Mönchengladbach: Kiffen wird immer gefährlicher

Mönchengladbach: Kiffen wird immer gefährlicher

Der Mythos "Cannabis, die sanfte Hippiedroge" ist widerlegt. Der Wirkstoff stieg zum Teil auf das Vierfache. Die Zahl der jungen Haschischkonsumenten mit erheblichen Problemen wie Angststörungen wächst.

Es ist schon irgendwie paradox: Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sinkt zwar die Zahl der Haschischkonsumenten und der Erst-einsteiger. Dafür gibt es aber immer mehr junge Menschen, die vom starken Kiffen schwerwiegende Probleme bekommen.

Psychische Störungen

Bei der Drogenberatung in Mönchengladbach bildet die Betreuung von oft sehr jungen Cannabiskonsumenten inzwischen den Schwerpunkt der Arbeit neben der Hilfe für Heroinabhängige. "Den Mythos von Cannabis als sanfte Hippiedroge gibt es nicht mehr", sagt der Leiter der Drogenberatung, Achim Brasseler.

Der Wirkstoffgehalt im Cannabis sei in den letzten Jahren zum Teil auf das Vierfache gestiegen. "Von einer weichen Droge kann man wirklich nicht mehr sprechen", sagt Brasseler. Viele junge Konsumenten litten unter starken psychischen Störungen, könnten nächtelang nicht schlafen, hätten schwere Angstanfälle.

Ambulante Hilfsangebote reichten für manche Jugendliche nicht mehr aus, sie müssten in stationäre Reha-Maßnahmen vermittelt werden. "80 Prozent der Eltern, die zu uns kommen, machen das, weil ihre Kinder Probleme mit Cannabis haben", berichtet Brasseler. Und fügt an: "Im Jahr 2004 hatten wir 40 Cannabiskonsumenten in der Beratung, im vergangenen Jahr waren es knapp 300."

Schon 13-Jährige zählen zu den Klienten der Drogenberatung, jedoch in den Altersgruppen der 14- bis 17-Jährigen und der 18- bis 20-Jährigen sind die Zuwachsraten am auffälligsten.

Die Hilfsangebote in der Beratungsstelle zeigen Früchte. Von den insgesamt 67 ratsuchenden, meist jugendlichen Menschen, die regelmäßig Drogen konsumieren, aber noch nicht abhängig sind, waren 14 am Ende der Maßnahmen abstinent.

22 hatten ihren Drogenkonsum verringert. Auch das im Jahr 2010 gestartet Projekt "FresKo" (Früherkennung bei riskantem Suchtmittelkonsum) war erfolgreich. "Früher wurde immer gesagt, dass man bei der Drogenhilfe nur mit Menschen arbeiten kann, die freiwillig kommen", sagt Brasseler.

Doch FresKo widerlegte diese These. An diesem gezielten Hilfsangebot der Drogenberatung für jugendliche Suchtmittelkonsumenten nahmen nur vier Teilnehmer freiwillig teil. 24 wurden von der Jugendgerichtshilfe, der Arge oder von Schulen vermittelt. Alle 28 Teilnehmer äußerten sich am Ende des Projektes positiv über das Angebot, 18 reduzierten ihren Suchtmittelkonsum, sieben nahmen am Ende überhaupt keine Drogen mehr.

(RP/rl)