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Mönchengladbach: Kampagne: Handwerk will das Image aufpolieren

Mönchengladbach : Kampagne: Handwerk will das Image aufpolieren

Die Umfrageergebnisse der Forsa-Studie sind deprimierend: Das Handwerk wird von Jugendlichen als altmodisch und verstaubt wahrgenommen. Noch schlimmer: Einige der rund 140 Ausbildungsberufe in den verschiedenen Gewerken werden gar nicht mehr als zum Handwerk zugehörig erkannt.

Dazu gehören so alte Berufe wie Bäcker, Frisör oder Fleischer. Ein Zustand, der für das Handwerk nicht hinnehmbar ist, findet Stefan Bresser, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach.

Wie Bresser denken auch die Verantwortlichen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Um in der Öffentlichkeit ein modernes Handwerksbild zu etablieren, hat er tief in die Tasche gegriffen und für 50 Millionen Euro eine auf fünf Jahre ausgelegte bundesweite Image-Kampagne entwickeln lassen. Startschuss ist der kommende Samstag, wenn Punkt 20.14 Uhr der erste Werbefilm über die Fernsehkanäle flimmert.

In wenigen Tagen werden auch die Mönchengladbacher mit dem neuen Slogan "Das Handwerk - Die Wirtschaftsmacht von nebenan" konfrontiert. Wenn überall auf Plakaten gezeigt wird, wie die Welt ohne Handwerk aussähe. Der Image-Spot, der im Fernsehen und in Kinos läuft, zeigt das, indem sich alle Gegenstände auflösen, bei deren Entstehung Handwerker beteiligt waren: Brötchen zerbröseln in ihre Bestandteile, Bücher, Autos und Bauwerke fallen auseinander, Kleider zerfasern. Am Ende stehen die Menschen nackt in einer Einöde und versuchen, mit Hilfe von Holzstäben und Steinen Feuer zu machen.

"In Mönchengladbach gibt es im Handwerk 3200 Unternehmen mit 18 000 Arbeitnehmern und 1300 Auszubildenden", betont Bresser bei der Vorstellung der Kampagne. "Jeder dritte Ausbildungsplatz ist im Handwerk." 1,85 Milliarden Umsatz machten die Betriebe pro Jahr. Bei der Image-Kampagne machen die Betriebe mit. Flyer, Plakate und Aufkleber mit dem Slogan für die Firmenfahrzeuge werden an die Betriebe verteilt. Das kostet weder den einzelnen Unternehmer noch die Kreishandwerkerschaft etwas. "Die Kampagne wird komplett vom Zentralverband bezahlt", freut sich Bresser. Er hofft, dass die Kampagne vor allem bei den Jugendlichen ankommt. Denn es zeichnet sich ab, dass die Betriebe es bald schwer haben werden, geeignete Auszubildende zu finden. "Der Fachkräftemangel wird kommen", fürchtet Bresser. Dabei gebe es im Handwerk mittlerweile sehr anspruchsvolle Berufe, bei denen neben handwerklichem Geschick vor allem Köpfchen gefragt ist. Wer in einer Auto-Werkstatt Kraftfahrzeuge reparieren möchte, brauche enorme EDV-Kenntnisse. Und auch im Gewerk Sanitär- Heizung und Klima kommt man mit einem Schlitzschraubenzieher nicht mehr weit. "Eine Heizungsanlage mit ihren elektronischen Einheiten und Modulen ist eine komplexe Angelegenheit", weiß Bresser.

(RP)