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Redaktionsgespräch Horst-Peter Vennen: Karstadt-Sondermodell hat gute Chancen

Redaktionsgespräch Horst-Peter Vennen : Karstadt-Sondermodell hat gute Chancen

Der Vorsitzende des Bauausschusses und Aufsichtsratsvorsitzende der Entwicklungsgesellschaft erklärt die regen Kaufaktivitäten der Stadttochter. Und er spricht über fehlende Gewerbeflächen, das Minto und das Reme-Gelände.

Letzte Woche kam die Meldung, dass die Karstadt-Filiale in Rheydt schließen soll. War dies absehbar?

Horst-Peter Vennen Das war nicht nur absehbar, das war schon seit einiger Zeit bekannt. Deswegen laufen ja auch schon Gespräche mit Karstadt. Es ist im Interesse der Gesamtstadt mehr als wichtig, die Rheydter Innenstadt so zu beleben, dass man dort gut einkaufen und sich wohlfühlen kann.

Horst-Peter Vennen ist Aufsichtsratsvorsitzender der EWMG. Foto: Raupold

Es gibt Pläne für eine Rheydter Sonderlösung. Als Aufsichtsratsvorsitzender der EWMG sind Sie in die Verhandlungen mit Karstadt involviert. Wie kann die Lösung aussehen?

Vennen Es gibt Überlegungen zu einem Sondermodell Rheydt. Das würde so aussehen: Die EWMG kauft die Immobilie, die auf dem Markt ist, und vermietet zwei Etagen an Karstadt. Das heißt, Karstadt bliebe auf zwei Dritteln der jetzigen Fläche. Eine Etage wird an andere Interessenten vermietet. Hier wird mit einem Lebensmittel-Discounter und einem Vollsortimenter verhandelt. Es gibt bereits Zusagen, das Ganze entwickelt sich positiv.

Wie schätzen Sie die Chancen auf eine Umsetzung des Plans ein?

Vennen Karstadt Rheydt ist nicht unrentabel. Nur deshalb verhandelt der Konzern ja mit der Stadt. Ein solches Sondermodell hat aus meiner Sicht gute Chancen. Sobald es die notwendigen Zusicherungen gibt, kauft die Stadt die Immobilie. Der Preis ist ein durchaus rentierlicher. Es ist auch möglich, dass das Gebäude noch stärker durch die Verwaltung genutzt wird. Es wäre in jedem Fall fahrlässig, wenn die EWMG das Gebäude nicht kaufen würde.

Die EWMG hat das Gelände des Roller-Markts gekauft. Dann ein zentrales Grundstück der City Ost. Jetzt das Vitus-Center, bald den Rheydter Bahnhof und das Karstadt-Haus. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass sich die EWMG verheben könnte?

Vennen Nein, wir kaufen nichts, was wir nicht bezahlen können. Mittelfristig sind all diese Projekte rentierlich. Unter den Aspekten Stadtentwicklung und Stadtreparatur ist es wichtig, dass die EWMG bei all diesen Projekten für die Stadt handelt. Tatsächlich gibt es an vielen Stellen etwas zu tun, in Gladbach sogar mehr als in Rheydt.

Wie steht es beim Vitus-Center? Ist es bereits gekauft? Und wird die Stadtbücherei dort einen dauerhaften Standort finden?

Vennen Beim Vitus-Center ist praktisch alles unter Dach und Fach, es fehlt nur noch die Unterschrift. Das Ganze ist äußerst sinnvoll, selbst wenn dort nur Teile der Verwaltung untergebracht werden würden. Dort den neuen Standort für die Bücherei einzurichten, hielte ich für mehr als vernünftig. Die Nähe zum Hauptbahnhof ist gut für Bücherei und Bürgerservice. Und der Frequenzbringer Bücherei würde dem ganzen unteren Bereich guttun. Unter städtebaulichem Gesichtspunkt wäre das optimal. Was soll dann mit dem bisherigen Standort der Bibliothek an der Blücherstraße geschehen? VENNEN Wir können das Gebäude nicht entwidmen und vom Stiftungszweck lösen, aber man kann dort im weitesten Sinn Kultur unterbringen. Wichtig ist, dass wir das jetzt entscheiden. Dann müssen wir nicht für viele Millionen umbauen, um dann ein Gebäude zu haben, das doch nicht groß genug ist für die modernen Erfordernisse einer Bibliothek.

Ein anderes, erfreuliches Thema: Wie gefällt Ihnen das Minto?

