Veilchendienstag 2018 in Mönchengladbach: Werbekarawane vor Karnevalszug

Vorbild ist die Tour de France: Nun wollen auch Gladbacher Jecken eine Werbekarawane

Die Mönchengladbacher Karnevalisten greifen eine Idee auf, die in Düsseldorf schon kontrovers diskutiert wird. Vor dem Karnevalsumzug sollen Unternehmen werben dürfen. Anders als in der Landeshauptstadt ist das erste Feedback positiv.

In Düsseldorf ist es der Zug am Rosenmontag, in Mönchengladbach der an Veilchendienstag - beide sind Höhepunkte des Karnevals mit kunterbunt gestalteten Wagen und Fußgruppen, die den Bürgern am Zugweg Geschenke zuwerfen. Doch das närrische Spektakel wird immer teurer.

Das vor allem wegen höherer Sicherheitsauflagen: Erst wurden die Regeln nach dem Unglück bei der Loveparade in Duisburg verschärft. Zuletzt musste wegen möglicher Terroranschläge immenser Aufwand betrieben werden. Beim Veilchendienstagszug (VDZ) in diesem Jahr wurden an allen Zufahrten zur Innenstadt Lkw und Container positioniert, damit potenzielle Attentäter nicht mit Fahrzeugen in die Menge rasen konnten wie wenige Wochen zuvor auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin.

Mehr Einnahmen durch Werbung

Bei der Tour de France, die im Juli durch Düsseldorf und Mönchengladbach fuhr, entstand in beiden Städten bei den Karnevalsverantwortlichen die Idee, wie die Finanzierung des jeweiligen Zugs auf solide Beine gestellt werden könnte: Denn während der Tross der Fahrer des weltberühmten Radrennens innerhalb weniger Sekunden am Publikum vorbeizog, war dem kurzen Spektakel eine rund halbstündige Werbekarawane vorgeschaltet. Auf Autos und Wagen mit aufwendig gestalteten Motiven präsentierten sich Unternehmen, auch Wurfmaterial fürs Publikum gab es. Also, fast wie im Karneval - außer, dass diese Karawane mit Tempo 50 an den staunenden Zuschauern vorbeizog.

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Bei den Narren geht es viel gemächlicher zu. Die Grundidee aber will Bernd Gothe, Chef des Mönchengladbacher Karnevalsverbands (MKV) übernehmen. Zunächst plante er, die Tour-Werbekarawane für einen zweiten Auftritt zu bekommen. Die Firmen winkten allerdings ab. "Jetzt wollen wir regionalen Unternehmen diese Möglichkeit bieten", sagt Gothe. Er denkt konkret an rund zehn Fahrzeuge, motorisiert oder nicht, die dem VDZ vorausfahren sollen. "Die müssen nicht so groß und aufwendig gestaltet sein wie die Wagen im Zug, sollten aber schon ins Konzept passen." Denkbar seien Autos, die auf dem Dach ein gestaltetes Symbol der jeweiligen Firma haben. Ziel sei es, den VDZ gegenzufinanzieren und damit dauerhaft zu sichern.

Erste Reaktionen positiv

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Während der gleiche Vorstoß in Düsseldorf kontrovers diskutiert wird, sind die ersten Reaktionen in Mönchengladbach positiv: "Ich finde es grundsätzlich gut, wenn der MKV sich Gedanken macht, wie der Zug finanziert werden kann und nicht nach der öffentlichen Hand verlangt", sagt Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. Die Kritik in der Nachbarstadt, dass Firmen Einfluss auf den Karneval nehmen könnten, kann Reiners nicht nachvollziehen. Gerade weil der Werbeblock vorgeschaltet sei, gebe es keine Vermischung - anders als bei Wagen, die von Unternehmen in den Zug geschickt würden.

Ähnlich argumentiert Dieter Beines, Präsident der Großen Rheydter Prinzengarde: "Ich finde die Idee in Ordnung, weil der Karneval den Weg geht, sich selbst zu helfen. Wenn das gut gemacht wird, kann das durchaus eine Bereicherung sein." Grünes Licht gibt es auch von Norbert Bude, dem Vorsitzenden der Prinzengarde der Stadt Mönchengladbach. "Als Einnahmequelle für den MKV ist das eine gute Idee, und die regionalen Unternehmen haben so die Möglichkeit, sich zu präsentieren", sagt er. "Ich halte das für legitim." Allerdings müssten gewisse Gestaltungsrichtlinien aufgestellt werden.

(RP)
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