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Mönchengladbach: Kamelle und viel Sonne bei den Veedelszügen

Mönchengladbach : Kamelle und viel Sonne bei den Veedelszügen

In sieben Stadtteilen zogen gestern die Narren durch die Straßen. Sogar aus München kamen die Besucher.

Holt: Die Sage um den Teufel in der Münsterkrypta dominierte beim Veedelszoch in Holt. Die KG Immer lustig zeigte auf ihrem Gesellschaftswagen ein auf Leinwand gezogenes Foto der Krypta, in das ein Teufel und zwei Soldaten im Stile der Legionäre aus den Asterixheften hineingezeichnet waren. Darüber stand: "Ob Würfel- oder Kartenspiel, dem Teufel wurde es zu viel". Passend dazu bildeten die Mitglieder der Gesellschaft eine große teuflische Fußgruppe. Ihnen gleich tat es die Fußgruppe "De hatte Kern". Mit 72 Personen waren sie die größte Gruppe unter den rund 450 Teilnehmern.

Beim 36. Veedelszoch feierten viele Holter nicht nur am Straßenrand, sondern auch in Garagen und Einfahrten. Mal wurden Reibekuchen gebacken und mal versammelten sich Borussiafans, um den Derbysieg mit Trikots und Fahnen zu feiern. "Das ist ein richtig geiles Bild von hier oben", rief Wilbert Schwiers, der Präsident der immer lustigen Holter, den Jecken am Straßenrand zu, als der Wagen an ihnen vorbeifuhr. Der Vorstand der Holter Schützenbruderschaft kam als Pandabären und stand mitten in einem Bambuswald auf einem Wagen. Märchenhaft wurde es beim Rattenfänger von Holt, der eine Schaar Ratten hinter sich her führte.

Für einen Farbtupfer sorgten die Speicker Lumpis. Sie kamen als bunte Lappenclowns. Auch rote und bunte Drachen hatten sich unter die Holter Zugteilnehmer gemischt. Traditionell war in Holt mit dem Ende des Zuges aber noch lange nicht Schluss. Bei der After-Zoch-Party im Festzelt an der Immelmannstraße feierten die Jecken mit Livemusik von Echt Lekker, der Rabaue und der Garderottis.

Odenkirchen: Die Generalprobe ist geglückt. Beim Veedelszoch in Odenkirchen konnte das Kinderprinzenpaar Elleny und Lukas schon einmal testen, wie es morgen beim Veilchendienstagszug sein wird. Als Gäste auf dem großen Gesellschaftswagen der KG Ruet-Wiss Okerke fuhren sie zusammen mit ihrem Hofstaat durch Odenkirchen und waren Teil eines rund 500 Teilnehmer starken Zuges. Der präsentierte sich kreativ und bunt. Der Käferclub, eine Gruppe ehemaliger Messdiener, thematisierte auf einem Wagen die Klage gegen den Tierpark.

In der Fotostrecke gibt es die Highlights der Veedelszüge im Bild.

Zu sehen waren nicht nur Fotos der "richtigen" Tiere, sondern auch Zeichnungen. Mal rief ein Esel "Ruhe" und mal erklärte ein Hahn "Da lachen ja die Hühner". Passend dazu waren die Mitglieder des Käferclubs als Tiere verkleidet. Und weil es bei ihnen schließlich um Lärm ging, hatten sie die Band "De Rollmöps" mit dabei, die mit Livemusik für eine ordentliche Beschallung sorgte. Für Gesprächsstoff sorgte die Fußgruppe Wintzen. Als Borussiafans verkleidet machten sie das Derby zum Thema und präsentierten einen Plüsch-Geißbock, der an einem Galgen baumelte.

Einige Jecken am Straßenrand fanden die Aktion gelungen, andere weniger. "Das ist aber böse", sagte eine Ex-Prinzessin kopfschüttelnd. Kurz vor Beginn des Veedelszochs kam Chefkarnevalist Bernd Gothe nach Odenkirchen und verteilte die Flyer zum Thema Integration an die Zugteilnehmer. Unterwegs brachten sie zusammen Kamelle unter das närrische Volk. Weil die beiden Odenkirchener Gesellschaften den Zug gemeinsam ausrichten, gehörte den Karnevalsfreunden Schwarz-Gold Odenkirchen das Ende des Zuges. Auf ihrem Gesellschaftswagen zeigten sie Figuren wie Schneewittchen und die sieben Zwerge.

