Mönchengladbach: Kanadier lernt bei Bolten das Bierbrauen

Mönchengladbach : Kanadier lernt bei Bolten das Bierbrauen

Der 22-jährige Kanadier Jeremy Swainson liebt deutsches Bier so sehr, dass er dafür seine Heimat verlassen hat. In der Privatbrauerei Bolten macht er eine Ausbildung zum Brauer. Sein großer Traum ist eine eigene Brauerei in Kanada.

Jeremy Swainson liebt Bier - Gerstenmalz ist Leidenschaft und Berufung des 22-Jährigen. Deshalb macht er in der Korschenbroicher Privatbrauerei Bolten eine Ausbildung zum Brauer. Dafür hat Swainson einen weiten Weg auf sich genommen: Er stammt aus Kanada. Seine Leidenschaft für Hopfen und Malz hat ihn bis ins Rheinland gezogen.

Alles begann für Jeremy Swainson mit einem Schüleraustausch. Ein Jahr verbrachte der damals 18-Jährige an einem Gymnasium in Xanten. "Damals habe ich viel deutsches Bier probiert", berichtet Swainson schmunzelnd. Doch während Pils oder Alt den meisten Menschen einfach nur den Feierabend versüßen, entwickelte der Abiturient eine Leidenschaft für den herben Gerstensaft.

Wieder in seine Heimatstadt Windsor in Ontario zurückgekehrt, begann er zu experimentieren und braute Zuhause sein erstes eigenes Bier. "Aber das reichte mir nicht", erzählt Swainson. Auch ein Deutsch- und Geschichtsstudium in seinem Heimatland wollte den Kanadier nicht wirklich ausfüllen. Und weil es weder in Kanada noch in den USA die Möglichkeit gibt, den Beruf des Brauers oder Mälzers zu erlernen, nutze Jeremy Swainson die Kontakte seiner deutschen Gastfamilie zum Rotary-Club in Xanten. Das Ziel: eine Ausbildungsstelle in einer deutschen Brauerei finden. Und tatsächlich: Die Clubmitglieder ließen auf höchster Ebene ihre Beziehungen spielen, so dass der 22-Jährige schließlich die Chance bekam, sich für die heiß begehrte Ausbildung bei der Privatbrauerei Bolten vorzustellen - und er bekam die Stelle. Seit August 2012 lebt und arbeitet Swainson nun im Rheinland.

In der Ausbildung brilliert er - mit besten Noten macht er vor allem seinen Ausbilder Torsten Schmidt stolz. "Wenn man keine Leidenschaft zum Brauen hat, ist es Quatsch, diesen Beruf zu lernen. Man muss hinter seinem Produkt stehen", sagt der Braumeister.

Swainsons Leidenschaft für das Altbier aus Korschenbroich wird deutlich, wenn er "sein" Produkt beschreibt. "Es ist vollmundig, leicht bitter, etwas nussig und hat eine leichte Röst-Note - und vor allem ist es unglaublich lecker", erklärt er.

Damit zaubert der 22-Jährige seinem Meister Torsten Schmidt ein Lächeln ins Gesicht. Und dafür, dass er zunächst gar keinen Lehrling annehmen wollte, ist Schmidt heute begeistert von seinem Nachwuchs aus Kanada. Wohl auch, weil Jeremy Swainson stets mit großem Wissensdurst an die Arbeit geht.

Der 22-Jährige schätzt die handwerklichen Aspekte seines Berufs. "Am liebsten arbeite ich im Sudhaus", erzählt der 22-Jährige. Dort wird die Bierwürze zum Kochen gebracht und in den großen Sudpfannen aus Edelstahl mit Hopfen gemischt. Dabei entsteht der herbe und leicht bittere Geschmack des Bieres. "Hier wird noch ganz viel per Hand gemacht", sagt Swainson mit Stolz in der Stimme. "Und das schmeckt man auch."

Der Nachwuchs-Brauer hat große Pläne. Nach seiner Gesellenprüfung kann er sich zwar gut vorstellen, noch einige Zeit in Korschenbroich zu bleiben - er plant auch noch, seinen Meister zu machen. In Zukunft will der Kanadier aber zurück in die alte Heimat. "Ich kann mir gut vorstellen, in Kanada eine Brauerei aufzubauen und dort ein eigenes Bier zu brauen", berichtet er - natürlich mit Leidenschaft.

(RP)