Mönchengladbacher Rathaussturm findet im Bennet Sturm statt

Mönchengladbach Rheydt : Ein Rathaussturm im Sturm

Es regnete, hagelte und stürmte. Wie es den Jecken trotzdem gelang, das Rheydter Rathauses zu stürmen und dem Oberbürgermeister den Stadtschlüssel zu entreißen.

Unter den Vordächern der Geschäfte haben sich die Rheydter Jecken zu kleinen Grüppchen versammelt. Maria Silva und ihr Vater Werner Firel warten trotz Nieselregens gemeinsam auf den kleinen Karnevalszug, der gleich zum Rathausvorplatz ziehen wird. „Unsere Christina ist bei der Tanzgarde der Karnevalsfreunde Schwarz-Gold Odenkirchen mit dabei“, sagt Opa Firel stolz. Seine 12-Jährige Enkelin begrüßt er mit lautem „All Rheydt“. Die Klümpchen fliegen und Strüssjes werden verteilt. Neben den Gruppen in klassischer Gardekleidung haben sich De Raderdolle gemäß des Mottos „Gladbach blüht auf“ in prächtige selbst geschneiderte Blumenkostüme gekleidet. „Eigentlich gehört noch ein Aufsatz zum Kostüm“, sagt ein Gruppenmitglied. Doch wegen des Wetters musste dieser heute zu Hause bleiben und wird erst beim Veilchendienstagzug zum Einsatz kommen. Eine weise Entscheidung, denn als sich der kleine Karnevalsumzug auf dem Rathausplatz versammelt, wird der Regen immer stärker.

Inzwischen hat sich Kinderhoppeditz Niklas Quade schon vor dem Prinzenpaar in das Rheydter Rathaus geschlichen. Er antwortet den suchenden Rufen des MKV-Vorsitzenden Gert Kartheuser vom Balkon mit einer gedichteten Ansprache. „Wenn Gladbachs Narren Ausgang haben, werden alte Männer Knaben“, beginnt der Zehnjährige und reimt keck daher: MKV-Beirat Dieter Beines als Tonne, MKV-Vorsitzender Kartheuser als Nonne und die Politiker Norbert Bude als Kuh oder Moni Bartsch als Kakadu. Beim Vers: „Herr Wisselmann als Polizist, nein, geht nicht, weil er das schon ist“, schallen die Lacher der Jecken zum Balkon hoch. Doch als Niklas fertig ist, öffnete der Himmel all seine Tore und lässt Regen und Hagel auf die Narren herab peitschen: ein Rathaussturm im Sturm.

Die meisten Narren flüchten ins trockene Festzelt. Ähnlich sieht es oben auf dem Rathaus-Balkon aus. Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners, der gerade zur Verteidigung gegen die jecke Machtübernahme ansetzen will, steht nahezu alleine im Sturm. Die begleitende Stadtprominenz hat sich ins Trockene geflüchtet.

„Liebes närrische Volk, ich weiß zwar nicht, wo ihr seid“, sagt Reiners mit Blick auf den leeren Platz, verspricht aber für das neue Rathaus ein entsprechendes Vordach. Ob das mit der strengen Gestaltungssatzung im Einklang steht? „Vordächer sind ein schwieriges Thema“, räumt der Rathaus-Chef ein. Aber er hat ja gute Kontakte zum Planungsdezernat.

Und er hat auch eine kostengünstige Idee für den Abriss: „Wenn die Karnevalisten dann noch mal im Rathaus feiern, können wir uns den Abriss sparen.“ Eine Anspielung auf die zum zweiten Mal ins Zelt auf dem Marktplatz ausgegliederte Feier zum Rathaus-Sturm: In der Vergangenheit, so heißt es zur Begründung aus dem Rathaus, hätten sich die Narren rund um den Ratssaal daneben benommen.

Zum Rathaussturm zog auch ein Veedelszoch mit vielen Kindern auf den Rheydter Marktplatz. Foto: Bauch, Jana (jaba)
Kinderhoppeditz Niklas Quade war schon vor dem Prinzenpaar im Rathaus. Foto: Bauch, Jana (jaba)
Hans-Wilhelm Reiners übergab symbolisch den Rathausschlüssel an Prinz Dirk I. und Prinzessin Niersia Martina. Foto: Bauch, Jana (jaba)
v.l. Prof. Christoph Müller-Leisse, Architekt Burkhard Schrammen, Ralf Grewe und Hartmut Wnuck (Sparkasse), Makler Norbert Bienen und SPD-Fraktionschef Felix Heinrichs. Foto: Bauch, Jana (jaba)
Die Gruppe De Raderdolle konnte wegen des Wetters nur mit dem halben Kostüm beim Veedelszoch dabei sein. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Den Rathaus-Schlüssel bekommen Prinz Dirk I. und seine Niersia Martina trotzdem – symbolische Macht für die verbliebenen zwei Tage der Session. „Vielen lieben Dank für die leichte Erstürmung“, sagt der Prinz. Polizeipräsident Mathis Wiesselmann fordert drinnen einen Rathaussturm schon an Altweiber, um die Regierungszeit der Tollitäten im Rathaus zu verlängern, erfährt dann aber, welche wichtige Bedeutung der am Rosenmontag für Rheydt hat und zieht den Vorschlag zurück. Die Karawane zieht weiter, durchs leere Rathaus durch die letzten Regentropfen zum Festzelt. Dort können dieses Jahr alle feiern, 2018 war es nach der Erstürmung nur für geladene Gäste geöffnet. Die haben jetzt einen mit Zaun abgetrennten Bereich. „VIPs in Bodenhaltung“, witzelt Bella Peltzer vom MKV. Draußen scheint jetzt die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Nur zum Sturm standen die Zeichen auf Sturm. Trotz Aprilwetter lassen sich die Narren nicht beirren. Sie schunkeln zum Lied des Prinzenpaars.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Rathaussturm am Rosenmontag 2019 in Mönchengladbach-Rheydt

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