Mönchengladbach: Kapitän Alfred Bohnen

Mönchengladbach : Kapitän Alfred Bohnen

Früher standen sie im Blickpunkt. Dann haben sie sich zurückgezogen. Wir sagen, was die Prominenten von einst heute machen. Der Ex-CDU-Chef tut, was er immer am besten konnte: ein Schiff auf Kurs halten, auch bei rauer See.

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p class="text">Eigentlich ist alles wie immer. Alfred Bohnen sitzt am Schreibtisch. Das tut er an jedem Tag, den er in Gladbach verbringt, von 10 bis 19.30 Uhr. Seine 73 Jahre sieht man ihm nicht an. "Ich komme heute noch auf mehr Stunden Arbeit als ein Telekom-Mitarbeiter", frotzelt er. Mit drei Partnern verwaltet er Immobilien. Sein Büro ist im Marienhof, der ihm mit gehört. "Gladbach ist meine Heimat. Ohne kann ich nicht", sagt er. Zumindest nicht dauerhaft. Einige Monate pro Jahr verbringt er in seinem Haus auf Mallorca, direkt am Meer.

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p class="text">Wenn er erzählt, blitzt in seinen Augen mal der Ehrgeiz, den anderen zu überzeugen, mal das Wissen des Insiders und sehr oft schlicht der Schalk. Immer wieder klingelt sein Handy. Und doch ist alles anders. Denn seit Bohnen vor gut acht Jahren alle Ämter niederlegte, spielt der einst mächtigste Mann Gladbachs keine Rolle mehr in der Stadt.

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p class="text">Er kokettiert damit, jetzt erst den überregionalen Teil der Rheinischen Post zu lesen, und ganz am Ende den Lokalteil. "Ich bekomme das doch alles gar nicht mehr mit", sagt er. Kennt sich dafür aber, wann immer das Thema auf die aktuelle Politik kommt, verdächtig gut aus. Hat immer noch zu vielem eine Meinung, ein Ziel parat - und die passende Strategie, es zu erreichen. Die passt immer auf eine DIN A4-Seite und verrät klaren Geist. Doch es wirkt überzeugend, wenn er zwischendurch abwinkt und sagt: "Von außen lässt sich leicht reden. Ich habe nicht genug Informationen, um wirklich mitreden zu können."

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p class="text">Vier Jahre, nachdem er die Politik an den Nagel hängte, schied er als Geschäftführer des Bauunternehmens Jessen aus. Was macht ein Mann, der über Jahrzehnte viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten konnte, mit der ganzen Zeit? Bohnen: "Sicher nicht im Liegestuhl sitzen. Das halte ich nicht länger als eine Stunde aus." Seiner Frau schlug er vor, gemeinsam das Golfspielen zu erlernen. Doch die wollte nicht. Da Mallorca nun mal vom Wasser umgeben ist und Bohnens in der Nähe des Hafens wohnen, kam er auf die Idee, Boot zu fahren.

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p class="text">Also meldete er sich für den Bootsführerschein an, in einer Mönchengladbacher Schule. Saß zwischen Männern, von denen die eine Hälfte seine Söhne, die andere seine Enkel hätten sein können - und staunte. Über all die maritimen Begriffe, von denen er noch nie im Leben gehört hatte. "Als der Kursleiter sagte, in sechs Wochen ist die Prüfung, habe ich Schiss bekommen", erinnert sich Bohnen. Er überlegte hinzuschmeißen. Kurz. Dann fing er an, auswendig zu lernen. Begriff für Begriff. "Es hat eine Weile gedauert. Das geht nicht mehr so schnell wie früher", sagt er. Am Ende war er bei der Prüfung der einzige, der alle Punkte erreichte.

"Und jetzt bin ich Kapitän zur See", sagt er selbstironisch. Sein Boot ist über 20 Meter lang, hat 1000PS. Damit würde er von Mallorca bis nach Nordafrika kommen. Er hat Respekt vor der See. "Das Anlegen mit so einem Boot ist verdammt schwierig", erzählt er. Bei den ersten Touren hat er einen erfahrenen Kollegen dabei gehabt. Dann hat es ihn gejuckt, und er ist, ohne es vorher jemandem zu sagen, alleine los gefahren. Und heile wiedergekommen. "Echte Leidenschaft ist das nicht. Ich könnte damit auch morgen wieder aufhören." Das hätte er wohl von der Politik so leicht nicht behauptet.

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