Mönchengladbach: In sieben Stadtteilen zogen die Veedelszüge am Tulpensonntag

Veedelszüge in Mönchengladbach : Bunte Veedel feiern Tulpensonntag

Viele Tausend Jecken feierten in den Stadtteilen – mit bunten Kostümen, karnevalistischer Prominenz und einem bissigen Mottowagen.

Rheindahlen Da hatten die Besucher des internationalen Kinderkarnevalszugs am Sonntag großes Glück: Denn der Regen hielt sich ab 14.11 Uhr endlich ein wenig zurück. Der Veedelszug zog rund zwei Stunden durch das Zentrum Rheindahlens und begeisterte Jung und Alt, die an der Strecke zwischen der Broicherstraße und der Max-Reger-Straße standen, gleichermaßen. Mit von der Partie waren neben einigen bunt geschmückten Wagen auch zahlreiche Fußtruppen mit originellen und liebevoll gestalteten Kostümen. So stachen vor allen Dingen die als bunte Blumen und Marienkäfer verkleidete Gruppen ins Auge, weil sie endlich ein wenig Frühling in den doch noch so tristen März brachten.

Den Abschluss des Zuges gestaltete der große Wagen des Kinderprinzenpaares der KG Potz op 1873 Rheindahlen. Prinz Lukas II. und Prinzessin Emma I. versorgten die feierwütigen Rheindahlener  mit jeder Menge süßem Wurfgut.

Der Zug der KG hat eine 40-jährige Tradition und ist schon lange fester Bestandteil der jecken Tage für die Rheindahlener Bevölkerung. „Ich bin als Kind mit meinen Eltern schon hergekommen und habe fleißig ,Halt Pohl’ gerufen, um so viele Süßigkeiten wie möglich zu ergattern. Mittlerweile hab ich die Aufgabe an meine Kinder abgetreten und komme natürlich mit ihnen immer noch gerne her. Da werden Kindheitserinnerungen wach“, erzählte Melanie Poschke lachend.

Odenkirchen Der Veedelszoch in Odenkirchen war an Tulpensonntag der am prominentesten besetzte. Da zog das Prinzenpaar Dirk I. und Niersia Martina, die in Odenkirchen leben, mit; und die Kinderprinzengarde brachte das Kinderprinzenpaar Lukas II. und Lara I. mit, das auf dem Wagen der Karnevalsfreunde Schwarz-Gold Odenkirchen stand. Heimspiel hatten in Kostümen der KG Ruet-Wiss Okerke auch Bürgermeisterin Petra Heinen-Dauber, amtierende Burggräfin der Gesellschaft, und MKV-Vize Markus Hardenack mit Ehefrau Christina. Mit dabei war auch das Wanloer Dreigestirn Prinz Tom I., Jungfrau Michaela und Bauer Eckart. „Wir sind das erste Wanloer Dreigestirn seit zehn Jahren“, erzählte der Prinz, der wie der Bauer aus Odenkirchen stammt und dort dem Käferclub, einer Gruppe ehemaliger Messdiener, angehört. „Unser Orden zeigt die Kirchen von Wanlo und Odenkirchen. Dazwischen fließt die Niers. Wir möchten Brücken bauen zwischen den Stadtteilen, den Schützen und den Karnevalisten“, erzählte der Prinz. Den Wagen der KG Wanloer Ströpp, mit dem das Dreigestirn auch beim Veilchendienstagszug dabei sein wird, habe der MKV kostenfrei zur Verfügung gestellt. Rund 500 Teilnehmer zogen durch Odenkirchen, darunter „Freche Früchtchen“ aus Mülfort, die zum ersten Mal dabei waren. Die größte Gruppe stellten die Pfadfinder, die als bunte Blumenkästen mitmachten.