Venn: Lange stand nicht genau fest, wie es mit Venner Veedelszoch nach dem Tod von Wolfgang Pilates, dem Vorsitzenden der 1. Venner KG, weitergehen soll. Schließlich taten sich viele Vereine, Gruppen und Privatleute zusammen und stellten den Zug in der Art auf die Beine, wie es Pilates viele Jahre getan hatte. "Wir haben natürlich die ganze Session an ihn gedacht und es war ein komisches Gefühl. Den Zug weiterzuführen, wäre in seinem Sinne und deshalb machen wir weiter", sagt Vorstandsmitglied Frank Weber. Gemeinsam brachten es die Venner auf rund 500 Teilnehmer.

Mit dabei waren nicht nur die Poether Pothäepel, die andere Venner Gesellschaft, sondern auch die 1. Stadtgarde und die KG Wenkbülle. Sie unterstützten die Venner Jecken. Die Prinzengarde der Stadt Mönchengladbach schickte Mitglieder ihrer Reiterei. Sagenhaft wurde es beim Freundeskreis Jansen. Als Wikinger verkleidet zogen sie mit 22 Personen mit. Extra aus Münster reiste Jan Hilgers an. "Mein Vater wohnt hier in Venn und macht auch in der Fußgruppe mit. Deshalb bin ich heute auch dabei", erzählte er.

Während die Wikinger aus einem Kegelclub hervorgingen, waren die Rhabarber Darter ursprünglich einmal Mitglieder von Rot-Weiß Venn. "Wir sind nur noch sechs Leute, die übrig geblieben sind", sagt Luggi Wilms. Ihr Name entspringt ihrem Hobby. "Wir spielen gerne Dart und trinken dabei immer Rhabarber-Schnaps", verrät Wilms. Einen neuen Wagen gab es in Venn mit Brunos Bierdorf zu sehen. Der Stand, der sonst auf dem Weihnachtsmarkt am Alten Markt oder auf der Rheydter Kirmes zu sehen ist, war auf einen Wagen bugsiert worden und bot ein nettes Bild. Die Schützengruppe Duis war in bunten Perücken ein Farbklecks.

Rheindahlen: In Sachen Kinderkarnevalszug hat Fabienne mit ihren acht Jahren schon Routine. Bereits als Einjährige zog sie mit, später war sie als Mitglied der Tanzgarde bei der Rheindahlener KG "Potz op" dabei. In der Session 2015 bildet sie mit Lukas (10) das Kinderprinzenpaar der KG und hat damit auf dem Prinzenwagen den besten Blick auf ihren Veedelszoch. "Meine Lieblingsstelle ist der Kreisverkehr mit den vielen Leuten. Ich freue ich mich aber auch schon auf unseren Bühnenauftritt im Schulzentrum nach dem Zug", sagt Prinzessin Fabienne I., die bis dahin allerdings mit den übrigen über 800 Teilnehmern eine drei Kilometer lange Strecke zurücklegen muss - bei wieder einmal bestem Wetter.

"Wir haben eigentlich zumeist Glück gehabt. Bei Sonnenschein braucht man sich um genügend Zuschauer am Straßenrand keine Sorgen zu machen", sagt Peter Knors. Den Zugleiter freut es, dass sich viele Gruppen dem Sessionsmotto angeschlossen haben und entsprechend "sagenhaft" kostümiert sind. So sticht die KG "Rot-Weiß Genhülsen" auf ihrer "Santa Genhülsia II" in See, dicht gefolgt von weiteren Piraten, die auf Jack Sparrows "Black Pearl" unterwegs sind.

Die Dorfgemeinschaft Merreter-Knorr sowie die Kothausener Karnevalsfreunde hat es dagegen in den Orient zu Aladdin verschlagen, während der SC Broich-Peel die Pinguine aus Madagaskar zu sich ins Dorf geholt hat. Zudem machen sich Wikinger, Geisterjäger, Waldfeen, Ritter, und Zwerge von der Broicher Straße aus auf den Weg. Die größte Fußgruppe stellen die Bambini der DJK Hehn mit 60 Personen. Alle Teilnehmer haben nur ein kleines Problem: Sie benötigen aufgrund der vielen Besucher etwas länger als geplant für die Strecke. Doch damit kann die KG "Potz op" sehr gut leben. Überschattet wurde der Zug von den Schlägereien am Rheindahlener Markt.

