Karneval in Mönchengladbach: Die KG Uehllöeker feierte die Blindensitzung

Blindenkarneval in Mönchengladbach : Karneval ohne Bild zum Ton

Bei der Karnevalssitzung der KG Uehllöeker und des Blinden- und Sehbehindertenvereins gab es viele Wortbeiträge und Musik.

Selten hat das Lied des Prinzenpaars so gut gepasst, wie bei der gemeinsamen Karnevalssitzung der KG Uehlloeker Neuwerk und des Blinden- und Sehbehindertenvereins im Saal des Gasthofs Loers. „Es ist ein tolles Gefühl, wir feiern heut´ mit euch Karneval und die Sorgen von gestern sind ganz egal“, heißt es darin. Dass Karneval tatsächlich ein Gefühl ist, dass es um Emotionen und Empfindungen geht, das wurde bei dieser ganz besonderen Karnevalssitzung deutlich. Obwohl rund die Hälfte des Publikums nicht sehen konnte, was auf der Bühne geschieht, merkte man den sehbehinderten Besuchern an, dass sie es ganz genau und ganz tief spüren. Das „tolle Gefühl“ schien sie förmlich zu durchströmen, denn von Glück war auf ihren Gesichtern zu sehen. „Ich finde es toll, wie hier das Gemeinschaftsgefühl gefeiert wird“, sagte Prinz Dirk I. und seine Niersia fügte hinzu: „Auch ihr gehört zum Karneval einfach dazu.“

„Die Blindensitzung gibt es schon seit 71 Jahren. Ich bin heute zum 40. Mal dabei“, erzählte Rudi Hansen, der Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins. In Venn findet sie statt, weil der Verein dort auch seine Weihnachtsfeier veranstaltet und die Mitglieder den Saal kennen. Die Zusammenarbeit mit der KG Uehllöeker Neuwerk sei eine sehr enge. „Wir legen Wert auf gute Wortbeiträge und Witze, die man nicht nur visuell verstehen kann“, erklärte Rudi Hansen. Genau das wurde in weiten Teilen der Sitzung dann auch geboten. Das Rednerduo Harry und Achim zum Beispiel lieferte sich ein halbstündiges Zwiegespräch, das für viele Lacher sorgte. Rudi Hansen hörte dabei ganz konzentriert zu und konnte so, auch ohne die beiden Redner genau zu sehen, herzhaft mitlachen. Und verstand er einmal etwas nicht direkt, erklärte es ihm ein Freund, der neben ihm saß.

Cover-Sängerin Bianca Schnelle brachte das Publikum mit Schlagerhits zum Mitsingen. Bei einem Stück jedoch, vor dem sie Willi Kleuser und Dagmar Gaden, die gemeinsam durch den Abend führten, zum Tanzen aufforderte, vergaß die Sängerin den Text. Beim Auftritt den Kölschen Köbes erklärte Hansens Begleiter ihm, dass der Redner einen Kölschkranz in der linken Hand hält. Sänger HaPe Jonen heizte dem Publikum schließlich so richtig ein. Es wurde gesungen, geschunkelt und sogar getanzt. Das alles geht nämlich auch ohne etwas zu sehen. Und schließlich zog sogar eine Polonaise durch den Saal. Am Ende des letzten Liedes stand das halbe Publikum auf der Bühne. Ein Heimspiel war die Sitzung für Kinderprinz Lukas II., denn er stammt aus der KG Uehllöeker. „Es ist schön, dass es eine solche Sitzung gibt“, sagte Kinderprinzessin Lara I..

Ganz professionell zeigte sich Anna-Leonie Pütz. Als bei ihrer Parodieshow die CD nur noch schräge Töne von sich gab, machte die Nachwuchskünstlerin weiter, als sei nichts geschehen. Zum Abschluss sorgte die Band Echt Lekker noch einmal für Stimmung. Und auch bei diesem Auftritt war dem Publikum anzusehen, dass es glücklich ist.

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