Holt Es war der wohl politischste und bissigste Wagen, der an Tulpensonntag durch Mönchengladbach zog. Die KG Immer lustig Holt hatte auf ihren Gesellschaftswagen eine große Leinwand spannen lassen. Darauf zu sehen: eine Karikatur von Planungsdezernent Gregor Bonin mit Kettensäge in der Hand, der gerade zwischen dem St. Vith und dem Münster einen Baum fällt. Bonin ruft dabei „Wow, tolle Aussicht!“ und der Baum „Mönchengladbach hol(z)t ab!“. Mitglieder der KG Immer lustig Holt scherzten vor dem Zug, dass irgendwo noch der Spruch „Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben“ hätte stehen müssen. Das verkniff man sich dann aber auf dem Wagen. Rund 500 Teilnehmer machten sich um 11.11 Uhr bei Regen und Wind auf den Weg durch ihren Stadtteil. „Seit vielen Jahren ziehen wir auch wieder einmal durch Speick. Dort hängen an jeder Straßenlaterne Luftballons. Die Speicker Vereine haben toll mitgearbeitet“, sagte Günter Claßen, der Vorsitzende der immer lustigen Holter. Die größte Gruppe mit 50 Jecken stellte „De hatte Kern“ als Obstbäume und Kirschen. Überhaupt war der Veedelszoch sehr botanisch. Da gab es Palmen, Gärtner, Bienen und Imker und Blüten der ganz anderen Art, nämlich 25-Euro-Scheine. Freuen konnten sich die Veranstalter darüber, dass drei Gruppen zum ersten Mal mitmachten.

Giesenkirchen „Gisekerke vörrop“ und „Schälse hängedrop“, schallte es durch Giesenkirchen und Schelsen. In beiden Ortsteilen veranstaltet die Interessengemeinschaft (IG) Kinderkarneval den Tulpensonntagszug. Dieser fand jetzt zum 65. Mal statt. „Wir haben nicht nur die Kinder am Straßenrand, besonders ist, dass dieses Jahr rund 300 Kinder im Zug mitlaufen“, sagtw Organisatorin Gudrun Gruhn von der IG Kinderkarneval.

18 Gruppen und insgesamt vier Wagen bildeten den diesjährigen Zug. Für Musik sorgt eine besondere Gruppe: Die „Lecker LaLaBoys“, standen auf der Konstantinstraße. Sie sind das Herrentrio der KG De Leckere Jecke, der ersten schwul-lesbischen Karnevalsgesellschaft Mönchengladbachs. „Hier können wir den Leuten mit selbstgeschriebenen Karnevalssongs ein bisschen einheizen“, sagten sie. Was macht den Karneval in Giesenkirchen aus? „Der Zusammenhalt“, beschreibt die Fußgruppe der KG Botterblom. „Außergewöhnlich ist hier die Geselligkeit“, präzisiert Simone Stephan, Vorsitzende der KG Botterblom. „Die Giesenkirchener begegnen sich gerne.“ Auch wenn sie bei den Karnevalsrufen geteilt scheinen – zum Zug stehen beide Ortsteile, Giesenkirchen und Schelsen, zusammen.

Hardterbroich Es ist nicht der größte Veedelszoch der Stadt, die Stimmung unter den Jecken ist dafür aber überragend. Das regnerische Wetter schien im Stadtteil Hardterbroich niemandem etwas auszumachen, weder den Mitgliedern der Karnevalsgesellschaft „Alles onger ene Hoot“, noch den Zuschauern. Kleine Cowboys und Piraten standen aufgeregt am Straßenrand, während die Jecken sich für den etwa einstündigen Veedelszoch positionierten.

„Wir haben nur einen Wagen, den Prinzenwagen, auf dem das Kinderprinzenpaar Robin I. und Jana I. fahren“, sagte Hans-Joachim Brenneis, erster Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft. „Es laufen außerdem noch neun Gruppen mit. Besonders ist, dass auch das neue Altenheim Hardterbroich sowie das DRK-Haus dabei sind. Jeweils zehn Bewohner im Rollstuhl und zehn Betreuer nehmen auch Veedelszoch teil.“

Brenneis freut sich darüber, dass trotz des Wetters so viele Besucher anwesend waren: „Die Gruppen geben sich ja alle Mühe mit den Kostümen, da ist es sehr schade, wenn sie wegen des Regens kaum Zuschauerschaft haben.“ Nach dem Veedelszoch ging es für die erwachsenen Karnevalsfans zurück zur Kirche an der Hardterbroicher Straße, wo eine Party stattfand. Für die Kleinen ging es zur Kinderparty ins Pfarrheim.

