsberater der Mönchengladbacher Polizei, Erwin Hanschmann, hinaus auf die Straße bis zum Seniorenheim. "Kinder und Senioren haben oft mit den gleichen Problemen im Straßenverkehr zu kämpfen", sagt Hanschmann. "Kinder haben beispielsweise ein eingeschränktes Blickfeld, Senioren dafür Sehbehinderungen." Auch die geringe Größe - bei Senioren, wenn sie im Rollstuhl sitzen - birgt für beide Gruppen die Gefahr, von Autofahrern übersehen zu werden. Im vergangenen Jahr sind bei Unfällen in Mönchengladbach 101 Kinder verletzt worden, bei den über 65-Jährigen waren es 149. Viele von ihnen waren als Fußgänger unterwegs, ein Großteil erlitt den Unfall beim Überqueren der Straße.

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So wie es die 91-jährige Eva Rehage mit ihrer fünfjährigen Begleiterin Anna macht, ist es aber genau richtig: An der Insel angekommen, gehen die Damen nicht sofort weiter. Sie bleiben abermals stehen, schauen nach Autos und überqueren die Straße erst, wenn der Weg frei ist. "Die Kinder sind sehr clever und lernen schnell", sagt die 91-Jährige. "An der Insel musste ich gar nicht mehr erklären, dass Anna nach links und rechts gucken muss." Allerdings lernten bei dem Projekt nicht nur die Kleinen von den Senioren. Der Polizeihauptkommissar betont: "Auch die Kinder bringen den Älteren viel bei."

So mussten die Senioren bei der Straßenüberquerung an einer Ampel etwa erkennen: Ihr Tipp "Bei Rot bleibst du stehen, bei Grün darfst du gehen" sorgt bei den Kindern oft für Verwirrung. "Die Kinder blieben daraufhin mitten auf der Straße stehen, als die Ampel auf Rot umgesprungen ist", erzählt Hanschmann. Auch mit dem von Erwachsenen gerne benutzten Hinweis "Pass auf die Autos auf" könnten Kinder wenig anfangen, ergänzt er: "Sie nicken dann eifrig, wissen aber nicht, was zu tun ist. Sollen sie aufpassen, dass das Auto nicht schmutzig ist oder kaputt geht?"

Eva Rehage erlebte selbst solch ein Missverständnis. Als sie ein Kind aufforderte, nicht schräg über die Straße zu gehen, sah es sie nur mit großen Augen an. Jetzt weiß sie: Für Kinder bedeutet schräg gehen, mit gekrümmten Oberkörper zu laufen. "Aussprüche, die für uns gang und gäbe sind, verstehen Kinder nicht oder anders", verdeutlicht der Leiter der Verkehrsinspektion, Achim Hendrix. "Mit dem Projekt sollten Jung und Alt voneinander lernen. Wichtig ist, Kindern in ihrer Sprache zu erklären, wie sie sich im Straßenverkehr verhalten müssen."

Die ganz eigene Sicht der Kinder auf die Welt machte sich auch bei den Straßenschildern bemerkbar. Allein auf den knapp 500 Metern vom Kindergarten bis zum Seniorenheim passierte die Gruppe zig Blechsymbole. "Als ich an einem Fußgängerweg fragte, was das blaue Schild mit der Frau und dem Kind bedeutet, sagte ein Junge: ,Da dürfen nur Mamas langgehen'", erzählt Hanschmann und lacht.

Für Freude sorgte zudem eine Überraschung: Als Belohnung, dass die Kinder so aufmerksam gelernt haben, kam gestern das Borussia-Fohlen Jünter zum Projektabschluss im Seniorenheim vorbei.

(beaw)