Mönchengladbach: Kaifer — der Modernisierer

Mönchengladbach: Kaifer — der Modernisierer

Die Kette, mit der der Goldschmied 1889 die Amtsstube im Rathaus Abtei betrat, muss ziemlich schwer gewesen sein. 73 ovale Kettenglieder, eine Medaille mit Stadtwappen und der Inschrift "Oberbürgermeister der Stadt M. Gladbach 1889", dazu die Buchstabenfolge A. M. A. I. – für Viktor Kaifer, der als erster Gladbacher (Ober-)Bürgermeister überhaupt eine Amtskette tragen durfte, war sie aber offenbar nicht zu schwer. Die Buchstabenfolge A. M. A. I. stand für "A Monachis ad Industriam" – von den Mönchen zur Industrie. Und das kennzeichnete Kaifers Amtszeit.

Die Kette, mit der der Goldschmied 1889 die Amtsstube im Rathaus Abtei betrat, muss ziemlich schwer gewesen sein. 73 ovale Kettenglieder, eine Medaille mit Stadtwappen und der Inschrift "Oberbürgermeister der Stadt M. Gladbach 1889", dazu die Buchstabenfolge A. M. A. I. — für Viktor Kaifer, der als erster Gladbacher (Ober-)Bürgermeister überhaupt eine Amtskette tragen durfte, war sie aber offenbar nicht zu schwer. Die Buchstabenfolge A. M. A. I. stand für "A Monachis ad Industriam" — von den Mönchen zur Industrie. Und das kennzeichnete Kaifers Amtszeit.

Glaubt man den Nachrufen, die nach Kaifers Tod erschienen, dann trug die goldene Kette zumindest nicht zur Selbstherrlichkeit des Verwaltungschefs bei. Im Gegenteil: Kaifer sei ein Mann von edlen Charaktereigenschaften gewesen, gerecht gegen jedermann und liebenswürdig im Umgang mit seinen Mitbürgern, schrieb die Westdeutsche Landeszeitung. Und die Gladbacher Volkszeitung hielt nach seinem Rückzug fest: "Er ging immer geradeaus seinen Weg, vollständig fremd waren ihm Hinterthüren und Schleichwege. Sein gerader Charakter und sein leutseliges Wesen machten ihn bei allein Bürgern beliebt, man schätzte an ihm besonders seine Abneigung gegen engbüreaukratisches Wesen und seine strenge Unparteilichkeit."

Es war nicht die Zeit der Prestigeobjekte, wie sie sein Nachfolger Hermann Piecq reihenweise in der Stadt errichten ließ. Kaifer hatte vielmehr damit zu tun, die Stadt leistungsfähig zu halten. Denn die Bevölkerung wuchs innerhalb seiner Amtszeit von 33 000 auf 58 000. Die Stadtverwaltung hatte eine Menge zu tun, vor allem nach der Bismarckschen Sozialgesetzgebung 1883. Waren es 1876 noch neun Beamte in der Verwaltung, gab Kaifer 1900 einen Beamtenapparat von 70 Mitarbeitern ab. Straßen wurden ausgebaut, das erste Wasserwerk entstand für über 470 000 Mark — mehr als 85 Prozent der Gemeindesteuereinnahmen.

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Zum Vergleich: Kaifer verdiente im Jahr 7500 Mark. Ab 1881 verband eine Pferdebahn die Städte Gladbach und Rheydt. Turnhalle, Schlachthof, das Kaiserbad und viele Schulen — Kaifer legte großen Wert auf infrastrukturelle Modernisierung. Allein die Zahl der Lehrer verdoppelte sich unter ihm auf 155 Pädagogen. Dass der Geroweiher neu gestaltet wurde, der Volksgarten angelegt und der Kaiserpark (heute Adenauerplatz) gebaut wurde, waren schon die Vorzeigeobjekte Kaifers.

Im Januar 1900 bat er, nach seiner zweiten Amtszeit in den Ruhestand wechseln zu dürfen. Doch auch dann blieb Kaifer der Stadt verbunden. So wurde er 1902 Gründungsvorsitzender des Museumsvereins "zur Hebung des Verständnisses der Bürgerschaft für die Geschichte der engeren Heimat und zur Förderung der auf die Vergrößerung und Vervollständigung des städtischen Museums gerichteten Bestrebungen". 40 Mitglieder hatte der Museumsverein damals, und 1904 zog das Museum in ein eigenes Gebäude am Fliescherber — wenigstens der Vorläufer eines Prestigeobjekts.

(RP)
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