Eicken Beim Veedelszoch in Eicken musste so mancher Jeck immer wieder seinen Regenschirm gut festhalten, damit ihn keine Windböe aus der Hand riss. Doch auf den Nieselregen und Wind waren die Karnevalisten bestens vorbereitet: Die „Funkengarde 1949 Mönchengladbach Stadtmitte“ schützte ihre Uniformen und Dreispitze mit transparenten Capes und Folien – von schlechter Stimmung keine Spur. Bewohner des Altenheims, die in Rollstühlen an dem Zug teilnahmen, konnten immerhin die Hände unter den Decken wärmen, die zu ihren Kostümen gehörten. Unter dem Motto „Mensch ärgere Dich nicht“ waren sie und ihre Begleiter als Figuren des Spieleklassikers kostümiert und trugen die Spielbretter auf den Bäuchen. Trotz klammer Finger warfen die Karnevalisten großzügig ihre Kamelle den Jecken am Straßenrand zu, bei denen die Stimmung ebenfalls ausgelassen war. Die „Weberei Clowns“ und eine mit grünen Perücken, roten Hosen, Hüten und bunten Blumen kostümierte Fußgruppe brachten Farbe in den Tulpensonntag in Eicken.

In Venn war diese Fußgruppe als Schlümpfe unterwegs. Foto: Bauch, Jana (jaba)
Viele Blüten und Früchte gab es im Karnevalszug in Holt zu erleben. Dort gab es auch den politischsten Wagen am Tulpensonntag. Foto: Reichartz,Hans-Peter (hpr)
Beim Veedelszoch in Eicken waren Bewohner des Altenheims als Spielfiguren dabei. Foto: Bauch, Jana (jaba)
Annette Zimmermann als Clown von der Fußgruppe der KG Ruet-Wiss Okerke. Foto: Denise Brenneis
Veedelzoch Giesenkirchen. Foto: Ilgner Detlef (ilg)
Diese Zugteilnehmerin verteilte in Giesenkirchen Kamelle. Foto: Ilgner Detlef (ilg)
Dieser Mottowagen in Holt zeigte Planungsdezernent Gregor Bonin mit Kettensäge beim Baumfällen. Foto: Christian Lingen
Dieser Schmetterling zog im Zug in Hardterbroich mit. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Venn Rund ein Drittel der Teilnehmer des Venner Veedelszochs waren am Tulpensonntag blau. Sie hatten aber nicht etwa zu viel Alkohol getrunken, sondern zogen als Schlümpfe mit. Die Schützengruppe Duis stellte knapp 100 der rund 350 Teilnehmer beim Zoch durch den Stadtteil. „Es ist schade, dass wir so schlechtes Wetter haben, sonst hätten wir mehr Teilnehmer dabei“, sagte Manfred Clasen von der 1. Venner KG, die die Zugleitung hatte. Der Wagen der Gesellschaft präsentierte sich mit Blumen geschmückt. Auch die KG Poether Pothäepel war mit einem Wagen dabei. Weil ihr Schlachtruf „De Möll kieme“ übersetzt „Die Pflanzkartoffeln keimen“ bedeutet, hatten sie ihren Wagen als Kartoffelacker gestaltet. Unterstützung für die Venner Karnevalisten kam aus der Nachbarschaft. Die KG Wenkbülle mit ihrem Präsidenten Michael Körffer war vertreten,ebenso wie das Hardter Kinderprinzenpaar Felix I. und Larissa. Sie standen auf ihrem Wagen auf einem Turm. Wie alle frühen Züge des Tages verregnete es auch den Veedelszoch in Venn. Das schreckte die Bewohner der Aktion Freizeit behinderter Jugendlicher aber nicht ab, in Rollstühlen und zu Fuß dabei zu sein. Regenponchos halfen gegen das Nass vom Himmel. Nach dem Zug feierten die Jecken bei zahlreichen Partys weiter.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So schön waren die Veedelszöch in Eicken, Giesenkirchen, Hardterbroich, Holt, Venn und Odenkirchen

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