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Mönchengladbach: Jesusfigur geköpft

Mönchengladbach : Jesusfigur geköpft

Pietätlose Zerstörungswut: In Venn wurde die Kreuzigungsgruppe kaputt geschlagen, in Hardterbroich eine Marienfigur demoliert, und in Wickrath verschwanden Grabkreuze. Das alles geschah innerhalb weniger Tage.

Marga Bremer kann es nicht begreifen: "Wer macht so etwas?", fragt sie und schaut auf das Wegekreuz in Hardterbroich. Unbekannte haben in der Nacht zum 1. August der Marienfigur und dem Jesuskind die Köpfe abgeschlagen. Es ist nicht das erste Mal, dass das von den Anwohnern liebevoll gepflegte Heiligendenkmal geschändet wurde. Zweimal wurde die Madonna bereits gestohlen, berichtet Paul Bolzen. Seine Vorfahren stifteten einst die Marienfigur. Über 100 Jahre und mehrere Umzüge hatte sie schadlos überstanden. Wer an dem Wegekreuz innehielt, der wollte beten oder einfach nur schauen. Stehlen oder zerstören kam bis vor wenigen Jahren keinem in den Sinn.

"Das muss bestraft werden"

Das hat sich geändert. Die Anwohner reagierten nach dem zweiten Diebstahl und brachten ein Gitter vor der Marienfigur an, die von einem Nachbar gestiftet wurde. "Wahrscheinlich hat jemand versucht, das Gitter abzumontieren. Als das nicht klappte, wurde die Figur aus Wut zerstört", vermutet Bolzen. Dass die Täter erwischt werden, sei bestimmt unwahrscheinlich. Dennoch hofft er auf Hinweise.

Auch Hans Riethmacher findet, dass so etwas nicht ungestraft bleiben darf. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist nämlich auch die Kreuzigungsgruppe in Venn demoliert worden. "Da muss schon jemand mit Brachialgewalt herangegangen sein", sagt das Bruderschaftsmitglied. Riethmacher ist traurig: "Die Kreuzigungsgruppe ist der letzte sichtbare Teil der ,Lourdes-Grotten', die 1885 von Pfarrer Mürriger errichtet wurden und Venn seinerzeit zum Wallfahrtsort für viele Gläubige aus Deutschland und den angrenzenden Ländern werden ließ." Jetzt müssen wieder Spenden gesammelt werden, um das Denkmal erneut herzurichten. "Dafür muss ein Restaurator bestellt werden, das ist sicherlich mit hohen Kosten verbunden", sagt der Bäckermeister.

Marienfiguren, Kirchen, Friedhöfe — Straftätern ist nichts mehr heilig. Das sagt auch die Polizei. "Vor 30 Jahren kam so etwas so gut wie gar nicht vor", weiß Polizeisprecher Jürgen Lützen. Auch wenn in der Statistik die Diebstähle und Zerstörungen an Heiligenfiguren und geweihten Orten nicht extra aufgeführt werden, ist bekannt, dass Gräber mittlerweile regelmäßig geplündert werden. Zuletzt am vergangenen Dienstag, als der Friedhof in Wickrath zum Tatort wurde. Von mindestens 30 Grabstellen wurden Kreuze, Vasen und Figuren gestohlen. Manches wurde mit Gewalt abgerissen. Offensichtlich hatten es die Täter wieder einmal auf Metall abgesehen. Auch hier werden noch Zeugen gesucht.

(RP)