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Mönchengladbach: "Jetzt machen wir Druck"

Mönchengladbach : "Jetzt machen wir Druck"

Demonstrationsmärsche zum Rathaus, Lichterketten, Unterschriftenlisten – die Bürger von Eicken wollen ihren Protest gegen die geplante Islamschule ausweiten. Über 200 Menschen trafen sich gestern in der Mehrzweckhalle.

Demonstrationsmärsche zum Rathaus, Lichterketten, Unterschriftenlisten — die Bürger von Eicken wollen ihren Protest gegen die geplante Islamschule ausweiten. Über 200 Menschen trafen sich gestern in der Mehrzweckhalle.

Der Andrang war groß. Immer wieder mussten Ordner gestern Abend neue Stuhlreihen in der Eickener Mehrzweckhalle aufbauen. Über 200 Menschen waren gekommen, um gemeinsam zu diskutieren, wie man die geplante Islamschule in Eicken verhindern kann.

"Wir fühlen uns allein gelassen. Aus der Presse haben wir erst erfahren, dass sich hier ein Verein niederlässt, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird, weil er unsere demokratische Grundordnung nicht anerkennt", sagte Dietmar Heß. Er gehört wie Manuela Buhse und der Jurist Wilfried Schultz zu den Initiatoren der neuen Bürgerbewegung gegen die Islamschule.

Jeder soll seine Religion ausüben

Und die will nun richtig Druck machen: mit einem Protestzug zum Rathaus am kommenden Freitag um 17 Uhr, mit regelmäßigen Montagsdemos und mit Unterschriftenlisten. Jetzt soll niemand mehr weggucken können.

"Während wir hier in Eicken nach der Meldung des geplanten Umzugs der Islamschule in Furcht und Panik gerieten, haben viele Politiker das Tiefenruder aufgestellt und sind abgetaucht", erklärte Schultz. Die Bürger, die sich gestern in der Halle trafen, sind entschlossen, vehement gegen die Islamschule zu kämpfen, deren Leiter "Steinigungen von untreuen Frauen als gerechtfertigt ansieht" und der eine Gleichberechtigung von Frau und Mann in Frage stelle.

Aber die Bürger machten auch das klar: "Jeder soll seine Religion ausüben können, ganz gleich ob er katholisch, muslimisch, orthodox oder hinduistisch ist", sagte Manuela Buhse. "Wir leben hier mit vielen Nationen und Religionen friedlich zusammen. Wir haben nur etwas gegen diesen Verein."

Neben den Initiatoren waren auch SPD-Bezirksvorsteher Reinhold Schiffers und Hans-Willi Körfges, SPD-Landtagsabgeordneter, anwesend. Körfges wies darauf hin, dass die Entscheidung über ein mögliches Verbot des Vereins "Einladung zum Paradies" keine der Gesetzgebung sei, sondern der Justiz. "Den Bau der Schule kann die Stadt nicht untersagen, wenn alle rechtlichen Auflagen erfüllt sind", sagte Körfges am Rande der Veranstaltung. Gülistan Yüksel, Vorsitzende des Integrationsrates, möchte zusammen mit der Bürgerinitiative eine weitere Informationsveranstaltung organisieren und Stadtverwaltung, Innenministerium und Verfassungsschutz befragen.

"Ich habe klare Antworten vermisst und bin erschrocken, dass sich niemand von den zuständigen Behörden hat blicken lassen", sagte Yüksel. Eigentlich hatte für das Treffen gestern Abend ein Vertreter des Innenministeriums seinen Besuch zugesagt. Doch er erschien nicht. Manuela Buhse ist sich sicher: "Das war heute Abend nur ein Anfang."

(RP)