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Serie "Karneval Ungeschminkt" (13): Ein echter Knochenjob am Zapfhahn

Serie "Karneval Ungeschminkt" (13) : Ein echter Knochenjob am Zapfhahn

Wenn im Holter Festzelt Tausende Gläser Bier über die Theke gehen, ist Elke Barrawasser mittendrin. Trotz der anstrengenden Aufgabe beschreibt die Geschäftsführerin der Zelte Barrawasser GmbH ihre Arbeit als besonders angenehm.

Noch ist es verhältnismäßig ruhig im Holter Festzelt. Nur vereinzelt geht frisch Gezapftes über die Theke, doch durch die Boxen dröhnen bereits die üblichen verdächtigen Gassenhauer. Bis in die Abendstunden werden dies die letzten ruhigen Minuten für Elke Barrawasser und ihr Team sein.

"Das ist die Aufwärmphase", sagt die Geschäftsführerin der Zelte Barrawasser GmbH, die sich in der närrischen Zeit auch um die Bewirtschaftung an der Immelmannstraße kümmert. Die 50-Jährige weiß, wovon sie spricht, denn bereits in wenigen Augenblicken, wenn der Holter Karnevalszug sich dem Ende neigt und die Närrinnen und Narren ins Innere strömen, wird sich das Festzelt der Holter Karnevalsgesellschaft "Immer lustig" schlagartig füllen.

 Arbeiten, wenn andere feiern: Alexandra Brosch balanciert ein Tablett mit Bier vorbei an den Jecken im Festzelt.
Arbeiten, wenn andere feiern: Alexandra Brosch balanciert ein Tablett mit Bier vorbei an den Jecken im Festzelt. Foto: Raupold, Isabella (ikr)

Dann beginnt der Arbeitstag für Elke Barrawasser und ihre rund 30 Angestellten erst richtig. Zwischen Tausenden, im Akkord gezapften Gläsern Gerstensaft aus der Bolten-Brauerei, die über die beiden rund 25 Meter langen Theken gehen, bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen. "Wir wechseln uns schon regelmäßig ab, aber in den Stoßzeiten ist das gesamte Team im Einsatz. Das ist dann schon ein Knochenjob", sagt Elke Barrawasser, für die der Einsatz in Holt eine Herzensangelegenheit ist.

"Seit 21 Jahren arbeiten wir nun mit der KG ,Immer lustig' zusammen. Das Festzelt hier in Holt hat schon eine Größenordnung, die nicht alltäglich für uns ist", sagt die 50-Jährige, die gemeinsam mit ihrem Vater Peter Barrawasser (75) das Unternehmen leitet. Ärger gebe es laut der Geschäftsführerin trotz vieler alkoholisierter Menschen ganz selten. "Die meisten Besucher hier sind friedlich und einfach gut drauf. Es ist ein schönes Arbeiten", sagt Elke Barrawasser, die auch im größten Trubel die Ruhe selbst zu sein scheint. Vielleicht liegt es daran, dass sie selber eingefleischte Närrin ist und auch privat Karnevalsveranstaltungen besucht.

Dass sich Elke Barrawasser ausgerechnet in diesem "Winter" als Eskimo verkleidete, als sie mit einer Freundin in Köln unterwegs war, ist wohl Ironie des Schicksals. Schließlich ist die diesjährige Karnevalszeit eher geprägt von Frühlingsgefühlen statt Frost-Frust. Der Rommerskirchenerin soll es recht sein. Schließlich erleichtern die milden Temperaturen die Arbeit des gesamten Teams. "Bei Minus-Temperaturen müssen wir abends alle Bier- und Wasserleitungen ins Innere holen. Sie würden sonst einfrieren", sagt Elke Barrawasser. Zudem müsste das Team bereits in den Morgenstunden wieder alles anschließen.

Viel Spielraum hat der Kalender von der 50-Jährigen auch nach der Session nicht: "Bald geht es ja schon wieder weiter mit Vorbereitungen für den Tanz in den Mai." Die Zeit bis dahin reiche kaum aus, um sich richtig zu erholen, doch ein wenig Regenerationszeit nach dem royalen Dienst rund um Prinzen und Schaumkronen hat die eingefleischte Karnevalistin fest im Blick — der Urlaub mit ihrem Lebensgefährten auf den Kanaren ist bereits gebucht. Auch dort wird das Eskimo-Kostüm wohl kaum zu den Temperaturen passen.

(RP)