"Serie Heimat": Kettenkarussell der Kindheit

"Serie Heimat": Kettenkarussell der Kindheit

Der Tierpark in Odenkirchen ist ein besonderer Ort - er weckt Erinnerungen, ist ein Stück Heimat. Ein Rundgang.

Ich passe tatsächlich noch hinein. Ein bisschen gequetscht sitze ich in dem metallenen Sesselchen - aber es geht. Das Kettenkarussell meiner Kindheit, es hat sich nicht verändert. Nach wie vor trägt der schützende Schirm die Farben Rot, Gelb und Blau. Und wie früher muss eine Münze in den Schlitz geworfen werden, damit es sich in Bewegung setzt. Wie viele Runden werde ich auf dem Spielplatz im Odenkirchener Tierpark gedreht haben? Wie oft sind meine Eltern mit meinen Geschwistern und mir zum Pixbusch gefahren? Von Rheindahlen über Mennrath, Wickrath und Wetschewell nach Odenkirchen. Schon die Fahrt dorthin war ein Genuss. Und wenn wir in die baumbestandene Straße hinauf zum Tierpark fuhren, dann klopfte mein Herz vor Freude.

Die akkurat geschnittenen Pony-Frisuren der Esel sind total niedlich. Foto: Inge Schnettler

Das ist heute noch so. Diese kleine Anlage aus den 1950er Jahren ist ein ganz wichtiges Stück Heimat für mich. Ich meine, jeden Stein, jeden Baum, jeden Weg - einfach alles zu kennen. Dabei hat es im Laufe der Jahrzehnte auch an diesem Ort einige Veränderungen gegeben. Aber die freundliche Atmosphäre und das sich wohlig einstellende Gefühl der Ruhe und Zufriedenheit sind geblieben.

An vielen Stellen sieht der Tierpark genau so aus, wie ich ihn meine, schon als Kind gesehen zu haben. Foto: Inge Schnettler

Ich mache meine Runde. Gehe vorbei an den Volieren mit den großen Vögeln, vor denen ich schon als Kind einen riesigen Respekt hatte. Der Uhu schaut mich mit seinen großen Augen undurchdringlich an, der Rabe macht gar nichts. Auf dem Weg zu den Wildpferden bleiben die Alpakas mir auf den Fersen, bis das Ende ihres Geheges erreicht ist. Ihre freundlichen Gesichter sind mir aufmerksam zugewandt. Einfach schön sind sie, diese sanften Tiere.

Die Seehunde gleiten zwischen den Fütterungen in ihrem Becken elegant durch das Wasser. Foto: Inge Schnettler

Ich komme an der Zoo-Schule vorbei. Die gab es zu meiner Kindheit noch nicht. Auch nicht die Kune-Kune-Schweine. Sie gehören aktuell zu meinen Lieblingstieren im Tierpark. Die fünf Ferkel sind ganz schön gewachsen - aber immer noch super niedlich und zutraulich. Und Muttersau Heidi reißt wie immer ihre Schnauze auf und lässt sich das Futter von den Besuchern hineinschütten. Im Sommer werden die drei Mädels und die beiden Jungs den Odenkirchener Tierpark, in dem sie am 5. Oktober vergangenen Jahres zu Welt kamen, verlassen. Für alle fünf haben sich gute Plätze in anderen Zoos gefunden. Das ist schön. Aber auch echt traurig.

Der Kiosk hat sich verändert, aber immer noch ist es ein großes Vergnügen, dort ein leckeres Eis zu kaufen, um es in der Sonne zu genießen. Foto: Inge Schnettler
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Ich gehe zu den Eseln. Sie stellen sich ganz brav nebeneinander und lassen sich fotografieren. Ich mag sie so gern, finde ihre akkurat geschnittenen Pony-Frisuren total niedlich. Wir reden miteinander - wie alte Bekannte. Sehr lange stehe ich am Becken der Seehunde. Genau wie früher sehe ich ihnen so gerne dabei zu, wie sie durch das Wasser gleiten, prustend an die Oberfläche kommen, um dann ganz geschmeidig wieder abzutauchen. Und an den schwarzen, glänzenden Knopfaugen kann ich mich heute wie damals unendlich erfreuen. Ich sehe mich plötzlich wieder als Kind am Gitter stehen, ich schaue zwischen den Stäben hindurch und kann mich kaum losreißen. Dieser Ort weckt Erinnerungen.

Auch an das Eis, das es immer im Sommer gab. Am Kiosk in der Nähe des Eingangs. Der sieht heute anders aus als damals. Aber Eis gibt es hier immer noch. Und die Hühner, die sich gern im kulinarischen Bereich des Tiergartens aufhalten, sind auch da. Sie haben sich ein warmes Plätzchen in einem gemulchten Beet gesucht, scharren ein bisschen, ruhen ein bisschen, fühlen sich mehr als ein bisschen wohl. Tschüss Tierpark, bis bald!

Übrigens: Derzeit ist der Spielplatz im Tiergarten gesperrt. Alte Geräte werden entfernt, dafür kommen ein Bereich für Kleinkinder und ein Klettergerüst für die Größeren. Der Spielplatz macht sich bereit für die nächste Generation.

(isch)
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