Vennen Ich bin froh, dass es genauso geworden ist. Wir hatten uns schon vor einigen Jahren architektonische Beispiele angesehen. Es ist nicht nur schön geworden, sondern auch funktional. Es scheint wirklich zu funktionieren. Eine attraktive Innenstadt ist für Mönchengladbach immens wichtig. Die Stadt muss richtig aufgestellt sein. Wir stehen auch in Konkurrenz beispielsweise zu Neuss, wo sich auch viel tut. Ja, ich bin hochzufrieden mit dem Minto.

Der befürchtete Verkehrsinfarkt, der mit der Eröffnung des Minto einhergehen sollte, ist ausgeblieben. Hatten Sie damit gerechnet?

Vennen Ich habe nie an einen Verkehrsinfarkt geglaubt. Ich bin ein Freund von nachvollziehbaren Berechnungen. Es gibt für diese Fälle sehr gute Computersimulationen. Mir war früh klar, dass es bestimmte Stellschrauben gibt, an denen gedreht werden muss, damit alles funktioniert. In der Bismarckstraße klappt alles wunderbar.

Noch ist unklar, wie die Busse über die Hindenburgstraße fahren sollen - weiter in beiden Richtungen oder nur hoch und dann über die Steinmetzstraße runter. Welche Lösung bevorzugen Sie?

Vennen Die Busse über die Steinmetzstraße hinunterfahren zu lassen, wäre mein Modell. Damit halbieren wir den Busverkehr und stellen gleichzeitig die Geschäftsleute zufrieden. Zumal wir auf der Hindenburgstraße immer zwei Fahrspuren brauchen, denn 75 Prozent des Lieferverkehrs fließen hier entlang, und man braucht die Zufahrt für Rettungswagen. Die Lösung, über die Steinmetzstraße hinunterzufahren, wäre gut. Gleichzeitig sollte man versuchen, den Süden der Stadt besser einzubinden und mehr Querverbindungen im Busnetz zu schaffen. Außerdem könnte ein zusätzlicher Bustyp eingesetzt werden, der alles anfährt, was auch einen kulturellen Bezug hat, zum Beispiel den Abteiberg und das Museum. Einen solchen Bus müsste allerdings die Stadt selbst bezahlen.

Das Reme-Gelände ist wieder im Gespräch. Wie schnell kann es ein innerstädtisches Wohngebiet werden? Und welche Bedeutung wird dieses Gebiet in naher Zukunft haben?

Vennen Es gibt hier sehr gute Planungen und eine bemerkenswerte Aussage aus Düsseldorf aus dem zuständigen Ministerium. Durch die Nähe zur S-Bahnstation Lürrip wäre ein solches Wohngebiet sehr gut für Pendler geeignet und deshalb möglicherweise zu bezuschussen. Das Wohnen rund um den hier überirdisch verlaufenden Gladbach kann sehr attraktiv werden mit breiten Grünzonen. Wir sind relativ weit, das Ganze kann zügig in Angriff genommen werden. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass der Entreebereich der Stadt, den man aus der Bahn wahrnimmt und der bisher grottenschlecht ist, umgestaltet wird.

Der Regiopark ist belegt. Wie wichtig ist es, dass Mönchengladbach schnell wieder ein großes Gewerbegebiet bekommt? Und wo soll es sein?

Vennen Fehlende Gewerbefläche ist ein großes Problem. Für große Ansiedlungen haben wir im Augenblick kein Angebot. Es gibt die Option, gemeinsam mit Viersen ein Gewerbegebiet einzurichten. Wasserrechtlich habe ich da keine Bedenken. Das muss überprüft werden, aber wir sollten uns nicht bangemachen lassen. Schließlich gibt es auf der anderen Seite der Autobahn auf Viersener Gebiet auch keine Probleme damit.

Die Vorsitzenden des Masterplan-Vereins loben die Entwicklung, die die Stadt nimmt. Und sie loben die Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik. Sehen Sie das auch so?

Vennen Ich bin ein Freund von klaren Strukturen. Letztendlich muss immer der Stadtrat entscheiden. Aber ich finde es gut, dass wir einen kreativen Flügel haben, der sich einbringt im Interesse der Stadt.

Der Entwurf des Rahmenplans Abteiberg liegt vor. Wie werten Sie ihn?

Vennen Manche Ideen sind wie eine Wasserleiche: Sie tauchen auf und verschwinden nach einiger Zeit wieder. Mir ist es wichtig, dass wir bei einem solchen latent vorhandenen Thema wie dem Abteiberg endlich Entscheidungen fällen und sie dann auch umsetzen. Wir haben eine stabile Mehrheit und wir können auch Probleme und unbequeme Sachen anpacken.

ANGELA RIETDORF, JAN SCHNETTLER UND DIETER WEBER FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

(arie)