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Mönchengladbach: Islamschule: Verein sagt Infostand ab

Mönchengladbach : Islamschule: Verein sagt Infostand ab

Nun ist ihnen der Wirbel und die Aufregung wohl doch zu groß geworden. Der islamische Verein "Einladung zum Paradies" hat den für Samstag am alten Stadttheater geplanten Informationsstand abgesagt. Die Polizei führte Freitagnachmittag ein Gespräch mit einigen Vereinsmitgliedern.

"Das Ergebnis der Besprechung ist, dass sie uns versicherten, dass sie am Samstag nicht auftreten werden — weder in Rheydt noch in Mönchengladbach", sagte Polizeisprecher Peter Spiertz. Die Begründung des Vereins: Man wolle nicht noch mehr Aufsehen erregen. Dabei hatte die Stadtverwaltung dem Verein noch am Morgen die Sondernutzungsgenehmigung für den Theatervorplatz erteilt.

"Der Verein ist nicht verboten. Deshalb darf er auch Info-Stände aufbauen, öffentliche Kundgebungen anmelden, Jugendförderung betreiben und werben", erklärte Spiertz. Seit Monaten gehen Mitglieder und Anhänger von "Einladung zum Paradies" an die Öffentlichkeit. Auf der Straße und im Internet werben sie für den Übertritt zum Islam.

Am vergangenen Dienstag hatte der Verfassungsschutz Niedersachsen auf seiner Internetseite den Umzug der umstrittenen Islamschule von Braunschweig nach Mönchengladbach verkündet und damit die ganze Stadt überrascht. Die Islamschule gilt als eine der wichtigsten Fortbildungsstätten in Deutschland für den so genannten Salafismus. Sicherheitsbehörden warnen: Sie schreiben dieser Strömung eine hochgradig radikalisierungsfördernde Wirkung zu. Hier könnte ein geistiger Nährboden für Terroristen gelegt werden.

Bereits Ende vergangenen Jahres fusionierte der Verein Massjid As Sunnah, der seit fünf Jahren eine Moschee an der Eickener Straße betreibt, mit "Einladung zum Paradies". Im Juni wurde ein Vertrag zum Kauf der Immobilie unterschrieben, die nun ausgebaut werden soll, damit die Islamschule einziehen kann.

"Wir hatten von Anfang an Kontakt zu Massjid As Sunnah, so wie wir zu allen islamischen Vereinen Kontakt haben", sagte Polizeisprecher Spiertz gestern.

Die anderen islamischen Vereine stehen "Einladung zum Paradies" aber zumindest skeptisch gegenüber, Adnan Özden, Hodscha des Integrations- und Bildungsvereins, kündigte an, dass sich die Gemeinde an der Neusser Straße deutlich von der Islamschule distanzieren werde, falls diese tatsächlich nicht im Geiste des Grundgesetzes agieren sollte. "Gewalt ist nicht unser Weg", so Özden zur RP.

Er unterhält Kontakte zu allen muslimischen Gemeinden in der Stadt — mit einer Ausnahme: die Moschee an der Eickener Straße. "Nach allem, was ich weiß, bin ich in diesem Fall nicht an Kontakt interessiert", so der Theologe der Gemeinde. Er teile in einigen Fällen nicht die Ansichten der gläubigen Moslems in Mönchengladbach. "Aber zu allen gibt es ein gesundes Fundament, das von gegenseitigem Respekt geprägt ist", so Özden. Bei der Eickener Moschee sei dies anders.

Der Hodscha fürchtet, dass die Islamschule sich negativ auf den interreligiösen Austausch auswirken könnte. Die Gläubigen der Moschee an der Neusser Straße suchen seit langem institutionalisiert den Austausch mit christlichen Gemeinden. "Natürlich sind wir unterschiedlicher Auffassung, aber vor allem haben wir Respekt voreinander", so Özden.

(RP)