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Mönchengladbach: Kastanienkrieger sind aus dem Museum befreit

Mönchengladbach : Kastanienkrieger sind aus dem Museum befreit

Noch etwas skeptisch war Norbert Krause vor der Übergabe. "Mal sehen, ob das heute ein guter Tag wird", murmelte der Eickener Künstler, während er im Eingangsbereich des Museum Abteiberg wartete.

"Das hängt davon ab, in welcher Verfassung die Krieger sind." Bald konnte er aufatmen. Um die Ecke kam nämlich schnellen Schrittes Museumskustodin Dr. Hannelore Kersting. Und ein Blick in den Karton, den sie trug, verriet: Die 99 Kastanienkrieger sind wohlauf.

Ein wenig abgemagert und verwirrt wirkte zwar so manch einer, aber vielleicht konnten sie auch schlicht ihr Glück noch nicht fassen. Sie hatten obsiegt. Ihre Gefangenschaft war nicht vergebens gewesen. In militärischer Formation hatten die Krieger eines Nachts einen Quadratmeter des Vorplatzes des Museum Abteiberg okkupiert.

Mit Zahnstocher-Lanzen und Fähnchen bewaffnet, forderten sie das Museum auf, seine Kunst ein wenig tiefer zu hängen. "Nicht aus ästhetischen Gründen", so ihr Schöpfer Krause. "Sondern rein aus dem Pragmatismus, dass die Kunstwerke in der Folge für kleine Wesen besser zu betrachten wären." Ein einsamer Ritter stand zu Vertragsverhandlungen am Eingang bereit. 24 Stunden später dann der Schock: Alle Kastanienmännchen waren verschwunden.

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Krause bastelte schon an einem Kriegerdenkmal, als er erfuhr, dass das Museum ihnen nur Asyl gewährt hatte. Seitdem stand der Anführer auf dem Schreibtisch von Hannelore Kersting. Doch die Verhandlungen gestalteten sich zäh. "Er war leider nicht sehr gesprächig", sagte Kersting bei der Übergabe. "Ihm war daher nicht sehr viel zu entlocken."

Und doch reüssierte der Krieger mit seiner Schweigetaktik. Norbert Krause durfte sich mit ihm vor einer ebenerdigen Installation fotografieren lassen. "Das war ja auch eine unserer vier Forderungen", so Krause. "Dass das mit dem Tieferhängen nicht geklappt hat, ist schade. Aber vielleicht hätte man direkt mit der Museumsdirektorin verhandeln sollen."

Die Kastanienmännchen will er nun erstmal wieder aufpäppeln. "Sie haben sich ihren Fronturlaub redlich verdient", findet der Konzeptkünstler. Das Museum angreifen wird er sobald nicht mehr, denn "das würde ja gegen unseren Friedenspakt verstoßen". Und ein neues Einsatzfeld für die wackeren Ritter hat Krause auch noch nicht so recht im Blick.

(RP)