Mit Dehoga-Chef Andreas R. Graf: Innenmarketing der Stadt muss besser werden

Mit Dehoga-Chef Andreas R. Graf: Innenmarketing der Stadt muss besser werden

Dehoga-Vorsitzender Andreas Graf über sein neues Leben, Gladbachs Entwicklung und die Frage, ob die Stadt noch mehr Hotels braucht.

Herr Graf, Ihr Name war 17 Jahre lang untrennbar mit dem Best Western verbunden. Zum 1. Juli haben Sie sich von dem Hotel getrennt. Was machen Sie seitdem?

Andreas R. Graf Bis Weihnachten war ich mit der Abwicklung beschäftigt. Meine GmbH ist Hauptmieter des Gebäudes, Kernmiete und Nebenkosten laufen über uns. Mit Novum, der Gesellschaft, die das Hotel übernommen hat, haben wir einen Untermietvertrag über zehn Jahre geschlossen. Die Umstellung aller Verträge kostet viel Zeit: Vom Telefonvertrag bis zum Kopierer muss alles geändert werden. Die Ehrenämter führe ich weiter.

Sie sind noch für ein Jahr als Vorsitzender der Kreisgruppe Mönchengladbach des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes gewählt. Werden Sie für dieses Ehrenamt auch weiterhin zur Verfügung stehen?

Graf Ich stehe für die Wiederwahl zur Verfügung. Das ist auch Wunsch des Vorstands. Für mich ist das eine Herzensangelegenheit, außerdem bin ich hier gut vernetzt. Das Aufgabenfeld wird sich erweitern, denn die Mönchengladbacher und die Viersener Kreisgruppe werden fusionieren. Es gibt viele Berührungspunkte. Da ist es sinnvoll, sich zusammenzuschließen, zumal die Viersener Schwierigkeiten hatten, ehrenamtliche Posten zu besetzen. Gemeinsam können wir stärker auftreten. Der Kreis Viersen ist stark im Touristikbereich und gut mit der Agentur Niederrhein vernetzt. Da können Synergien entstehen.

Sie sind auch noch in anderen Ehrenämtern aktiv.

Graf Ich engagiere mich bei der IHK, in der Mittelstandsvereinigung der CDU, in der CDU Oberstadt- Waldhausen und nicht zuletzt als Schatzmeister bei der Prinzengarde.

Sie haben außerdem eine Beratungsfirma gegründet. Wen beraten Sie?

Graf Ich biete Consulting für Hotellerie und Gastronomie an. Ich werde aber erst im neuen Jahr damit beginnen. Ich bringe die Erfahrung von vierzig Berufsjahren und vier Hotel-umbauten mit. Ich kann Bauarbeiten und die entsprechenden Etats überwachen. Oder Kosten analysieren, um Einsparpotenzial zu entdecken. Aus der Helikopterperspektive kann man im Betrieb vielfältige Betätigungsfelder entdecken.

Wann haben Sie entschieden, aus dem Hotelbusiness auszusteigen?

Graf Ich habe seit 2015 darüber nachgedacht. Da war klar, dass der Umbau 2017 fertiggestellt sein würde. Ich hatte eigentlich vor, das Hotel Ende 2018 abzugeben. Dann fand sich ein Bewerber, der noch in diesem Jahr übernehmen wollte. Alles ging sehr schnell. Aber wer in dieser Branche arbeitet, muss flexibel sein.

Gab es Momente, in denen Sie Ihre Entscheidung bereut haben?

Graf Nein! Ich werde jetzt mehr Zeit haben, und das ist der größte Luxus, den es heute gibt.

Wie hat sich Gladbach in den 17 Jahren aus Ihrer Sicht verändert?

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Graf Wer Mönchengladbach im Jahr 2000 verlassen hat und jetzt zurückkommt, erkennt die Stadt nicht wieder. Es gab eine enorme Entwicklung. Nehmen Sie den Nordpark, das war damals größtenteils Brachland. Jetzt bekommt man kaum noch Grundstücke. Oder die großartige Entwicklung des Logistikstandorts in Güdderath. Und natürlich das Minto. Vor Jahren haben viele mit einem müden Lächeln auf Gladbach geguckt. Doch das hat sich geändert. Warten wir noch mal zehn Jahre. Dann werden in NRW viele neidisch auf die Stadt sehen. So etwas muss man erst mal hinbekommen. Die Stadt hat es verdient, sie ist lange durch ein Tal der Tränen gegangen. Das Innenmarketing müssen wir allerdings noch verstärken. Die Bürger müssen noch mehr mitgenommen werden. Wenn Gäste nach Gladbach kommen, sollten sie schon in den Bussen und im Taxi eine positive Stimmung spüren.

Was hat sich bei den Gästen geändert?

Graf Sie sind internationaler geworden. Es gibt im Tourismus noch Nachholbedarf. Alle arbeiten daran, zahlungskräftiges Publikum in die Stadt zu bekommen - Marketinggesellschaft, IHK und auch Dehoga. Wir müssen noch die richtigen Vermarktungsstrategien finden, die richtige Überschrift für die Stadt.

Mit welchen Argumenten würden Sie die Touristen in die Stadt locken?

Graf Es gibt viele. Die Konzerte im Sparkassenpark und jetzt in der Red Box zum Beispiel. Das Museum Abtei, die Schlösser, das Minto, auch die Outletcenter. Die Botschaft muss sein: Ihr langweilt euch hier sicher nicht. Für die verschiedenen Zielgruppen müssen dann Programme zusammengestellt werden - Sport, Musik, Kunst. Alle Akteure sollten die Zusammenarbeit suchen und das Ergebnis in Programmen kanalisieren. Auch die Kollegen aus der Hotellerie und Gastronomie müssen sich da einbringen.

Die FDP fordert eine digitale Tourismusinformation mit Virtual-Reality-Elementen. Sollte Gladbach dabei eine Vorreiterrolle einnehmen?

Graf Ja, solche Dinge sollten schnellsten entwickelt werden.

Borussia-Hotel, Abteiberg-Pläne: Braucht Gladbach mehr Betten?

Graf Wenn es Investoren gibt, dann ist die Entwicklung von einzelnen nicht aufzuhalten. Die Gladbacher Hoteliers müssen darauf reagieren, ihre eigenen Produkte pflegen und weiterentwickeln. Es ist sinnvoll, zusammenzuarbeiten. So wie es Rosenmeer, Freiraum und Rheydter Residenz tun. Es werden im Laufe der Jahre außerdem auch Kapazitäten verloren gehen, weil Familienhotels keine Nachfolger finden. Insofern glaube ich nicht, dass die Neubauten auf längere Sicht zu Überkapazitäten führen werden.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Wie wird Mönchengladbach 2030 Ihrer Meinung nach dastehen?

Graf Es wird eine moderne, pulsierende Stadt mit zwei lebendigen Stadtzentren und mit hoher Lebensqualität und Kaufkraft sein. Ich freue mich, dass ich das wahrscheinlich noch erleben werde. Und dass ich ein bisschen daran mitarbeiten konnte. Das ist etwas, worauf man eines Tages stolz sein kann.

ANGELA RIETDORF UND JAN SCHNETTLER FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

(RP)