Eicken: "In Eicken is de Düvel los" - unter diesem Motto zogen die Jecken des Städtischen Altenheimes Eicken mit beim Veedelszoch in ihrem Stadtteil. Passend als Teufel kostümiert jubeln Pfleger und Bewohner vor allem den kleinen Zugbesuchern zu. Sie folgen der Garde der KG Schöpp Op, die den Umzug eröffnet. Und auch Lappenclowns dürfen bei so einem Umzug nicht fehlen. Den vermutlich weitesten Weg zum Zug hat Emily (7) zurückgelegt: Das Mädchen aus München besucht ihre Großeltern Traudel und Bernd Pohle in Mönchengladbach. In München, da gäbe es nur im Hort eine Faschingsfeier, erzählt sie, nicht so wie hier.

Dabei macht ihr Verkleiden - am Sonntag als Meerjungfrau - doch so viel Spaß. "Ich habe mich sogar selber geschminkt!", ruft sie und deutet auf ihren blauen Lippenstift. Dann ergreift die Siebenjährige die Chance und sammelt so viel Kammelle, wie ihre grüne Stofftüte hergibt. Auch eine Tüte Popcorn kann sie ergattern, das isst sie besonders gern. Ob das ganze denn auch geteilt wird? "Ja, mit meiner Mama und meinem Bruder", verspricht Emily, ihr Großvater klopft ihr auf die Schulter. "Mal sehen", sagt er schmunzelnd.

Hardterbroich: Pünktlich um 14.11 Uhr setzt sich der Veedelszoch am Hardterbroicher Pfarrheim in Bewegung. Auch eine Abordnung der Altstädter Köln 1922 zieht mit, die Musikfreunde Mönchengladbach sorgen für Stimmung und echte Karnevalsmusik. Vom Kinderprinzenpaarwagen der KG Alles onger ene Hoot winkt die diesjährige Kinderprinzessin Sandy I. Sie greift tief in die Kiste mit Süßigkeiten vor sich, grinst und freut sich über die vielen Hardterbroicher, die zum Zug gekommen sind.

Einen schöneren Tag hätte es für ihren Auftritt auf dem großen Wagen wohl kaum geben können. Klar, klein ist der Zug, "aber so schön heimelig. Man trifft einfach viele Leute, die man kennt", erklärt Bernd Dannhüser den Charme des Stadtteilumzugs. Rund 150 Kinder und Erwachsene ziehen mit, ganz Hardterbroich scheint auf den Beinen. Bei strahlendem Sonnenschein lohnt es sich auch, eine Stunde zu warten, bis der Zug einmal durchs Viertel gezogen ist. Dann treffen sich alle im Festzelt hinter dem Pfarrheim, um den Tag ausklingen zu lassen. Bis dahin machen einige Anwohner der Hardterbroicher Straße ihre eigene Karnevalsfeier: Stehtische raus, Pilsgläser und Radio aufgestellt, Sonne genießen.

Giesenkirchen: Der Zug geriet ins Stocken. Robin Hood hatte soeben eine "Humba" angestimmt - und seine Gleichgesinnten sangen mit. Unter den Helden-Kostümen steckten die Gesichter des ATV Biesel. Passte ja irgendwie, denn wie Robin Hood mit Pfeil und Bogen trifft auch der ATV immer - so stand es jedenfalls auf dem großen ATV-Wagen, der sich wie die vielen anderen beim Veedelszoch durch die Giesenkirchener Straßen bewegte.

So wurden die diversen Robin Hood-Doubles von Teufeln, Piraten und Indianern begleitet. Als Drachenzähmer aus dem Animationsfilm "Drachenzähmen leicht gemacht", gingen Giesenkirchens Pfadfinder und spielten damit ebenso auf das Sessionsmotto "Gladbach hat auf jeden Fall 'nen saaagenhaften Karneval" an, wie die übrigen Gruppen, deren Schlachtrufe zeitweise unter der Musik untergingen. Die zehnjährige Antonia aber bewies Ausdauer - mit Erfolg. Ihr Stoffbeutel war am Ende komplett mit Kamellen gefüllt. Aber auch für die Kostüme hatte die Närrin, die selbst als pinkes Nilpferd zum Zug kam, ein Auge. "Die Fliegenpilze haben mir gefallen", sagte sie. Die Karnevalsfreunde der SSV Rheydt waren als Pilze mit den auffälligen Hüten unterwegs.

(RP)