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Mönchengladbach: Pulse of Europe schenkt schwulem Prinzenpaar Regenbogen-Fahne

Pulse of Europe in Mönchengladbach : Regenbogenfahne für Niersius Thorsten und Prinz Axel

Die Initiative überreicht dem ersten schwulen Prinzenpaar im rheinischen Karneval eine besondere Form der Europa-Fahnen mit Regenbogen-Einlage.

In den nüchtern-funktionalen Räumen des Kolpinghauses am Alten Markt war am Sonntag am frühen Nachmittag mehrmals ein dreifaches „Halt Pohl“ und „All Rheydt“ zu hören. Ein buntes Völkchen hatte sich dort versammelt, darunter auch Menschen, die eigentlich mit der Fünften Jahreszeit nichts zu tun haben. Eingeladen hatte die Initative „Pulse of Europe“. Statt sich vom Brexit lähmen zu lassen, setzten jetzt die Mönchengladbacher Europa-Freunde ein Zeichen für Toleranz. Nicole Wagner, die „Pulse-of-Europe“-Vorsitzende in Mönchengladbach, übergab eine Europa-Regenbogenfahne an Prinz Axel I. und seinen Ehemann Prinz Niersius Thorsten. „Ich bin Grafiker und ich muss sagen, dass die Fahne sehr gelungen ist“, lobte Prinz Axel. Sie stellt gestalterisch eine Verschmelzung der EU-Fahne und der Regenbogenfahne, dem Symbol der Homosexuellen dar. Nicole Wagner und ihre Mitstreiter wie Ulrich Pongs und Claudia Busenius-Pongs dürften zufrieden mit dem gewesen sein, was die schwulen Jecken zu berichten hatten: „Wir möchten dem Mönchengladbacher Karnevalsverband unseren Dank aussprechen, der auf uns zugekommen ist. Wir hätten uns von uns aus nie beworben, weil wir geglaubt hatten, die Zeit sei noch nicht reif für ein aus zwei Männern bestehendes Prinzenpaar.“ Das Duo werde aufgenommen „als Jecke, die Spaß haben, als zwei Spaßvögel“.

Das erste Männerprinzenpaar in der Vitusstadt hat die Sympathien längst auf seiner Seite. „Ihr seid ja gar nicht so“, hat das Prinzenpaar schon zu hören bekommen. Gelegentlich werde schon bemängelt, dass es in diesem Jahr keine Karnevalsprinzessin gibt. Das sei aber nicht diskriminierend gemeint und völlig in Ordnung. Ein Lob hatte das Paar auch für die Medien parat: „In den letzten Wochen vor Karneval werden wir intensiv von den Medien begleitet, die Berichterstattung war bislang toll.“ Beschimpfungen seitens der Narren habe es keine gegeben. „Wir bringen einfach Spaß in die Säle und kommen gut an“, erklärte Prinz Axel I. zufrieden. Vermeintliche Vorurteile hätten sich in kürzester Zeit in Luft aufgelöst – jeder Jeck ist eben anders.

Als Dank für die Fahne ließ das Prinzenpaar ein Erinnerungsfoto zurück. Die „Pulse-of-Europe“-Vertreter dürften zufrieden sein damit sein, wie das schwule Prinzenpaar ankommt. Sie wissen aber auch, dass Toleranz Minderheiten gegenüber in Europa längst noch nicht eine Selbstverständlichkeit ist, dass Homophobie immer noch ein Problem darstellt. Christoph Riedel, stellvertretender Vorsitzender von „Pulse-of-Europe“, sagt: „Die Homophobie hat sogar zugenommen in Europa, ,schwul’ wird zunehmend als Schimpfwort benutzt.“