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Karneval 2018 in Mönchengladbach: Einmal Funkemariechen beim Veilchendienstagszug

Veilchendienstagszug in Mönchengladbach : Einmal Funkemariechen sein

Als Funkemariechen im Gladbacher Veilchendienstagszug

Schon immer hat unsere Autorin davon geträumt, als Funkemariechen beim Veilchendienstagszug dabei zu sein. Jetzt war es so weit. Doch hat sie das Zeug zur Regimentstochter?

Es gibt ein Lied von der Karnevalsband "Kempes Feinest". Darin heißt es: "Schon as Panz davun jedräumt, ens en Danzamire ze sinn. Doch schon janz fröh do wor die klor, dinge Draum weed niemols wohr." Genau so erging es mir, als ich ein kleines Mädchen war.

Karnevalistisches Blut fließt durch meine Adern, Taktgefühl ist meinen Knochen jedoch leider völlig fremd. Für mich blieb damit eigentlich nur die Bütt. Ganz aufgegeben habe ich den Traum vom Mariechen-Dasein jedoch nie. Und heute, heute am Veilchendienstag, da ist er wahr geworden.

Thomas Poppenborg, Tanzmeister der Prinzengarde der Stadt Mönchengladbach, nimmt mich als Regimentstochter mit auf den Karnevalswagen. Regimentstöchter heißen die Mädels der Garde. Poppenborg ist eigentlich Zahnarzt in Mönchengladbach und wohnt in Köln.

Trotzdem stand für den 49-Jährigen sofort fest, die ehrenhafte Aufgabe des Tanzmeisters nicht abzulehnen, als ihn die jungen Damen einstimmig vor zwei Jahren darum gebeten hatten. "Der Zusammenhalt in der Gruppe ist einfach toll", sagt Poppenborg. Karneval in Köln zu feiern, kommt für ihn nicht in Frage. "Hier in Mönchengladbach ist es viel familiärer und nicht so anonym", sagt er.

Bevor es für mich nun endlich auf den Gardewagen geht, muss aber zuerst das richtige Outfit her: Vom Spitzenhöschen bis hin zum Hut mit blonden Löckchen. Ein bisschen ungewohnt fühlt sich die Uniform schon an. Als mich aber die ersten Jecken am Wegesrand entdecken und laut "Halt Pohl" rufen, gehört sie fest zu mir.

Und dann ist es soweit: Es geht hinauf auf das wackelige Gefährt. Dort wollen noch tausende Bonbons und Tüten mit Kamelle aus großen Säcken und zahlreichen Kartons verteilt werden. Schon jetzt merke ich: Hier halten alle zusammen. Hand in Hand füllen die neun Regimentstöchter und die Prinzengarde rund um Präsident Frank Eibenberger und Tanzmeister Poppenborg die bunten Leckereien auf.

Karneval 2018: So schön war der Veilchendienstagszug in Mönchengladbach

Dann ein kurzer Schreckmoment: das Stromaggregat ist ausgefallen. Muss der jecke Wagen ohne Karnevalsmusik losziehen? Kurzerhand grölen die Regimentstöchter die bekannten Hits einfach selbst. Ich singe und schunkele mit.

Eine von den Regimentstöchtern ist Marie Wester. Die 27-Jährige ist seit zwölf Jahren festes Mitglied bei der Prinzengarde und mit Leib und Seele dabei. "Es ist einfach ein toller Zusammenhalt in der ganzen Gruppe", sagt Wester. Das muss auch so sein, schließlich verbringen die neun jungen Frauen und vier Männer in der Session jedes Wochenende bei Auftritten miteinander.

"Und in der Woche wird ein- bis zweimal trainiert — das ganze Jahr über", sagt Wester. Wo wir wieder bei meinem Thema wären: Muss man Tanztalent haben, um bei der Prinzengarde die Beine schwingen zu dürfen? "Ach, das will ich so nicht sagen", sagt die 27-Jährige mit einem Augenzwinkern. Ein Anfänger könne nach einem halben Jahr Training schon ganz gut mithalten.

Die Garde sucht übrigens in allen Bereichen Nachwuchs. Mit 15 Jahren darf man bei den "Großen" mittanzen. "Vor allem Männer suchen wir", sagt Wester.

Und pünktlich, als sich der Wagen in Bewegung setzt, spielt auch die Technik wieder mit. Bei strahlendem Sonnenschein zieht der Wagen die Lüpertzenderstraße entlang. Die zahlreichen verkleideten Jecken am Straßenrand rufen mir laut "Halt Pohl" zu und reißen die Arme hoch.

Ach stimmt, da war ja was: Die wollen Kamelle haben! "Immer ein bisschen seitlich nach oben werfen — nie von oben nach unten, sonst tut man den Leuten weh", führt mich Präsident Frank Eibenberger in die Kunst des Kamelle-Werfens ein. Nach zwei, drei Fehlversuchen klappt das dann auch ganz gut. "Macht Spaß oder?", fragt mich Gardist Benjamin Bruchmann. "Und wie!"

Am Geroplatz, wo die Stimmung bei strahlendem Sonnenschein nicht hätte besser sein können, wird noch schnell ein Abschiedsbild gemacht. "Nicht so!", verbessert Regimentstochter Wester meine Pose. "Du musst den Fuß leicht vor den anderen stellen und ein bisschen einknicken", erklärt die Expertin. Wenn ich auch kein Spagat kann, das habe ich mir gemerkt. Für's nächste Jahr!

(skr)