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Mönchengladbach: Keine Hilfe: Abflug nach Weeze

Mönchengladbach : Keine Hilfe: Abflug nach Weeze

Am Mönchengladbacher Flughafen werden 60 Regional-Flugzeuge aus ganz Europa gewartet und repariert. Es könnten viel mehr sein – aber da die Landebahn nicht ausgebaut wird, zieht die RAS mit der neuen Halle nach Weeze.

Am Mönchengladbacher Flughafen werden 60 Regional-Flugzeuge aus ganz Europa gewartet und repariert. Es könnten viel mehr sein — aber da die Landebahn nicht ausgebaut wird, zieht die RAS mit der neuen Halle nach Weeze.

Die Ausbaupläne für den Mönchengladbacher Flughafen liegen auf Eis, eine Erweiterung der Landebahn ist erstmal vom Tisch. Bekannt. Damit sind ganz akut 400 Arbeitsplätze in Gefahr. Auch bekannt. Was jetzt aber neu dazukommt und die Lage noch dramatischer macht: Die Rheinland Air Service Werft (RAS) wollte sich hier eigentlich vergrößern. Boeing des Typs 737 warten und reparieren.

Da aber für die Starts und Landungen solcher Maschinen 300 Meter Landebahn fehlen — die auch nicht gebaut werden — hat die RAS jetzt eine folgenschwere Entscheidung getroffen. "Wir bauen die neue Halle in Weeze", so Geschäftsführer Walter Lange (52).

Dabei ist die Rheinland Air Service Werft und ihr Standort Mönchengladbach in ganz Europa bekannt. Denn wenn die Flugzeuge, mit denen die RAS einen Vertrag hat, 36 000 Landungen hinter sich haben, heißt ihr nächstes Ziel: Flughafen MG. Hier werden sie grundüberholt.

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Und diese Prozedur hat's in sich. "Wir bauen die Triebwerke, das Fahrwerk, Ruder und Landeklappen aus, den Propeller ab, holen die Kabinen-Ausstattung raus", erklärt RAS-Geschäftsleiter Walter Lange. "Dann steht hier nur noch der Rumpf. Der wird mit dem Wirbelstromverfahren auf Risse überprüft."

60 Flugzeuge des Typs ATR 42 und ATR 72 hat die RAS in Wartung. Sie kommen von verschiedenen Regional-Airlinern aus der Türkei, Irland, Spanien, Italien und weiteren europäischen Ländern, zwei bis drei Wochen dauert der große Check jedes Mal. "Bei kleineren Reparaturen einer unserer Maschinen auf anderen Flughäfen rücken wir auch schon mal aus", so Lange. "Vor Weihnachten sind wir zum Beispiel mit einem kleinen Team und den benötigten Ersatzteilen ins französische Lyon gefahren und haben dort ein Triebwerk gewechselt."

116 Experten sorgen dafür, dass die Maschinen ordnungsgemäß gewartet und repariert werden, weitere 20 bis 30 Leiharbeiter können außerdem noch geordert werden.

Sechs Flugzeuge passen in die 4000 Quadratmeter große und 12 Meter hohe Halle auf dem Flughafen Mönchengladbach, die übrigens dank einer Fußbodenheizung muckelige 17 Grad hat. Denn wenn das überdimensionale Tor aufgeht, durch das die Flugzeuge rein- und rausfahren, wird es schnell eiskalt.

Damit die Maschinen immer sofort repariert werden können, hat die RAS natürlich auch ein Ersatzteillager. Und das ist riesig. Herr über 700 Quadratmeter Lagerfläche auf drei Etagen ist Andreas Blume. Der 46-Jährige verwaltet Schrauben, Pumpen, Kleber, Anzeige-Instrumente und vieles mehr im Wert von fast 1,4 Millionen Euro. "Pro Teil oder Schrauben-Tütchen gibt's ein Zertifikat, dass die Teile in Ordnung sind und für den Einbau in Flugzeuge geeignet." Deshalb verwaltet Blume nicht nur Metall sondern auch ganz viel Papier. In der zweiten Halle wird das dann ein anderer Mitarbeiter erledigen müssen. Geschäftsführer Lange: "Nochmal: Es scheitert schlicht und ergreifend daran, dass eine Boeing 737 statt der jetzt vorhandenen 1200 Meter langen Landebahn 1750 Meter braucht. Aber da das scheinbar nicht zu machen ist, mussten wir umdenken. Wir hätten uns sehr gerne hier vergrößert."

(RP)