Mönchengladbach: Jost Fünfstück und das Haus Erholung

Serie Was macht eigentlich? : „Ich lasse mir keine Fußfesseln anlegen“

Jost Fünfstück gehört zu den Initiatoren der Bewegung, die sich gegen den Verkauf von Haus Erholung wehrt. Die geforderte Zahl an Unterschriften für ein Bürgerbegehren wurde erreicht.

Dass die Politik ihn nicht interessierte, kann man nicht sagen. Jost Fünfstück hat verfolgt, was sich in der großen Welt, in Brüssel, Berlin, Düsseldorf und auch in seiner Heimatstadt abspielt: „Ich war CDU-Stammwähler, mehr aber nicht.“ Doch dann erlebte er in Mönchengladbach etwas, das ihn auf die Palme brachte: „Da las ich in der RP, dass Vertreter der Stadt Anfang Oktober 2018 montags in München auf der Immobilienmesse waren. Und schon mittwochs gab es einen Beschluss der Großen Koalition des Stadtrates, das Haus Erholung auf dem Abteiberg solle von den Stadttöchtern EWMG und WFMG an einen Investor verkauft werden, der dort nebenan ein Hotel errichten und das Haus Erholung zur Rezeption umfunktionieren will. Da habe ich mir gesagt, dass da etwas nicht stimmen konnte. Andere Abläufe dauern hier doch sehr viel länger. Da war doch etwas ausgekungelt worden, und die Stadt hat mit unterschiedlichen Zahlen operiert. Da soll mit aller Gewalt etwas durchgedrückt werden.“

Jost Fünfstück fand neben Unterstützern in FDP und Grünen zwei Bürger, die sich mit ihm engagierten: den Unternehmer Robert Bückmann und die Studentin Laura Steeger, eine ehemalige Kinderprinzessin. Die Erholung gehöre seit ihrer Fertigstellung durch Gladbacher Bürger 1861 zum Stadtbild und dürfe nicht zum Objekt von Finanzaktionen werden, argumentieren sie und starteten ein Bürgerbegehren, um den Verkauf zu verhindern.

Womit Jost Fünfstück nicht gerechnet hatte: Sein Engagement löste bei seinen Karnevalsfreunden Gegenreaktionen aus. Jost: „Der MKV wollte mich zurückpfeifen, argumentierte, es wäre kontraproduktiv für die Planung einer neuen Wagenbauhalle durch die Stadt. Der MKV erklärte in einem Brief an Ulrich Schückhaus (EWMG/WFMG), die Aktion entspräche nicht der Meinung des MKV. Karnevalskollegen aus der CDU haben mich eine Zeitlang gemieden“ Jost war verärgert. „Der plötzliche Umgang mit mir war nicht fair“, sagt er. „Doch ich lasse mir keine Fußfesseln anlegen und habe dem MKV meinen Rücktritt angeboten, der aber nicht angenommen wurde.“

Das Bürgerbegehren wurde zu einem großen Erfolg: 8388 Unterschriften wahlberechtigter Bürger waren erforderlich. Es gab 12.455 - 4000 mehr als benötigt. Nun muss der Stadtrat entweder seinen Beschluss aufheben oder einen Bürgerentscheid einleiten. Wenn sich am dem dann mindestens zehn Prozent der Bürger beteiligen und die Mehrheit gegen den Verkauf ist, wäre der Ratsbeschluss aufgehoben.

Die Aufregung im MKV hat sich gelegt, die Große Koalition ist ins Grübeln gekommen. Am 27. März tagt der Rat, zwei Tage vorher trifft man sich mit den drei Initiatoren des Bürgerbegehrens. „Wir schauen mal, was wird“, sagt Jost Fünfstück. „Ich mache meinen Job im Karneval ja auch für die Stadt.“ Und so hat er die ersten Vorbereitungen für die nächste Session und den Veilchendienstagszug 2020 schon im Kopf.